
Gut einen Monat vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern führt die AfD die jüngsten veröffentlichten Umfragen an. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig folgt mit Abstand, während Linke und CDU deutlich dahinter liegen. Besonders offen ist jedoch die Frage, welche Parteien nach dem 20. September überhaupt eine tragfähige Mehrheit bilden könnten. Die Werte mehrerer kleinerer Parteien bewegen sich unmittelbar an oder unter der Fünf-Prozent-Hürde.
Die Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern 2026 findet am Sonntag, 20. September, statt. Der Termin ist von der Landesregierung festgelegt, inzwischen stehen nach Abschluss des Zulassungsverfahrens auch die 19 zugelassenen Landeslisten fest.
Die aktuellste veröffentlichte Sonntagsfrage stammt vom Meinungsforschungsinstitut INSA. Im Auftrag des Nordkuriers wurden vom 4. bis 11. August 2026 insgesamt 1.000 Menschen online befragt. Danach erreicht die AfD 36 Prozent. Die SPD kommt auf 29 Prozent, Die Linke auf 11 Prozent und die CDU auf 10 Prozent. Die Grünen werden mit 5 Prozent ausgewiesen, das BSW mit 4 Prozent und die FDP mit 3 Prozent. Auf sonstige Parteien entfallen zusammen 2 Prozent.
Damit hat sich der Abstand zwischen AfD und SPD gegenüber der vorausgegangenen INSA-Erhebung nur geringfügig verändert. Im Juni waren 35 Prozent für die AfD und 28 Prozent für die SPD gemessen worden. Linke und CDU lagen damals ebenfalls bei 11 beziehungsweise 10 Prozent. Das BSW erreichte zu diesem Zeitpunkt noch 6 Prozent.
Die statistische Fehlertoleranz der August-Befragung wird mit bis zu rund 3,1 Prozentpunkten angegeben. Unterschiede von einem oder zwei Prozentpunkten zwischen einzelnen Parteien oder gegenüber vorherigen Befragungen können deshalb innerhalb der statistischen Unsicherheit liegen. Wahlumfragen bilden außerdem die politische Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung ab und sind keine Prognosen für das Wahlergebnis.
Auch die vorherige große Befragung von Infratest dimap im Auftrag des NDR zeigte ein ähnliches Kräfteverhältnis. Zwischen dem 2. und 6. Juli wurden 1.167 Wahlberechtigte telefonisch und online befragt. Die AfD kam dabei ebenfalls auf 36 Prozent, die SPD auf 29 Prozent. Für Die Linke wurden 12 Prozent gemessen, für die CDU 9 Prozent und für die Grünen 5 Prozent. Das BSW lag bei 4 Prozent. Die übrigen Parteien kamen zusammen auf 5 Prozent.
Der NDR bezifferte die Schwankungsbreite dieser Erhebung je nach gemessenem Wert mit etwa zwei bis drei Prozentpunkten. Infratest dimap weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass die Sonntagsfrage Parteipräferenzen während eines laufenden Meinungsbildungsprozesses misst und daraus nur eingeschränkt auf den späteren Wahlausgang geschlossen werden kann.
Auffällig ist vor allem die Stabilität der beiden führenden Parteien in den beiden jüngsten Umfragen. AfD und SPD wurden sowohl von Infratest dimap als auch von INSA mit 36 beziehungsweise 29 Prozent gemessen. Größere Unsicherheit besteht dagegen bei den Parteien rund um die Fünf-Prozent-Marke. Schon geringe Veränderungen könnten deshalb die Zusammensetzung des nächsten Landtags und damit auch die Koalitionsmöglichkeiten erheblich beeinflussen.
Für die SPD tritt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig an. Sie führt die Landesregierung seit 2017 und regiert Mecklenburg-Vorpommern seit der Landtagswahl 2021 gemeinsam mit der Linken. Damals hatte die SPD 39,6 Prozent erreicht, die AfD 16,7 Prozent, die CDU 13,3 Prozent und die Linke 9,9 Prozent. Grüne und FDP zogen mit 6,3 beziehungsweise 5,8 Prozent ebenfalls in den Landtag ein.
Ministerpräsidentenkandidat der AfD ist der Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm. Die CDU geht mit ihrem Landesvorsitzenden Daniel Peters als Spitzenkandidaten in die Wahl. Bei der Linken führt Bildungsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Simone Oldenburg die Landesliste an. Die Grünen treten mit der Bundestagsabgeordneten Claudia Müller auf Listenplatz eins an.
Beim BSW führen Landeschef Peter Schabbel und Sabine Firnhaber die Kampagne an. Spitzenkandidat der FDP ist der Jurist Jakob Schirmer. Beide Parteien lagen in der jüngsten INSA-Befragung unter fünf Prozent. Ob sie tatsächlich den Einzug in den Landtag verpassen, lässt sich daraus wegen der statistischen Unsicherheit und des noch laufenden Wahlkampfs nicht ableiten.
Die derzeitige Koalition aus SPD und Linken kommt in der jüngsten INSA-Erhebung zusammen auf 40 Prozent. Nach diesen Werten wäre eine Fortsetzung der bisherigen Zweierkoalition nicht ohne Weiteres möglich. Auch die Addition von SPD, Linken und Grünen ergibt mit 45 Prozent noch keine sichere Aussage über eine parlamentarische Mehrheit. Entscheidend wäre, welche Parteien tatsächlich die Fünf-Prozent-Hürde überwinden, wie die Stimmen auf Parteien außerhalb des Landtags verteilt sind und wie sich die Mandate einschließlich der Direktmandate verteilen.
Wie empfindlich solche Modellrechnungen sind, zeigt die Infratest-dimap-Umfrage vom Juli. Dort kamen SPD, Linke und Grüne zusammen auf 46 Prozent. Weil BSW und weitere kleinere Parteien unterhalb der Mandatsschwelle lagen, hätte diese Konstellation nach der damaligen Modellrechnung für eine knappe Mehrheit der Sitze reichen können. Bei der jüngeren INSA-Befragung verschoben sich einzelne Werte bereits wieder.
Politisch werden die Möglichkeiten zusätzlich durch Koalitionsaussagen begrenzt. Die CDU Mecklenburg-Vorpommern hat eine Koalition mit der Linken abgelehnt. Auch eine Koalition mit der AfD kommt für die CDU nach ihren bisherigen Beschlüssen nicht infrage. CDU-Spitzenkandidat Peters hat deshalb auch eine Minderheitsregierung als denkbare Variante bezeichnet, falls sich keine Mehrheitskoalition ohne AfD und Linke bilden lässt.
Das Ergebnis dürfte über Mecklenburg-Vorpommern hinaus aufmerksam verfolgt werden. Die AfD hatte bei der Bundestagswahl 2025 im Land bereits 35,0 Prozent der Zweitstimmen erreicht. Die SPD kam damals auf 12,4 Prozent, die CDU auf 17,8 Prozent und Die Linke auf 12,0 Prozent. Das BSW erzielte 10,6 Prozent. Die aktuellen Landtagsumfragen zeigen damit teilweise deutlich andere Kräfteverhältnisse, insbesondere bei der SPD, die im Land wesentlich stärker gemessen wird als bei der Bundestagswahl 2025.
Für die Bundes-SPD ist die Wahl deshalb auch mit der politischen Stellung Schwesigs verbunden. Die Ministerpräsidentin führt einen Landesverband, der in den aktuellen Umfragen wesentlich höhere Werte erreicht als die Partei zuletzt auf Bundesebene. Schwesig hat Spekulationen über einen Wechsel an die Spitze der Bundes-SPD zuletzt zurückgewiesen und erklärt, in Mecklenburg-Vorpommern bleiben zu wollen.
Für die CDU stellt sich dagegen die Frage, ob sie ihren derzeit niedrigen Landeswert noch deutlich verbessern kann. Bundeskanzler Friedrich Merz und weitere prominente Unionspolitiker sind für Wahlkampfauftritte im Nordosten angekündigt. Zugleich hätte ein erstmaliger erster Platz der AfD bei einer Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern bundespolitische Signalwirkung. Ob es dazu kommt, entscheiden jedoch erst die Stimmen am 20. September. Die derzeitigen Befragungen liefern dafür lediglich Momentaufnahmen mit statistischer Unsicherheit.
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