
Die Hamburger Saftfirma Kale & Me befindet sich inzwischen in einem eröffneten Insolvenzverfahren. Das Amtsgericht Hamburg eröffnete das Verfahren über das Vermögen der Kale & Me GmbH am 20. August 2026. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Hans-Joachim Berner bestellt. Parallel läuft die Suche nach einem Investor oder strategischen Käufer weiter. Eine Übernahme des Unternehmens ist damit grundsätzlich möglich, ein Käufer wurde bislang jedoch nicht offiziell benannt.
Die Insolvenz von Kale & Me hatte sich bereits Ende Juni abgezeichnet. Damals ordnete das Amtsgericht Hamburg die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Das Unternehmen erklärte Anfang Juli, den Geschäftsbetrieb während des Verfahrens fortsetzen zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte die Gesellschaft zwölf Mitarbeiter. Auch Anfang September ist die Internetseite des Unternehmens weiterhin erreichbar und bietet Saftkuren sowie weitere Produkte an.
Ein wesentlicher Bestandteil der Sanierungsbemühungen ist die Suche nach neuem Kapital. Bereits während des vorläufigen Verfahrens wurde dafür ein Investorenprozess gestartet. Die Unternehmensberatung GO & Company begleitet die Suche gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter. Angesprochen werden sowohl strategische Käufer aus der Branche als auch Finanzinvestoren.
Damit besteht die Möglichkeit, dass Kale & Me im Zuge des Insolvenzverfahrens einen neuen Eigentümer erhält oder wesentliche Teile des Geschäfts von einem Investor übernommen werden. Offiziell bestätigt ist bislang jedoch nur der laufende Verkaufs- und Investorenprozess. Dass bereits eine konkrete Übernahme vereinbart wurde, ist nicht bestätigt. Ebenso sind bislang weder ein möglicher Kaufpreis noch der Name eines Interessenten öffentlich bekanntgegeben worden.
Für die Gläubiger laufen unterdessen die regulären Fristen des Insolvenzverfahrens. Forderungen gegen die Kale & Me GmbH können nach dem Eröffnungsbeschluss bis zum 22. September 2026 beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Damit ist das Verfahren inzwischen in einer deutlich weiter fortgeschrittenen Phase als noch Anfang Juli, als zunächst lediglich eine vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet worden war.
Kale & Me hatte schon vor dem Insolvenzantrag versucht, sein Geschäftsmodell breiter aufzustellen. Das ursprünglich stark auf den Onlinehandel ausgerichtete Unternehmen erweiterte seinen Vertrieb unter anderem in Richtung Lebensmittelhandel, Hotellerie, Gastronomie und Sport. Nach Angaben aus dem Sanierungsverfahren konnten deutlich gestiegene Betriebskosten jedoch nicht dauerhaft ausgeglichen werden. Hinzu kam demnach eine zurückhaltendere Nachfrage im Einzelhandel und im Onlinegeschäft.
Die Verantwortlichen hatten deshalb bereits vor dem Insolvenzantrag an einer Restrukturierung gearbeitet. Gründerin und Geschäftsführerin Annemarie Heyl erklärte im Juli, dass das Unternehmen für diesen Umbau letztlich nicht genügend Zeit gehabt habe. Die Nutzung des Insolvenzrechts sollte den bereits begonnenen Prozess beschleunigen und eine langfristige Fortführung ermöglichen.
Welche Form eine mögliche Lösung annimmt, ist noch offen. Denkbar ist im Rahmen eines Insolvenzverfahrens sowohl der Einstieg eines Investors als auch der Verkauf des Geschäftsbetriebs oder einzelner Unternehmensteile. Für Kale & Me wurde bislang keine dieser Varianten als abgeschlossen bestätigt.
Kale & Me entstand 2015 in Hamburg. Annemarie Heyl gründete das Unternehmen gemeinsam mit Konstantin Timm und David Vinnitski. Das Geschäftsmodell konzentrierte sich zunächst auf kaltgepresste Obst- und Gemüsesäfte sowie mehrtägige Saftkuren, die vor allem über das Internet verkauft wurden. Später kamen weitere Produkte rund um Fasten und Ernährung hinzu.
Einem breiteren Publikum wurde das Unternehmen durch einen Auftritt in der Fernsehsendung Die Höhle der Löwen bekannt. Die Gründer erhielten dort zwar kein Investment, entwickelten das Unternehmen anschließend jedoch weiter. Heyl ist heute weiterhin als Geschäftsführerin der Kale & Me GmbH eingetragen. Die beiden ursprünglichen Mitgründer gehören nicht mehr zur Geschäftsführung.
Die Produktion wurde im Laufe der Unternehmensgeschichte ebenfalls weiterentwickelt. Kale & Me arbeitete bei der Herstellung seiner Säfte mit Partnern aus dem Obstbau im Alten Land bei Hamburg zusammen. Das Unternehmen setzte dabei auf kaltgepresste Säfte und eine Haltbarmachung mittels Hochdruckbehandlung.
Für die kommenden Wochen richtet sich der Blick vor allem auf den Investorenprozess. Die Fortführung des operativen Geschäfts erhöht grundsätzlich die Möglichkeit, einen bestehenden Betrieb mit Marke, Produkten und Vertriebsstrukturen zu übertragen. Ob sich daraus tatsächlich eine Übernahme ergibt und in welcher Form Annemarie Heyl anschließend im Unternehmen tätig wäre, ist derzeit nicht bestätigt.
Fest steht dagegen, dass Kale & Me nicht mehr nur in einem vorläufigen Verfahren steckt. Seit dem 20. August läuft das reguläre Insolvenzverfahren. Insolvenzverwalter Berner ist damit für die weitere Abwicklung und mögliche Sanierung verantwortlich. Die Investorensuche bildet dabei einen zentralen Baustein für eine mögliche Fortführung des Hamburger Unternehmens.
Für Kunden ändert sich zunächst vor allem der rechtliche Hintergrund des Unternehmens. Die Marke ist weiterhin im Internet präsent und das Sortiment wird auf der eigenen Website angeboten. Ob Kale & Me künftig unter den bisherigen Eigentumsverhältnissen, mit einem neuen Investor oder nach einer vollständigen Übernahme fortgeführt wird, ist noch offen.
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