Kraken-Mutter Payward will mit Saldo Bank ins europäische Bankgeschäft einsteigen

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Der US-Finanzkonzern Payward, zu dem die Kryptobörse Kraken gehört, plant die Übernahme einer europäischen Bank. Das Unternehmen hat am Mittwoch, 14. Oktober 2026, eine verbindliche Vereinbarung zum Kauf der finnischen Saldo Finance Oy unterzeichnet. Zu dieser Gesellschaft gehört die in Litauen zugelassene Saldo Bank. Mit dem Geschäft will Payward sein Angebot um klassische Bankdienstleistungen erweitern. Auch Deutschland spielt dabei eine Rolle, weil Saldo hier bereits tätig ist. Abgeschlossen ist die Übernahme allerdings noch nicht.

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Payward übernimmt die Holding hinter der Saldo Bank

Die geplante Übernahme der Saldo Bank erfolgt über den Kauf ihrer finnischen Muttergesellschaft Saldo Finance Oy. Die Bank selbst ist als Saldo Bank UAB in Litauen registriert und verfügt bereits über eine europäische Banklizenz. Payward müsste damit keine vollständig neue Bank gründen, sondern könnte nach Abschluss der Transaktion auf eine bestehende Bank mit entsprechender Infrastruktur zurückgreifen.

Über den vereinbarten Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Auch weitere wirtschaftliche Einzelheiten des Vertrags wurden zunächst nicht veröffentlicht. Der Vollzug der Transaktion ist für 2027 vorgesehen und steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen behördlichen Genehmigungen sowie weiterer üblicher Abschlussbedingungen.

Damit ist bislang lediglich der Kaufvertrag unterzeichnet. Ein Eigentümerwechsel hat noch nicht stattgefunden. Auch eine unmittelbare Erweiterung der Kraken-Angebote ergibt sich aus der Ankündigung nicht.

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Saldo Bank verfügt bereits seit 2021 über eine Banklizenz

Die Saldo Bank besitzt seit dem 26. Oktober 2021 eine litauische Spezialbanklizenz. Diese ist im offiziellen Register der Bank of Lithuania verzeichnet. Die Zulassung wurde von der Europäischen Zentralbank erteilt, während die litauische Zentralbank für die laufende nationale Bankenaufsicht zuständig ist.

Spezialbanken dürfen unter anderem Einlagen entgegennehmen, Kredite vergeben und Zahlungsdienstleistungen anbieten. Anders als klassische Universalbanken dürfen sie jedoch nicht sämtliche Investmentdienstleistungen erbringen.

Saldo ist derzeit in Litauen, Finnland, Schweden und Deutschland tätig. Zusätzlich verfügt das Institut über die erforderliche europäische Notifizierung für den niederländischen Markt. Dieses sogenannte Passporting ermöglicht es zugelassenen Banken, bestimmte Dienstleistungen auch in anderen EU-Mitgliedstaaten anzubieten.

Nach Unternehmensangaben beschäftigt die Saldo Bank Ende September 2026 mehr als 90 Menschen. Ihr Geschäft umfasst unter anderem Festgeldanlagen für Privatkunden, Verbraucherkredite, Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen sowie technische Kreditlösungen für andere Finanzdienstleister.

Kredite, Karten und Überweisungen sollen Angebot ergänzen

Payward verfolgt mit dem Kauf das Ziel, klassische Bankgeschäfte enger mit seiner bestehenden Finanzplattform zu verbinden. Dazu gehören verzinste Einlagen, Kreditangebote, die Ausgabe von Zahlungskarten sowie Überweisungen über das europäische SEPA-System.

Ein Teil dieser Dienstleistungen gehört bereits zum Geschäft der Saldo Bank. Festgeldprodukte bietet das Institut nach eigenen Angaben in allen vier bestehenden Märkten an. Verbraucherkredite werden in Litauen, Finnland und Schweden vergeben. Firmenkredite gehören zum Angebot in Litauen und Finnland.

In Deutschland ist Saldo außerdem über Kooperationen mit Finanztechnologieunternehmen im Kreditgeschäft vertreten. Dabei können Partner die technische Infrastruktur der Bank für eigene Angebote nutzen.

Nach Abschluss der Übernahme könnte Payward diese bestehenden Strukturen in seine Finanzdienstleistungen integrieren. Ein konkreter europaweiter Starttermin für zusätzliche Bankprodukte wurde allerdings nicht genannt. Auch welche Leistungen künftig unmittelbar über Kraken verfügbar sein werden, ist noch nicht abschließend bekannt.

Europäische Bankenaufsicht muss den Eigentümerwechsel prüfen

Vor dem Vollzug des Kaufs müssen die zuständigen Behörden die Transaktion genehmigen. Bei der Übernahme einer maßgeblichen Beteiligung an einer Bank ist innerhalb der europäischen Bankenaufsicht grundsätzlich die Europäische Zentralbank für die entsprechende Entscheidung zuständig. Sie arbeitet dabei mit der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörde zusammen.

Geprüft werden unter anderem die finanzielle Leistungsfähigkeit des Erwerbers, die Eignung vorgesehener Führungspersonen, die Einhaltung regulatorischer Anforderungen sowie mögliche Risiken im Zusammenhang mit Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

Bei der Saldo Bank ist die litauische Zentralbank in dieses Aufsichtsverfahren eingebunden. Eine abschließende regulatorische Freigabe für die geplante Übernahme lag am 14. Oktober 2026 noch nicht vor.

Die vorhandene Banklizenz bleibt dabei grundsätzlich an das zugelassene Kreditinstitut gebunden. Sie geht nicht automatisch als eigenständige Lizenz auf sämtliche anderen Unternehmen der Payward-Gruppe über.

Für Kraken-Kunden in Deutschland ändert sich zunächst nichts

Für deutsche Kunden ist die Transaktion insbesondere deshalb relevant, weil beide Unternehmen bereits auf dem deutschen Markt vertreten sind.

Kraken bietet seine Kryptodienstleistungen in Deutschland seit August 2025 über die irische Gesellschaft Payward Europe Solutions Limited an. Diese verfügt über eine Zulassung nach der europäischen Kryptowerteverordnung MiCA. Weitere Zahlungsdienstleistungen innerhalb der Unternehmensgruppe werden über gesondert regulierte Gesellschaften angeboten.

Die Saldo Bank arbeitet dagegen auf Grundlage ihrer litauischen Banklizenz. Die Geschäftsmodelle unterliegen somit unterschiedlichen regulatorischen Vorschriften.

Durch den geplanten Zusammenschluss könnten künftig zusätzliche Bankdienstleistungen innerhalb der Payward-Gruppe verfügbar werden. Für bestehende Kraken-Kunden in Deutschland wurden jedoch weder automatische Kontoänderungen noch konkrete neue Kredit- oder Sparprodukte angekündigt. Ebenso wenig steht bislang fest, ob Kunden künftig ein gemeinsames Bank- und Kryptokonto nutzen können.

Einlagensicherung gilt nicht automatisch für Kryptowährungen

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Bankprodukten und dem Handel mit Kryptowährungen liegt beim gesetzlichen Schutz der Kundengelder.

Einlagen bei der litauischen Saldo Bank unterliegen grundsätzlich dem dortigen Einlagensicherungssystem. Regulär sind berechtigte Bankeinlagen bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank abgesichert. Maßgeblich sind die gesetzlichen Voraussetzungen und die Art des jeweiligen Guthabens.

Für Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether gilt diese gesetzliche Einlagensicherung dagegen nicht. Daran würde auch eine Übernahme der Saldo Bank durch Payward nichts ändern.

Die europäische MiCA-Verordnung enthält zwar besondere Anforderungen an Anbieter von Kryptodienstleistungen, darunter Regeln zum Schutz und zur Verwahrung von Kundenvermögen. Ein mit klassischen Bankeinlagen vergleichbarer gesetzlicher Entschädigungsanspruch entsteht dadurch aber nicht.

Welche Schutzvorschriften greifen, hängt deshalb auch künftig davon ab, welches konkrete Produkt Kunden nutzen und bei welcher Gesellschaft es geführt wird.

Payward baut internationale Finanzinfrastruktur weiter aus

Mit dem geplanten Bankkauf erweitert Payward seine bisherigen Aktivitäten im regulierten Finanzsektor. Nach eigenen Angaben verfügt der Konzern bereits über eine E-Geld-Lizenz in Irland und über einen eingeschränkten Zugang zu einem Zahlungskonto beim US-Notenbanksystem Federal Reserve. Außerdem wurden innerhalb der Bankingsparte nach Unternehmensangaben bereits Kredite mit einem Gesamtvolumen von mehr als zwei Milliarden US-Dollar vergeben.

Die geplante Übernahme in Litauen ergänzt diese Infrastruktur um ein bestehendes Kreditinstitut innerhalb der Europäischen Union.

Für Payward ist die Vereinbarung damit ein weiterer Schritt beim Aufbau einer Finanzplattform, die den Handel mit digitalen Vermögenswerten und traditionelle Bankdienstleistungen miteinander verbinden soll. Voraussetzung für die Umsetzung ist zunächst der erfolgreiche Abschluss der Übernahme im Jahr 2027.

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