
Kubas Tourismus ist 2026 deutlich stärker eingebrochen als noch zu Jahresbeginn absehbar war. In den ersten sieben Monaten kamen nach Angaben der kubanischen Statistikbehörde ONEI nur 419.863 internationale Besucher auf die Karibikinsel. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 1.128.831. Damit sank die Zahl der internationalen Besucher um 62,8 Prozent.
Besonders auffällig ist die Entwicklung seit Februar. Im Januar hatte Kuba noch 184.833 internationale Besucher registriert. Danach gingen die monatlichen Zahlen deutlich zurück. Im Juli kamen 32.272 Besucher, etwas mehr als die 28.100 im Juni, aber erheblich weniger als die 143.225 im Juli 2025. Der Tourismus bleibt damit weit von dem Niveau entfernt, auf das die Regierung für ihre wirtschaftlichen Planungen gesetzt hatte.
Den größten absoluten Rückgang verzeichnet Kuba bei Gästen aus Kanada, das seit Jahren zu den wichtigsten Herkunftsmärkten des Landes zählt. Von Januar bis Juli wurden 127.645 kanadische Besucher registriert. Im entsprechenden Zeitraum 2025 waren es noch 478.382. Das entspricht einem Minus von rund 73 Prozent.
Auch andere wichtige Gruppen reisten deutlich seltener auf die Insel. Die Zahl der Besucher aus der kubanischen Gemeinschaft im Ausland sank von 140.546 auf 88.525. Aus den Vereinigten Staaten kamen 37.351 Besucher nach zuvor 77.295. Bei Gästen aus Russland ging die Zahl von 72.190 auf 21.374 zurück. Rückgänge gab es außerdem unter anderem bei Reisenden aus Mexiko, Spanien, Frankreich, China und weiteren wichtigen Herkunftsländern.
Gerade die Entwicklung in Kanada hat für die kubanische Tourismuswirtschaft besondere Bedeutung. Im Februar setzte Air Canada seine Verbindungen nach Kuba wegen fehlender Versorgungssicherheit mit Flugzeugtreibstoff aus. Die Fluggesellschaft organisierte zunächst zusätzliche Flüge, um etwa 3.000 bereits auf der Insel befindliche Kunden zurückzubringen. Anfang Juni erklärte Air Canada, die geplante Wiederaufnahme der Verbindungen werde bis auf Weiteres verschoben.
Die Probleme im Tourismus fallen mit einer erheblichen Verschärfung der kubanischen Energiekrise zusammen. Treibstoff ist knapp, gleichzeitig leidet das Stromnetz unter wiederholten Ausfällen. Anfang August brach das nationale Stromnetz während der Wiederherstellung nach einem landesweiten Stromausfall erneut zusammen. Bereits zuvor hatte es innerhalb kurzer Zeit mehrere landesweite Netzausfälle gegeben.
Für die Ursachen der Stromkrise kommen mehrere Faktoren zusammen. Kubas Kraftwerkspark ist in großen Teilen veraltet, Wartungsprobleme und jahrelang geringe Investitionen belasten die Versorgung. Hinzu kommt die schwierige Beschaffung von Brennstoffen. Die kubanische Regierung verweist dabei auf US-Sanktionen und eingeschränkten Zugang zu Finanzierung, Treibstoff und Ersatzteilen. Die US-Regierung wiederum macht strukturelle Probleme des staatlich kontrollierten kubanischen Wirtschaftssystems für einen wesentlichen Teil der Krise verantwortlich.
Für den Tourismus sind die Folgen unmittelbar. Hotels und andere Betriebe benötigen eine verlässliche Stromversorgung, Flughäfen ausreichend Treibstoff und internationale Fluggesellschaften planbare Bedingungen. Fallen Verbindungen weg oder werden Kapazitäten reduziert, betrifft dies insbesondere Pauschalreisende aus weit entfernten Herkunftsmärkten.
Parallel zur Energiekrise hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump den wirtschaftlichen Druck auf Kuba 2026 deutlich erhöht. Eine Ende Januar unterzeichnete Verfügung schuf die Möglichkeit, zusätzliche Zölle auf Waren aus Ländern zu verhängen, die Kuba direkt oder indirekt mit Öl versorgen. Damit stieg auch für internationale Lieferländer das wirtschaftliche Risiko einer weiteren Versorgung der Insel.
Im Mai weitete Washington das Sanktionsinstrumentarium mit einer weiteren Verfügung aus. Diese ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen Maßnahmen gegen ausländische Personen, Unternehmen und Finanzinstitute, die Geschäfte mit sanktionierten kubanischen Stellen abwickeln oder bestimmte staatliche Bereiche unterstützen. Im Juli setzte das US-Finanzministerium auch das kubanische Tourismusministerium auf eine Sanktionsliste.
Die verschärften Regeln wirken damit nicht nur auf direkte Reisen aus den USA. Sie erhöhen auch die rechtlichen und finanziellen Risiken für internationale Unternehmen, die mit staatlichen kubanischen Einrichtungen zusammenarbeiten. Gleichzeitig dürfen US-Bürger Kuba bereits seit Jahren nicht für gewöhnliche touristische Urlaubsreisen besuchen. Reisen sind nur innerhalb bestimmter zugelassener Kategorien möglich.
Die verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben inzwischen auch die Hotelbranche erreicht. Die spanische Gruppe Meliá stellte im Juli sämtliche Aktivitäten in ihren 34 kubanischen Hotels ein. Das Unternehmen verwies auf operative, rechtliche und finanzielle Schwierigkeiten. Zuvor hatten auch andere internationale Anbieter ihre Präsenz auf der Insel reduziert oder beendet.
Damit verliert Kuba nicht nur ausländische Gäste, sondern zugleich internationale Partner, die über Jahrzehnte einen wichtigen Teil der touristischen Infrastruktur betrieben oder verwaltet hatten. Für die Regierung ist diese Entwicklung besonders problematisch, weil der Tourismus Devisen ins Land bringt, die für Importe und andere Wirtschaftsbereiche benötigt werden.
Für 2026 hatte die kubanische Regierung ursprünglich mit 2,2 Millionen internationalen Besuchern geplant. Nach sieben Monaten waren davon erst rund 19 Prozent erreicht. Um das Jahresziel noch zu erfüllen, müssten zwischen August und Dezember mehr als 1,78 Millionen weitere Besucher kommen. Das wären durchschnittlich mehr als 356.000 pro Monat und damit ein Vielfaches der zuletzt registrierten monatlichen Zahlen.
Schon vor der aktuellen Krise hatte sich Kubas Tourismus nicht vollständig vom Einbruch der vergangenen Jahre erholt. 2019 kamen noch rund 4,3 Millionen internationale Besucher auf die Insel. Die Zahlen für 2026 zeigen nun eine erneute deutliche Verschärfung. Energieengpässe, reduzierte Flugverbindungen, der Rückzug internationaler Unternehmen und die strengeren US-Sanktionen treffen dabei gleichzeitig einen Wirtschaftszweig, der für Kuba seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Quellen ausländischer Devisen gehört.
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