
EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird ihr Amt am 7. Februar 2027 vorzeitig niederlegen. Das teilte die Europäische Zentralbank am Donnerstag, 29. Oktober 2026, in Frankfurt mit. Die Französin beendet ihre Amtszeit damit knapp neun Monate früher als ursprünglich vorgesehen. Die europäischen Staats- und Regierungschefs wollen die Nachfolge umgehend regeln.
Lagarde steht seit dem 1. November 2019 an der Spitze der Europäischen Zentralbank. Ihre reguläre achtjährige Amtszeit hätte am 31. Oktober 2027 geendet. Nach Angaben der Notenbank informierte sie den EZB-Rat und den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, am Donnerstag über ihre Entscheidung.
Konkrete Gründe für den vorzeitigen Rücktritt nannte die EZB nicht. Seit Monaten gab es Spekulationen über einen möglichen Wechsel Lagardes zum Weltwirtschaftsforum. Eine neue Tätigkeit wurde im Zusammenhang mit ihrer Rücktrittsankündigung jedoch nicht bestätigt.
EU-Ratspräsident António Costa erklärte am Donnerstag, dass das Verfahren zur Ernennung einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers unmittelbar beginnen solle. Ziel sei ein rechtzeitiger Beschluss über die künftige Führung der Zentralbank.
Die Ernennung erfolgt durch den Europäischen Rat in der Zusammensetzung der Eurostaaten. Zunächst können die Mitgliedstaaten Kandidaten vorschlagen. Nach einer Empfehlung des Rates werden das Europäische Parlament und der EZB-Rat angehört. Die endgültige Entscheidung erfolgt mit verstärkter qualifizierter Mehrheit.
Bei derzeit 21 Eurostaaten müssen mindestens 16 Länder zustimmen, die zusammen wenigstens 65 Prozent der Bevölkerung des Euroraums vertreten.
Durch den früheren Rückzug könnte die Personalentscheidung bereits vor der französischen Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 getroffen werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron könnte damit noch an der Auswahl mitwirken. Ob diese politische Konstellation für Lagardes Entscheidung ausschlaggebend war, blieb zunächst offen.
Als mögliche Nachfolger werden insbesondere der Niederländer Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos genannt. Eine offizielle Nominierung durch die Eurostaaten wurde zunächst nicht bekanntgegeben.
Knot leitete von 2011 bis Juni 2025 die niederländische Zentralbank und gehörte während dieser Zeit dem EZB-Rat an. Hernández de Cos war von 2018 bis 2024 Präsident der spanischen Zentralbank. Seit Juli 2025 ist er Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel.
Beide verfügen damit über langjährige Erfahrungen in der europäischen Geldpolitik. Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel wurde in früheren Diskussionen über die Nachfolge genannt. Welche Kandidatur die Bundesregierung unterstützen wird, war zunächst nicht offiziell entschieden.
Der bevorstehende Führungswechsel fällt in eine Phase erhöhter Inflationsrisiken. Die EZB hatte ihre drei Leitzinsen zuletzt am 10. September 2026 um jeweils 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Einlagensatz liegt seit dem 16. September bei 2,50 Prozent.
Die Notenbank begründete die Straffung mit anhaltendem Preisdruck durch den Konflikt im Nahen Osten. In ihren Septemberprognosen rechnete sie für 2026 mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 3,0 Prozent und für 2027 mit 2,5 Prozent. Ihr mittelfristiges Inflationsziel beträgt zwei Prozent.
Für Donnerstag war um 14.15 Uhr eine weitere Zinsentscheidung angekündigt. Anschließend sollte Lagarde um 14.45 Uhr gemeinsam mit EZB-Vizepräsident Boris Vujčić die geldpolitischen Beschlüsse erläutern.
Der Rücktritt von Christine Lagarde führt nicht automatisch zu einer Änderung des geldpolitischen Kurses. Entscheidungen über die Leitzinsen trifft der gesamte EZB-Rat. Ihm gehören neben den sechs Direktoriumsmitgliedern auch die Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Eurostaaten an.
Für die Finanzmärkte ist vor allem entscheidend, welche geldpolitischen Positionen die künftige EZB-Führung vertreten wird. Die Erwartungen an die Zinsentwicklung beeinflussen unter anderem Wechselkurse, Staatsanleiherenditen und Finanzierungskosten für Unternehmen.
Der angekündigte Führungswechsel bedeutet jedoch weder eine unmittelbar bevorstehende Zinssenkung noch eine zusätzliche Zinserhöhung. Der geldpolitische Auftrag der EZB und das Inflationsziel bleiben von der Personalentscheidung unberührt.
Eine eindeutig auf Lagardes Rücktritt zurückzuführende Kursreaktion an den Finanzmärkten war am Donnerstagmittag zunächst nicht belegt. Gleichzeitig standen die bevorstehende Zinsentscheidung und zahlreiche Unternehmensbilanzen im Mittelpunkt des Börsenhandels.
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