
Am Flughafen Frankfurt ist die Versorgung mit Flugzeugtreibstoff eingeschränkt. Die Lufthansa hat deshalb vorsorgliche Maßnahmen eingeleitet, um ihren Flugbetrieb am größten deutschen Luftverkehrsdrehkreuz abzusichern. Flugzeuge sollen bereits vor ihrem Anflug auf Frankfurt zusätzliche Mengen Kerosin aufnehmen. Hintergrund sind Probleme beim Treibstoffnachschub durch Niedrigwasser und begrenzte Pipelinekapazitäten. Für Passagiere sind zunächst keine Flugstreichungen aufgrund des Engpasses zu erwarten.
Der Kerosinmangel am Flughafen Frankfurt führt zu Veränderungen bei der Treibstoffplanung der Lufthansa. Nach einer internen Mitteilung an das Flugpersonal sollen Besatzungen an anderen Flughäfen mehr Kerosin aufnehmen, als sie für den unmittelbaren Flug nach Frankfurt benötigen. Dadurch verbleibt nach der Landung zusätzlicher Treibstoff im Flugzeug, der für den nächsten Flug genutzt werden kann.
Dieses Verfahren wird in der Luftfahrt als Tankering bezeichnet. Es ermöglicht Fluggesellschaften, die Betankung an einem bestimmten Flughafen teilweise zu reduzieren und stattdessen an anderen Standorten größere Mengen Treibstoff aufzunehmen. In Frankfurt soll dies die vorhandenen Kerosinreserven schonen und die Abhängigkeit von kurzfristigen Lieferungen verringern.
Die Anweisung betrifft insbesondere Flugzeuge der Airbus-A320-Familie, die auf zahlreichen Kurzstrecken und Mittelstrecken eingesetzt werden. Dabei gelten klare Gewichtsgrenzen. Auch für größere Airbus-Flugzeuge müssen die zulässigen Belastungen berücksichtigt werden. Zusätzlicher Treibstoff darf die betrieblichen und sicherheitsrelevanten Vorgaben nicht beeinträchtigen.
Die angespannte Versorgungssituation hängt mit Problemen auf mehreren Transportwegen zusammen. Ein wesentlicher Faktor ist der niedrige Wasserstand des Rheins. Tankschiffe können bei Niedrigwasser weniger Ladung aufnehmen, weil ihr zulässiger Tiefgang begrenzt ist. Dadurch sinkt die Menge an Treibstoff, die mit einzelnen Schiffstransporten befördert werden kann.
Wie ausgeprägt das Niedrigwasser derzeit ist, verdeutlichen die amtlichen Pegeldaten. An der für die Rheinschifffahrt wichtigen Messstelle Kaub lag der Wasserstand am Mittwoch, 14. Oktober 2026, um 21 Uhr bei lediglich 14 Zentimetern über dem örtlichen Pegelnullpunkt. Der mittlere Wasserstand dieser Messstelle liegt bei 208 Zentimetern. Der Pegelwert beschreibt allerdings nicht die tatsächliche Wassertiefe des Flusses.
Zusätzlich bestehen nach der internen Lufthansa-Mitteilung Einschränkungen bei den verfügbaren Pipelinekapazitäten. Welche Leitungsabschnitte konkret betroffen sind und wann wieder die reguläre Transportkapazität zur Verfügung stehen könnte, war zunächst nicht näher bekannt.
Damit treffen Schwierigkeiten beim Transport über die Wasserstraßen und eingeschränkte Möglichkeiten der Versorgung über Rohrleitungen zusammen. Für einen Flughafen mit einem hohen täglichen Treibstoffbedarf ist diese Kombination besonders relevant.
Die Versorgung mit Kerosin erfolgt am Frankfurter Flughafen über eine umfangreiche Infrastruktur aus Tanklagern, Pipelines und unterirdischen Leitungen. Für den Betrieb der zentralen Treibstoffversorgung ist die Hydranten-Betriebs OHG, kurz HBG, zuständig. An der Gesellschaft sind Mineralölunternehmen und eine Lufthansa-Tochter beteiligt.
Nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport verfügt die HBG über zehn oberirdische Tanks mit einer Gesamtkapazität von rund 186 Millionen Litern Kerosin. Ein etwa 60 Kilometer langes Rohrleitungssystem verteilt den Treibstoff von den Lagern zu den Flugzeugpositionen. Im regulären Betrieb werden am Flughafen durchschnittlich rund 15 Millionen Liter Kerosin täglich getankt.
Für den Nachschub steht unter anderem ein eigener Hafen am Main in Kelsterbach zur Verfügung. Von dort führt eine Pipeline zu den Treibstofflagern. Daneben verfügt Frankfurt über weitere Pipelineanbindungen, darunter einen Anschluss an das mit der NATO verbundene Kraftstoffleitungssystem.
Fraport ist als Flughafenbetreiber für die Rahmenbedingungen des Flughafenbetriebs und die Bereitstellung notwendiger Infrastruktur verantwortlich. Die eigentliche Beschaffung und Lieferung des Treibstoffs erfolgt über die beteiligten Unternehmen der Versorgungskette. Fraport hatte bereits zuvor auf die enge Zusammenarbeit zwischen Flughafenwirtschaft und Bundesregierung zur Absicherung der Kerosinversorgung hingewiesen.
Wie hoch die tatsächlich verfügbaren Kerosinbestände am Mittwoch waren, wurde zunächst nicht beziffert. Aus der maximalen Lagerkapazität lässt sich deshalb nicht ableiten, wie lange der vorhandene Treibstoff bei unveränderten Lieferbedingungen ausreichen würde.
Für Passagiere hat die vorsorgliche Änderung der Betankung zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen auf den geplanten Reiseablauf. Lufthansa rechnet nach Angaben einer gegenüber Bild zitierten Unternehmenssprecherin derzeit nicht mit Flugstreichungen aufgrund der eingeschränkten Versorgung.
Das zusätzliche Tanken an anderen Flughäfen soll gerade verhindern, dass die Situation in Frankfurt zu größeren betrieblichen Schwierigkeiten führt. Eine konkrete Zahl betroffener Flugzeuge oder Verbindungen wurde zunächst nicht genannt. Ebenso war zunächst offen, wie lange die veränderte Treibstoffplanung notwendig sein wird.
Auch für andere Fluggesellschaften, die Frankfurt anfliegen, ist die Versorgung mit Kerosin grundsätzlich von Bedeutung. Ob und in welchem Umfang weitere Airlines vergleichbare Maßnahmen angeordnet haben, war zunächst nicht bestätigt.
Sollte es später dennoch zu Flugausfällen kommen, gelten grundsätzlich die europäischen Fluggastrechte. Je nach Einzelfall haben Reisende bei einer Annullierung Anspruch auf Erstattung oder anderweitige Beförderung sowie gegebenenfalls Betreuungsleistungen. Ob zusätzlich ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen besteht, hängt von den jeweiligen Umständen ab.
Das sogenannte Tankering ist eine Möglichkeit, auf unterschiedliche Treibstoffpreise oder Schwierigkeiten bei der Versorgung einzelner Flughäfen zu reagieren. Die Methode hat jedoch einen Nachteil: Zusätzlich transportiertes Kerosin erhöht das Gewicht des Flugzeugs. Dadurch steigt während des Fluges der Treibstoffverbrauch.
Aus diesem Grund begrenzt die Europäische Union das systematische Mitführen unnötiger Treibstoffmengen. Nach den seit 2025 geltenden Regeln der Verordnung ReFuelEU Aviation müssen Fluggesellschaften grundsätzlich mindestens 90 Prozent ihres jährlichen Treibstoffbedarfs für Abflüge von einem bestimmten EU-Flughafen auch dort aufnehmen.
Die Regelung soll zusätzliche Emissionen durch unnötiges Mehrgewicht verhindern. Für begründete betriebliche Schwierigkeiten bei der Treibstoffversorgung sind Ausnahmemöglichkeiten vorgesehen. Ob Lufthansa im Zusammenhang mit der aktuellen Situation in Frankfurt eine solche Ausnahme benötigt oder beantragt hat, war zunächst nicht bekannt.
Der Flughafen Frankfurt gehört zu den wichtigsten Luftverkehrsknotenpunkten Europas. Hier werden zahlreiche Kurzstreckenverbindungen mit internationalen Langstreckenflügen verknüpft. Für Lufthansa ist Frankfurt ein zentrales Drehkreuz, über das ein großer Teil des internationalen Streckennetzes organisiert wird.
Eine zuverlässige Versorgung mit Flugzeugtreibstoff gehört deshalb zu den grundlegenden Voraussetzungen für den täglichen Betrieb. Anders als an kleineren Flughäfen müssen in Frankfurt große Treibstoffmengen für Flugzeuge unterschiedlicher Größen bereitgestellt werden.
Die aktuelle Situation verdeutlicht die Abhängigkeit des Luftverkehrs von funktionierenden Transportwegen. Selbst vorhandene Tanklager und mehrere Pipelineanschlüsse können die regelmäßige Anlieferung großer Kerosinmengen nicht dauerhaft ersetzen.
Mit der zusätzlichen Betankung vor der Ankunft versucht Lufthansa, den Verbrauch der Frankfurter Reserven zu begrenzen. Ob die Maßnahme ausgeweitet oder wieder zurückgenommen werden kann, hängt von der weiteren Entwicklung der Treibstoffversorgung ab. Für Reisende bleibt vorerst entscheidend, dass der reguläre Flugplan nach derzeitigem Stand ohne zusätzliche kerosinbedingte Streichungen aufrechterhalten werden soll.
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