Fast jeder dritte auslandsaktive Industriemittelständler erwägt Verlagerung

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Eine neue Auswertung der staatlichen Förderbank KfW verstärkt die Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Von den mittelständischen Industrieunternehmen, die bereits im Ausland aktiv sind, planen 29 Prozent, innerhalb der kommenden fünf Jahre Teile ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern. In den zurückliegenden fünf Jahren hatten demnach acht Prozent entsprechende Schritte umgesetzt.

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Die Produktionsverlagerungen ins Ausland betreffen damit bislang nur einen Teil des deutschen Mittelstands. Die viel zitierte Quote von 29 Prozent bezieht sich ausdrücklich auf auslandsaktive Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Sie lässt sich deshalb nicht auf sämtliche kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland übertragen.

Grundlage des neuen KfW-Internationalisierungsberichts ist eine Befragung von rund 1.700 mittelständischen Unternehmen im Januar 2026. Etwa 600 der befragten Firmen waren bereits im Ausland tätig. Aus dieser Gruppe stammen auch die Angaben über die geplanten Standortverlagerungen.

Deutlich mehr Unternehmen erwägen Produktionsverlagerungen

Der Abstand zwischen bereits erfolgten und geplanten Verlagerungen fällt deutlich aus. Während acht Prozent der auslandsaktiven Industrieunternehmen in den vergangenen fünf Jahren Teile ihrer Fertigung verlagert haben, äußern 29 Prozent entsprechende Absichten für die kommenden fünf Jahre.

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KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher wertet die Entwicklung als Warnsignal. Entscheidend ist allerdings, dass es sich zunächst um Planungen handelt. Aus einer Absicht folgt nicht automatisch der Bau eines neuen Werks oder der Abbau einer Produktionsstätte in Deutschland. Investitionsentscheidungen können sich durch Nachfrage, Finanzierungskosten, Handelspolitik oder veränderte Standortbedingungen noch verschieben.

Trotzdem weist der Vergleich mit den zurückliegenden Jahren auf einen erheblich höheren Verlagerungsdruck hin. Besonders relevant ist diese Entwicklung, weil Unternehmen, die bereits international tätig sind, grundsätzlich leichter Produktion zwischen verschiedenen Standorten verteilen können als ausschließlich in Deutschland aktive Betriebe.

Bürokratie und Steuern belasten internationale Wettbewerbsfähigkeit

Die KfW hat bereits Anfang 2026 untersucht, welche Faktoren international tätige Mittelständler als Risiken für ihre Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland betrachten. Besonders häufig genannt wurde Bürokratie. 65 Prozent der Unternehmen im internationalen Wettbewerb stuften sie als hohes Risiko für die kommenden Jahre ein. 2023 waren es noch 48 Prozent.

An zweiter Stelle standen Steuern und Abgaben mit 60 Prozent. Zwei Jahre zuvor hatte der Anteil bei 34 Prozent gelegen. Hohe Energiekosten nannten 41 Prozent der Unternehmen, nach 21 Prozent im Jahr 2023. Hinzu kamen unter anderem Lohnkosten, Umwelt- und Klimaschutzvorgaben, Finanzierungshürden sowie Defizite bei der digitalen Infrastruktur.

Diese Werte erklären nicht jede einzelne geplante Produktionsverlagerung. Sie zeigen jedoch, welche Standortfaktoren die international konkurrierenden Unternehmen selbst als besonders belastend einschätzen.

Konkurrenz aus China erhöht den Druck auf die Industrie

Neben den Kosten und regulatorischen Bedingungen in Deutschland spielt der wachsende internationale Wettbewerb eine Rolle. Nach einer KfW-Sonderbefragung sieht sich fast jeder fünfte deutsche Mittelständler einem zunehmenden Konkurrenzdruck aus China ausgesetzt.

Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt im Verarbeitenden Gewerbe. Dort berichteten 34 Prozent der Unternehmen von steigendem Wettbewerb durch günstige chinesische Angebote. 28 Prozent nahmen stärkere Konkurrenz durch die Qualität chinesischer Produkte wahr.

Mehr als 40 Prozent der Mittelständler, die unmittelbar im internationalen Wettbewerb stehen, rechnen laut KfW mit einer Verschlechterung ihrer Wettbewerbsposition innerhalb der kommenden drei Jahre. Gleichzeitig profitieren manche Unternehmen von günstigen Vorprodukten aus China. Die internationale Verflechtung lässt sich deshalb nicht allein als Konkurrenzverhältnis beschreiben.

Europa gewinnt für den Mittelstand an Bedeutung

Parallel zu den Verlagerungsplänen richtet sich ein Teil der Unternehmen stärker auf Europa aus. 19 Prozent der auslandsaktiven Mittelständler wollen ihr Exportgeschäft stärker auf den EU-Binnenmarkt konzentrieren oder haben diesen Schritt bereits vollzogen. Unter den Industrieunternehmen liegt der Anteil bei 24 Prozent.

Damit bleibt Europa der zentrale Wirtschaftsraum für einen großen Teil des deutschen Mittelstands. Der gemeinsame Binnenmarkt reduziert zahlreiche Handelsbarrieren und ermöglicht Unternehmen, Produktion, Einkauf und Absatz innerhalb der Europäischen Union enger miteinander zu verbinden.

Welche Staaten bei den nun angekündigten Produktionsverlagerungen konkret im Vordergrund stehen, geht aus den bislang bekannt gewordenen Ergebnissen nicht eindeutig hervor. Eine belastbare Rangfolge einzelner Zielländer lässt sich daraus deshalb nicht ableiten. Andere Unternehmensbefragungen zeigen allerdings seit Längerem ein wachsendes Interesse an Standorten in Mittel- und Osteuropa.

Verlagerungspläne bedeuten noch keine breite Deindustrialisierung

Die neuen Zahlen fallen in eine Phase, in der die Entwicklung der deutschen Industrie intensiv diskutiert wird. Sie liefern ein weiteres Signal dafür, dass Unternehmen ihre internationale Standortstruktur überprüfen. Eine unmittelbar bevorstehende Abwanderung von knapp einem Drittel des gesamten deutschen Mittelstands lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Zugleich gibt es auch positivere Konjunktursignale. Das Geschäftsklima im Mittelstand hat sich laut KfW-ifo-Mittelstandsbarometer im August 2026 zum vierten Mal in Folge verbessert. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe haben sich die Erwartungen aufgehellt, unterstützt durch wieder stärkere Exporterwartungen.

Die Herausforderung für Deutschland liegt damit weniger in einer bereits vollzogenen flächendeckenden Abwanderung als in der Frage, wo Unternehmen ihre nächsten Produktionskapazitäten und Investitionen aufbauen. Wenn ein größerer Teil der angekündigten Verlagerungspläne tatsächlich umgesetzt wird, könnte sich der Anteil industrieller Wertschöpfung, der außerhalb Deutschlands entsteht, in den kommenden Jahren erhöhen.

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