Krankenhausstudie zeigt wachsende Finanzprobleme und drohende Einschnitte beim Personal

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Die wirtschaftliche Lage vieler deutscher Krankenhäuser bleibt angespannt. Nach einer neuen Krankenhausstudie der Unternehmensberatung Roland Berger haben 73 Prozent der befragten Kliniken das Geschäftsjahr 2025 mit einem Verlust abgeschlossen. Gleichzeitig erwarten zahlreiche Krankenhausleitungen durch die Einsparungen im Gesundheitswesen zusätzlichen finanziellen Druck. Viele Einrichtungen planen deshalb Einschnitte beim Personal und bei Investitionen.

Anzeige

Mehr als die Hälfte der Kliniken mit hohen Defiziten

Die Krankenhausstudie 2026 basiert auf Interviews mit rund 600 Geschäftsführern und ärztlichen Direktoren. Demnach lag der Anteil der defizitären Krankenhäuser 2025 bei 73 Prozent und damit etwas unter dem Vorjahreswert von 75 Prozent.

Allerdings haben sich die finanziellen Verluste nach Angaben von Roland Berger deutlich verschärft. Bei 56 Prozent der untersuchten Kliniken lag das Defizit bei mehr als zehn Prozent des Umsatzes. Einzelne Einrichtungen verzeichneten sogar Fehlbeträge von bis zu einem Viertel ihrer Erlöse.

Auffällig ist außerdem die wirtschaftliche Planung der Krankenhäuser. Obwohl zahlreiche Häuser Verluste machten, erklärten 84 Prozent der befragten Führungskräfte, ihre Ergebnisziele für 2025 erreicht zu haben. Dies deutet darauf hin, dass viele Einrichtungen bereits bei der Haushaltsplanung mit negativen Jahresergebnissen gerechnet hatten.

Anzeige

Krankenhäuser planen Einsparungen beim Personal

Die finanziellen Schwierigkeiten könnten erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigten haben. Nach den Studienergebnissen planen 68 Prozent der befragten Krankenhäuser Sparmaßnahmen im Bereich des Pflegepersonals. In anderen Abteilungen liegt dieser Anteil bei 86 Prozent.

Welche konkreten Stellen betroffen sein könnten und wie viele Arbeitsplätze tatsächlich wegfallen, geht aus den veröffentlichten Ergebnissen nicht hervor. Die Zahlen zeigen zunächst die Absichten der Krankenhausleitungen.

Auch bei der Modernisierung ihrer Einrichtungen wollen viele Kliniken zurückhaltender werden. Mehr als die Hälfte der befragten Häuser plant, Investitionen zu verschieben oder ganz aufzugeben. Damit könnten notwendige Anschaffungen, bauliche Maßnahmen und technische Erneuerungen später erfolgen als ursprünglich vorgesehen.

Bundesregierung begrenzt Einnahmezuwächse der Kliniken

Zusätzliche Belastungen erwarten die Krankenhausleitungen durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Bundestag und Bundesrat hatten die Reform am 10. Juli 2026 verabschiedet. Wesentliche Regelungen zur Begrenzung der Vergütungssteigerungen werden ab Januar 2027 wirksam.

Für Krankenhäuser werden die zulässigen Vergütungssteigerungen in den Jahren 2027 bis 2029 an die Entwicklung der beitragspflichtigen Einkommen gekoppelt und zusätzlich um einen Prozentpunkt begrenzt.

Die Bundesregierung will damit das Ausgabenwachstum der gesetzlichen Krankenversicherung bremsen und weitere Beitragserhöhungen vermeiden. Nach ihrer Darstellung soll die medizinische Versorgung weiterhin gesichert bleiben. Im Oktober beschloss der Bundestag bereits ergänzende Änderungen, darunter zusätzliche finanzielle Entlastungen für Krankenhäuser.

Die von Roland Berger befragten Klinikleitungen rechnen dennoch im Durchschnitt mit Einnahmeeinbußen von sieben Prozent. Dabei handelt es sich um Erwartungen der Befragten und nicht um einen bereits nachgewiesenen Rückgang der Klinikerlöse.

Krankenhausinsolvenzen könnten weiter zunehmen

Neben den laufenden Verlusten belastet die Krankenhäuser ihre zunehmend angespannte Liquidität. Nach Einschätzung von Roland Berger haben zahlreiche Einrichtungen ihre finanziellen Rücklagen weitgehend aufgebraucht.

Die Unternehmensberatung erwartet deshalb einen deutlichen Anstieg der Krankenhausinsolvenzen. Eine konkrete Zahl künftiger Insolvenzverfahren lässt sich aus den veröffentlichten Ergebnissen allerdings nicht ableiten.

Auch andere Untersuchungen weisen auf erhebliche wirtschaftliche Risiken hin. Der Krankenhaus Rating Report 2026 des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und weiterer Partner prognostiziert für die kommenden Jahre zunehmende Verluste und mögliche Standortschließungen, sofern die Kliniken ihre Betriebskosten nicht ausreichend reduzieren können.

Zwei Drittel der von Roland Berger befragten Krankenhausleitungen erwarten für die nächsten Jahre eine weitere Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation.

Folgen für Patienten und medizinische Versorgung

Für Patientinnen und Patienten könnten sich die wirtschaftlichen Probleme insbesondere dann bemerkbar machen, wenn Krankenhäuser Personal reduzieren, medizinische Angebote einschränken oder Standorte aufgeben müssen.

Bei einer geringeren Personalausstattung könnten sich Arbeitsbelastung und organisatorischer Druck auf den Stationen erhöhen. Verschobene Investitionen könnten zudem die Modernisierung der medizinischen Infrastruktur verzögern.

Ob und in welchem Umfang solche Veränderungen tatsächlich eintreten, hängt von den Entscheidungen der einzelnen Krankenhausträger und der weiteren Entwicklung der Finanzierung ab.

Die Bundesländer sind weiterhin für die Krankenhausplanung und damit für die Sicherstellung einer bedarfsgerechten stationären Versorgung zuständig. Die Bundesregierung verfolgt mit der Krankenhausreform das Ziel, medizinische Leistungen stärker zu bündeln, die Behandlungsqualität zu verbessern und die vorhandenen Mittel effizienter einzusetzen.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu