Kevin Warsh verändert die Fed und hält Trump bei den Zinsen auf Abstand

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Kevin Warsh ist erst seit wenigen Monaten Chef der US Notenbank Federal Reserve, doch sein Kurs zeichnet sich bereits deutlich ab. Der 56-Jährige will die Geldpolitik stärker auf Preisstabilität konzentrieren, die Rolle der gewaltigen Fed Bilanz überprüfen und die Kommunikation der Zentralbank grundlegend verändern. Zugleich steht Warsh unter politischem Druck aus dem Weißen Haus. Präsident Donald Trump verlangt öffentlich niedrigere Zinsen. Die Fed hat darauf bislang nicht reagiert.

Bei ihrer jüngsten Sitzung am 29. Juli ließ die Federal Reserve den Zielkorridor für den Leitzins unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Entscheidung fiel mit neun zu drei Stimmen. Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan plädierten sogar für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Für eine Zinssenkung stimmte niemand.

Damit befindet sich Kevin Warsh als Fed-Chef in einer ungewöhnlichen Lage. Trump hatte ihn für die Führung der Zentralbank ausgewählt, fordert aber eine Geldpolitik, die derzeit nicht mit der Mehrheit des zuständigen Offenmarktausschusses übereinstimmt.

Warsh stellt die Bekämpfung der Inflation in den Mittelpunkt

Warsh hat seit seinem Amtsantritt deutlich gemacht, dass die Rückkehr zur Preisstabilität für ihn Vorrang besitzt. Die Inflation liegt weiterhin über dem langfristigen Ziel der Fed von zwei Prozent. Gleichzeitig zeigte sich die US Wirtschaft zuletzt trotz erheblicher Unsicherheiten vergleichsweise widerstandsfähig.

Diese Kombination begrenzt den Spielraum für schnelle Zinssenkungen. Eine Zentralbank senkt ihre Leitzinsen normalerweise vor allem dann, wenn die Konjunktur deutlich schwächer wird oder die Inflationsgefahr ausreichend zurückgegangen ist. Bleibt der Preisauftrieb dagegen hartnäckig, können niedrigere Zinsen zusätzliche Nachfrage erzeugen und den Kampf gegen die Inflation erschweren.

Warsh hat deshalb keinen festen Zinspfad angekündigt. Nach der Juli Sitzung vermied er konkrete Aussagen darüber, unter welchen Bedingungen der nächste Zinsschritt erfolgen könnte. Für Unternehmen, Anleger und andere Zentralbanken bedeutet das, dass einzelne Konjunkturdaten wieder stärker an Bedeutung gewinnen.

Fed will weniger über künftige Zinsen sprechen

Besonders sichtbar ist der Bruch mit der bisherigen Fed Praxis bei der Kommunikation. In den vergangenen Jahren hatten Zentralbanker häufig versucht, Erwartungen über den künftigen Zinspfad zu steuern. Diese sogenannte Forward Guidance sollte Finanzmärkten Hinweise darauf geben, wie sich die Geldpolitik wahrscheinlich entwickeln würde.

Warsh hält eine solche Steuerung außerhalb außergewöhnlicher Situationen für problematisch. Unter seiner Führung wurden die geldpolitischen Erklärungen knapper und Hinweise auf künftige Entscheidungen reduziert. Eine eigene Arbeitsgruppe untersucht inzwischen, wie die Fed ihre Beschlüsse künftig kommunizieren soll.

Warsh will damit verhindern, dass sich Finanzmärkte zu stark an vermeintlichen Versprechen der Zentralbank orientieren. Kritiker sehen darin jedoch ein Risiko. Wenn die Fed weniger Orientierung bietet, können Erwartungen über Zinsen und Inflation stärker schwanken. Das kann sich insbesondere am Anleihemarkt bemerkbar machen, wo schon kleine Veränderungen der Zinserwartungen große Auswirkungen auf langfristige Renditen haben können.

Bilanz der Federal Reserve rückt stärker in den Fokus

Ein zweites Großprojekt betrifft die Bilanz der Notenbank. Die Fed hatte ihre Wertpapierbestände nach der Finanzkrise 2008 und erneut während der Corona Pandemie massiv ausgeweitet. Dadurch wurde die Zentralbank zu einem der wichtigsten Akteure am Markt für US Staatsanleihen und Hypothekenpapiere.

Warsh steht dieser großen Marktpräsenz seit Jahren kritisch gegenüber. Unter seiner Führung hat die Fed deshalb eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die das derzeitige Bilanzsystem überprüfen soll. Sie untersucht unter anderem das sogenannte Ample Reserves Regime, bei dem bewusst ausreichend Zentralbankreserven im Bankensystem gehalten werden.

Einen konkreten Beschluss über einen drastischen Bilanzabbau gibt es bislang nicht. Auch ein endgültiger Zielwert für die Größe der Fed Bilanz wurde nicht festgelegt. Zum 12. August 2026 wies die Federal Reserve Vermögenswerte von rund 6,76 Billionen Dollar aus. Davon entfielen rund 4,54 Billionen Dollar auf US Staatsanleihen und etwa 1,93 Billionen Dollar auf hypothekenbesicherte Wertpapiere.

Die Debatte betrifft daher nicht nur die Geldpolitik. Ein schneller Abbau könnte Liquidität aus dem Finanzsystem ziehen und die Finanzierungskosten an den Kapitalmärkten beeinflussen. Wie weit Warsh tatsächlich gehen will, dürfte davon abhängen, welche Empfehlungen die eingesetzte Arbeitsgruppe vorlegt und wie stabil die Geldmärkte bei einer Verringerung der Reserven bleiben.

Trump fordert niedrigere Zinsen

Parallel wächst der politische Druck auf die Zentralbank. Trump hat mehrfach öffentlich niedrigere Zinsen verlangt. Ende Juli erklärte er, die Vereinigten Staaten sollten seiner Ansicht nach die niedrigsten Zinsen weltweit haben. Zugleich lobte er Warsh persönlich und machte andere Mitglieder des Fed Führungsgremiums für den aus seiner Sicht zu hohen Zins verantwortlich.

Die tatsächliche Geldpolitik passt bislang nicht zu dieser Forderung. Seit Warsh die Fed übernommen hat, gab es keine Zinssenkung. Bei der Juli Sitzung kam der Widerstand innerhalb des Offenmarktausschusses sogar aus der entgegengesetzten Richtung, weil drei Mitglieder höhere Zinsen verlangten.

Zusätzliche Aufmerksamkeit haben Berichte über direkte Kontakte zwischen Trump und Warsh ausgelöst. Demnach soll es seit Warshs Amtsantritt wiederholt Gespräche zwischen beiden gegeben haben. Unklar blieb zunächst, ob dabei konkrete Entscheidungen über den Leitzins besprochen wurden. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.

Unabhängigkeit der Fed bleibt international von Bedeutung

Für die Weltwirtschaft reicht der Konflikt weit über Washington hinaus. Entscheidungen der Federal Reserve beeinflussen den Dollar, internationale Kapitalströme sowie die Finanzierungskosten von Staaten und Unternehmen weltweit. Höhere US Zinsen können Kapital in die Vereinigten Staaten ziehen und andere Währungen unter Druck setzen. Niedrigere Zinsen wirken häufig in die entgegengesetzte Richtung.

Deshalb ist auch die institutionelle Unabhängigkeit der Fed von internationaler Bedeutung. Die Zentralbank besitzt ihr Mandat vom Kongress und soll ihre Entscheidungen über Zinsen unabhängig von kurzfristigen politischen Interessen treffen.

Warsh muss nun mehrere Ziele gleichzeitig miteinander verbinden. Er will die Inflation dauerhaft auf zwei Prozent zurückführen, die Fed Bilanz und ihre Marktrolle überprüfen und den Informationsfluss der Zentralbank verändern. Gleichzeitig muss er verhindern, dass die neue Kommunikationsstrategie unnötige Unsicherheit an den Finanzmärkten auslöst.

Die nächste reguläre Zinsentscheidung ist für den 16. September 2026 vorgesehen. Vorher dürften neue Inflationsdaten, Arbeitsmarktzahlen und Warshs Auftritt beim internationalen Zentralbanktreffen in Jackson Hole weitere Hinweise darauf geben, wie der neue Fed Chef den geldpolitischen Kurs zwischen Inflationsrisiken, schwächer werdenden Konjunkturdaten und politischem Druck aus Washington ausbalancieren will.

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