
Der insolvente Sondermaschinenbauer Paul Köster baut im Zuge seiner Sanierung 90 Arbeitsplätze ab. 212 Stellen am Unternehmenssitz in Medebach sollen erhalten bleiben. Sämtliche bestehenden Ausbildungsverhältnisse sollen ebenfalls fortgeführt werden. Für die Beschäftigten, deren Arbeitsplätze wegfallen, ist eine Transfergesellschaft vorgesehen.
Damit erreicht das seit Juni laufende Sanierungsverfahren eine für die Belegschaft einschneidende Phase. Der Paul Köster Stellenabbau soll die Kosten des Unternehmens an ein künftig niedriger erwartetes Umsatzniveau anpassen. Der Geschäftsbetrieb soll währenddessen weiterlaufen.
Die Beschäftigten wurden Ende September bei einer Betriebsversammlung über die Personalmaßnahmen informiert. Nach Angaben der Restrukturierungsbegleiter sollen nach dem Stellenabbau 212 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die Reduzierung der Personalkosten ist Teil des Sanierungskonzepts, mit dem der Sondermaschinenbauer fortgeführt werden soll.
Für die 90 betroffenen Beschäftigten ist der Wechsel in eine Transfergesellschaft vorgesehen. Dort sollen unter anderem Qualifizierungsmaßnahmen und Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle angeboten werden. Einzelheiten zur konkreten Ausgestaltung sollten nach der Bekanntgabe noch mitgeteilt werden.
Von dem Stellenabbau nicht betroffen sein sollen die bestehenden Ausbildungsverhältnisse. Anfang August hatte das Unternehmen vier neue Auszubildende begrüßt. Die Fortsetzung der Ausbildung ist damit ebenfalls Bestandteil des derzeitigen Fortführungskonzepts.
Paul Köster hatte am 8. Juni 2026 beim Amtsgericht Arnsberg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 320 Menschen. Als Hintergrund nannte die Geschäftsführung damals eine drohende Zahlungsunfähigkeit.
Das Amtsgericht eröffnete das Insolvenzverfahren am 1. September wegen Zahlungsunfähigkeit und ordnete die Eigenverwaltung an. Anders als in einem regulären Insolvenzverfahren bleibt bei diesem Modell die Geschäftsführung für das operative Geschäft verantwortlich. Sie verwaltet das Unternehmen unter der Aufsicht eines gerichtlich eingesetzten Sachwalters. Diese Aufgabe hat Rechtsanwalt Marco Kuhlmann übernommen.
Die aktuelle Planung mit 90 wegfallenden und 212 verbleibenden Stellen ergibt zusammen 302 Arbeitsplätze. Wie sich die Differenz zu den beim Insolvenzantrag im Juni genannten rund 320 Beschäftigten im Einzelnen zusammensetzt, wurde in den aktuellen Angaben nicht näher aufgeschlüsselt.
Als wesentliche Ursache für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatte Paul Köster im Juni einen erheblichen und kurzfristigen Rückgang der Aufträge genannt. Besonders betroffen sei das Geschäft mit Kunden aus der Automobilindustrie gewesen. Zusätzlich verwies das Unternehmen auf zunehmenden Preisdruck, höhere Kosten und Insolvenzen mehrerer langjähriger Kunden in den vergangenen zwei Jahren.
Für den Sondermaschinenbauer ist die Entwicklung der Automobilindustrie von besonderer Bedeutung. Paul Köster entwickelt unter anderem Anlagen für industrielle Dichtheitsprüfungen, Montagetechnik und Automatisierung. Zugleich versucht das Unternehmen, sein Geschäft auf weitere Branchen auszudehnen. Auf seiner aktuellen Produktdarstellung nennt Paul Köster neben Automotive beispielsweise Medizintechnik, Industriearmaturen, Rechenzentren sowie industriellen Modulbau.
Die Schwierigkeiten treffen das Unternehmen in einer weiterhin angespannten Phase für den deutschen Maschinenbau. Der Branchenverband VDMA erwartet für 2026 einen realen Rückgang der Maschinenbauproduktion um zwei Prozent. Es wäre damit das vierte Jahr in Folge mit sinkender Produktion. Auch wichtige Abnehmerbranchen bleiben unter Druck. Die Pkw-Produktion in Deutschland lag in den ersten acht Monaten 2026 vier Prozent unter dem Vorjahresniveau und noch 16 Prozent unter dem Stand von 2019.
Mit dem Personalabbau ist das Insolvenzverfahren noch nicht beendet. In den kommenden Wochen soll ein Insolvenzplan vorgelegt werden. Er soll festlegen, wie das Unternehmen finanziell und organisatorisch nach dem Verfahren aufgestellt wird. Nach der derzeit kommunizierten Planung soll das Eigenverwaltungsverfahren im Januar 2027 abgeschlossen werden.
Der Betrieb ist während des Verfahrens weitergeführt worden. Kundenaufträge, Lieferbeziehungen und Serviceleistungen wurden nach Unternehmensangaben fortgesetzt. Bereits beim Insolvenzantrag hatte die Geschäftsführung den Erhalt des Standorts sowie möglichst vieler Arbeitsplätze als zentrale Ziele genannt.
Ob der vorgesehene Zeitplan bis Januar eingehalten werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Zunächst stehen der Insolvenzplan und die weiteren insolvenzrechtlichen Schritte an. Fest steht inzwischen aber, mit welcher Personalstärke das Unternehmen seine operative Fortführung plant: 212 Arbeitsplätze sollen bleiben, während 90 Stellen im Rahmen der Restrukturierung entfallen.






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