Geständnis im Rostocker Prozess um 264 Kilo Kokain

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Im Prozess um einen mutmaßlichen Kokaintransport über den Atlantik hat ein 59 Jahre alter Angeklagter vor dem Landgericht Rostock ein Geständnis abgelegt. Der Mann bestätigte, mehr als 260 Kilogramm Kokain auf einer Segeljacht versteckt und von Kolumbien in Richtung Europa transportiert zu haben. Die Reise endete im August 2025 nahe den Azoren, wo portugiesische Ermittler die Jacht stoppten und die Drogen sicherstellten. Mitangeklagt ist die 67 Jahre alte Ehefrau des Mannes. Für sie gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

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Angeklagter bestätigt frühere Aussage vor Gericht

Der 59-Jährige bestätigte am Freitag, 21. August 2026, vor dem Landgericht Rostock Angaben aus einer früheren Vernehmung. Nach seiner Darstellung habe er das Kokain für ein kriminelles Netzwerk transportieren sollen. Im Gericht war zuvor ein Video einer Vernehmung gezeigt worden, in der er bereits erklärt hatte, die Drogen auf dem Schiff versteckt zu haben.

Nach Angaben des Landgerichts geht es in der Anklage um exakt 263,73 Kilogramm Kokain. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Verabredung zum Verbrechen vor. Demnach sollen sie bereits im Frühjahr 2024 geplant haben, Kokain im dreistelligen Kilogrammbereich auf dem Seeweg von Kolumbien nach Deutschland zu bringen und dafür eine Segeljacht erworben haben.

Der Angeklagte schilderte vor Gericht, die Drogen seien in Kolumbien an Bord gebracht und an verschiedenen Stellen im Schiff verstaut worden. Nach seiner Darstellung sollte die Lieferung in der Nähe Deutschlands von anderen Beteiligten übernommen werden. Als Gegenleistung sollten ihm Schulden im fünfstelligen Bereich erlassen werden. Diese Angaben stammen aus seiner Einlassung und sind Gegenstand der weiteren Beweisaufnahme.

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Segeljacht startete im Juli 2025 in Cartagena

Nach der Anklage legte die Jacht am 4. Juli 2025 in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena mit dem Kokain an Bord ab. Rund fünf Wochen später, am 8. August 2025, stoppten portugiesische Ermittlungsbehörden das Schiff im Atlantik nahe den Azoren. Bei der anschließenden Durchsuchung wurden die Betäubungsmittel sichergestellt. Die beiden Angeklagten wurden festgenommen und später nach Deutschland gebracht.

Der Kokain-Prozess in Rostock hatte am 12. August begonnen. Beide Angeklagten befinden sich in Untersuchungshaft. Für das Verfahren vor der ersten Strafkammer hat das Gericht zahlreiche Verhandlungstage bis zum 16. Oktober 2026 vorgesehen.

Die Staatsanwaltschaft beziffert den möglichen Verkaufswert der sichergestellten Drogen auf annähernd 16 Millionen Euro. Dieser Betrag ist eine Schätzung und kein gerichtlich festgestellter tatsächlich erzielter Erlös, da die Lieferung vor ihrem Ziel abgefangen wurde.

Mitangeklagte Frau bestreitet Kenntnis von den Drogen

Besondere Bedeutung hat im weiteren Verfahren die Frage, welche Rolle die 67-jährige Mitangeklagte spielte. Ihr Ehemann erklärte, sie habe von dem Kokain an Bord nichts gewusst. Damit ist ihre Beteiligung jedoch nicht abschließend geklärt. Die Staatsanwaltschaft hält die Darstellung, sie habe keine Kenntnis von der Ladung gehabt, für zweifelhaft. Eine gerichtliche Feststellung dazu liegt bislang nicht vor.

Auch Aussagen von Ermittlern, die während des bisherigen Prozesses Zweifel an der Darstellung äußerten, ersetzen keine Entscheidung des Gerichts. Ob und in welchem Umfang sich die Frau selbst zu den Anklagevorwürfen äußern wird und wie die Strafkammer die bisherigen Aussagen bewertet, ist offen.

Ermittler hatten den Mann bereits vor der Fahrt im Blick

Aus der bisherigen Beweisaufnahme geht zudem hervor, dass deutsche Ermittler den 59-Jährigen bereits vor dem Start der Atlantikfahrt beobachteten. Im Mai 2025 lief nach Angaben aus dem Verfahren eine Telefonüberwachung. Welche Erkenntnisse daraus für die einzelnen Anklagepunkte gewonnen wurden, muss die Strafkammer im weiteren Prozess bewerten.

Der Mann berichtete außerdem von einer früheren Fahrt im Jahr 2024, bei der ebenfalls Kokain transportiert worden sei. Nach seiner eigenen Darstellung habe er die Drogen damals wegen Problemen mit dem Schiff und aus Sorge vor einer Kontrolle über Bord geworfen. Auch diese Schilderung beruht auf seiner Einlassung und ist nicht mit einem rechtskräftigen Urteil gleichzusetzen.

Seetransporte spielen im europäischen Kokainhandel eine wichtige Rolle

Der Rostocker Fall steht in einem größeren europäischen Zusammenhang. Nach Angaben der EU-Drogenagentur EUDA und von Europol verändern kriminelle Netzwerke ihre Transportwege zunehmend. Neben großen Lieferungen in Containern über Handelshäfen werden kleinere Häfen, private Schiffe und Übergaben auf See genutzt, um Kontrollen zu umgehen.

Europol meldete für 2026 mehrere internationale Einsätze gegen solche Routen im Atlantik. Bei einer koordinierten Operation zwischen den Kanarischen Inseln und den Azoren wurden im Frühjahr insgesamt elf Tonnen Kokain beschlagnahmt. Die Behörden beobachten demnach zunehmend aufgeteilte Transportketten, bei denen unterschiedliche Schiffe einzelne Abschnitte einer Route übernehmen.

Ob der vor dem Landgericht Rostock verhandelte Transport Teil einer solchen größeren Struktur war und welche weiteren Personen beteiligt gewesen sein könnten, ist Gegenstand der Ermittlungen und der gerichtlichen Aufarbeitung. Der Prozess wird am 24. August fortgesetzt. Weitere Termine sind bis Mitte Oktober angesetzt.

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