
Die EU-Kommission hat am Dienstag, 13. Oktober 2026, die geplante Übernahme des US-Gesundheitskonzerns Kenvue durch Kimberly-Clark unter Auflagen genehmigt. Der amerikanische Konsumgüterhersteller muss sich dafür im Europäischen Wirtschaftsraum von mehreren Damenhygienemarken trennen. Mit der Entscheidung beseitigt die europäische Wettbewerbsbehörde ein wesentliches Hindernis für die milliardenschwere Übernahme.
Die Genehmigung ist an verbindliche Zugeständnisse von Kimberly-Clark geknüpft. Das Unternehmen hat zugesagt, seine Marken für Tampons und weitere Damenhygieneprodukte im Europäischen Wirtschaftsraum zu veräußern. Betroffen sind Kotex einschließlich der Untermarke Lidie sowie Camelia und Record. Damit soll verhindert werden, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb auf bestimmten europäischen Märkten erheblich beeinträchtigt.
Die EU-Kommission hatte insbesondere Bedenken hinsichtlich des Wettbewerbs auf den Tamponmärkten in Tschechien, Estland und der Slowakei. Durch den Verkauf der betreffenden Marken sieht die Behörde diese Bedenken als ausgeräumt an. Die Genehmigung ermöglicht damit die geplante Übernahme von Kenvue, sofern die festgelegten Verpflichtungen erfüllt werden.
Kimberly-Clark hatte die Übernahme im November 2025 angekündigt. Der Konzern bezifferte den Unternehmenswert von Kenvue einschließlich Schulden damals auf rund 48,7 Milliarden US-Dollar. Vereinbart wurde eine Kombination aus Barzahlung und Aktien. Für jede Kenvue-Aktie sollen die bisherigen Anteilseigner 3,50 Dollar sowie 0,14625 Aktien von Kimberly-Clark erhalten.
Nach den ursprünglichen Vereinbarungen sollen die bisherigen Aktionäre von Kimberly-Clark anschließend rund 54 Prozent des zusammengeschlossenen Unternehmens halten. Auf die bisherigen Kenvue-Aktionäre würden etwa 46 Prozent entfallen. Beide Unternehmen hatten der Transaktion bereits zugestimmt. Auch die Aktionäre billigten die notwendigen Beschlüsse im Januar 2026.
Mit der Übernahme würden zwei international bedeutende Anbieter von Körperpflegeprodukten und Gesundheitsartikeln zusammengeführt. Kimberly-Clark ist unter anderem für Kleenex-Taschentücher und Huggies-Windeln bekannt. Kenvue vertreibt Marken wie Neutrogena, Listerine, Nicorette und o.b. Außerhalb Europas gehört auch die Schmerzmittelmarke Tylenol zum Sortiment.
Gerade bei Damenhygieneprodukten überschneiden sich die Aktivitäten beider Unternehmen. Kimberly-Clark bietet unter anderem Produkte der Marke Kotex an, während Kenvue mit o.b. auf dem Markt vertreten ist. Diese Überschneidungen waren für die wettbewerbsrechtliche Prüfung in Europa von besonderer Bedeutung.
Nach früheren Angaben der Unternehmen könnte der Zusammenschluss einen Konzern mit einem Jahresumsatz von rund 32 Milliarden Dollar entstehen lassen. Kimberly-Clark hatte außerdem jährliche Synergieeffekte von insgesamt 2,1 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Dabei handelt es sich um Unternehmensprognosen, nicht um bereits erzielte Einsparungen.
Die EU ist nicht die einzige Wettbewerbsbehörde, die den Zusammenschluss an Bedingungen knüpft. Bereits im September hatte Australien die Übernahme unter Auflagen genehmigt. Dort muss sich Kimberly-Clark von den Kenvue-Marken Carefree und Stayfree für Menstruationsprodukte trennen. Auch Südafrika erteilte eine bedingte Zustimmung.
Die europäischen Auflagen betreffen dagegen das eigene Markenportfolio von Kimberly-Clark im Europäischen Wirtschaftsraum. Dieser umfasst neben den EU-Mitgliedstaaten auch Norwegen, Island und Liechtenstein. Die Regelungen sollen sicherstellen, dass die Übernahme nicht zu einer übermäßigen Konzentration auf den betroffenen Märkten führt.
Die Entscheidung der EU-Kommission ist ein wichtiger Schritt für die Umsetzung des Geschäfts. Vollzogen ist die Übernahme damit allerdings noch nicht. Dafür müssen die verbleibenden vertraglichen und regulatorischen Voraussetzungen erfüllt sein.
Kimberly-Clark rechnete zuletzt mit einem Abschluss im vierten Quartal 2026. Das Unternehmen hatte Ende September entsprechende Angaben im Zusammenhang mit dem geplanten Austausch von Kenvue-Anleihen veröffentlicht. Ein genauer Abschlusstermin stand damit noch nicht fest.
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