Mike Leigh räumt mit „Tender Loving Care“ in San Sebastián ab

Lecker aufs Land heute im SWR: Folge 104 aus dem Landkreis Rottweil
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Der britische Regisseur Mike Leigh gehört zu den großen Gewinnern des Filmfestivals von San Sebastián 2026. Sein neuer Film „Tender Loving Care“ erhielt bei der 74. Ausgabe des Festivals die Goldene Muschel als bester Film. Leigh wurde außerdem für sein Drehbuch ausgezeichnet. Schauspielerin Kate O’Flynn gewann für ihre Hauptrolle eine Silberne Muschel, die sie sich mit Asta Kamma August aus dem norwegisch dänisch deutschen Film „Growth of the Soil“ teilt. Damit entfielen drei der zentralen Auszeichnungen des Wettbewerbs auf Leighs neues Sozialdrama.

Das Festival fand vom 18. bis 26. September 2026 im nordspanischen San Sebastián statt. Die Goldene Muschel gehört neben der Goldenen Palme von Cannes, dem Goldenen Löwen von Venedig und dem Goldenen Bären der Berlinale zu den bekannten Hauptpreisen europäischer Filmfestivals.

„Tender Loving Care“ erzählt vom Leben zweier Sozialarbeiterinnen

Im Mittelpunkt des 107 Minuten langen Films stehen Amy und Rosie, gespielt von Kate O’Flynn und Alice Bailey Johnson. Beide arbeiten im sozialen Bereich in London. Amy kümmert sich beruflich um junge Menschen in staatlicher Obhut. Nach dem Ende einer Beziehung zieht sie wieder zu ihrer langjährigen Freundin Rosie, die ebenfalls in der Sozialarbeit tätig ist.

Parallel dazu rücken Amys Eltern Birdie und Geoff, gespielt von Marion Bailey und Paul Jesson, stärker in den Mittelpunkt. Der zunächst alltägliche Familienrhythmus verändert sich, als Geoff gesundheitliche Probleme entwickelt und Anzeichen eines möglichen geistigen Abbaus zeigt. Damit verbindet Leigh die berufliche Sorgearbeit seiner Hauptfiguren mit den Belastungen, die Pflege und Verantwortung innerhalb einer Familie auslösen können.

Die Handlung bleibt dabei eng an gewöhnlichen Lebenssituationen. Arbeit, Freundschaft, Trennungen, Alter und Fürsorge bilden den Kern des Films. Das entspricht Leighs langjähriger Arbeitsweise, bei der soziale Konflikte häufig über das alltägliche Leben seiner Figuren sichtbar werden.

Kate O’Flynn teilt sich Schauspielpreis

Kate O’Flynn erhielt die Silberne Muschel für die beste Hauptdarstellung gemeinsam mit der schwedischen Schauspielerin Asta Kamma August. August wurde für ihre Rolle in „Markens grøde“, international als „Growth of the Soil“ gezeigt, ausgezeichnet. Der Film von Hans Petter Moland erhielt zusätzlich den Jurypreis für die beste Kamera. Preisträger war Oskar Dahlsbakken.

Die Silberne Muschel für die beste Regie ging an die schwedische Filmemacherin Amanda Kernell für „Garrat du váimmu / Brace Your Heart“. Javier Cámara gewann den Preis für die beste Nebenrolle in „5 minutos más / 5 More Minutes“. Den Spezialpreis der Jury erhielt „Bian Jing / Border“ von Ah Biao.

Außerhalb der Hauptkategorien gewann Naëmi Adas deutsch französische Produktion „Body of Glass“ den Kutxabank New Directors Award. Der Horizontes Make & Mark Award ging an Alessandra Sanguinettis „La ilusión de un verano sin fin“. Beim Publikum setzte sich in der Sektion Perlak „La bola negra“ von Javier Calvo und Javier Ambrossi durch. Den Publikumspreis für einen europäischen Film erhielt „NAZA“ von Yuval Abraham und Rachel Szor.

Ira Sachs führte die Jury an

Über die Preise des Hauptwettbewerbs entschied eine siebenköpfige Jury unter Vorsitz des US Regisseurs, Drehbuchautors und Produzenten Ira Sachs. Weitere Mitglieder waren die Schauspielerin und Produzentin Alice Braga, der japanische Regisseur und Autor Genki Kawamura, die spanische Schauspielerin Patricia López Arnaiz, der schwedische Schauspieler Bill Skarsgård, Produzent Mike Goodridge und die französische Drehbuchautorin Catherine Paillé.

Die Goldene Muschel darf nach den Festivalregeln nicht geteilt werden. Anders ist dies bei den Darstellerpreisen möglich, wie die gemeinsame Auszeichnung von O’Flynn und August in diesem Jahr zeigt.

Mike Leigh gewann bereits in Cannes und Venedig

Für Mike Leigh ist die Auszeichnung ein weiterer bedeutender Festivalpreis in einer Karriere, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. 1996 gewann er mit „Secrets & Lies“ die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes. Bereits 1993 war er dort für „Naked“ als bester Regisseur ausgezeichnet worden.

2004 gewann „Vera Drake“ bei den Filmfestspielen von Venedig den Goldenen Löwen. Leigh wurde im Laufe seiner Karriere siebenmal für einen Oscar nominiert. Die britische Film und Fernsehakademie BAFTA ehrte ihn 2015 mit ihrer Fellowship, der höchsten Auszeichnung der Organisation für das Lebenswerk.

Zu seinen bekannten Filmen gehören außerdem „Happy Go Lucky“, „Another Year“, „Mr. Turner“ und zuletzt „Hard Truths“. Charakteristisch für seine Arbeit ist eine intensive Entwicklungsphase mit den Schauspielern, in der Figuren und Beziehungen über Improvisationen und Proben aufgebaut werden. Diese Methode begleitet Leigh seit Jahrzehnten.

Deutscher Kinostart noch nicht bekannt

International hat „Tender Loving Care“ bereits mehrere Festivalstationen absolviert. Der Film wurde unter anderem in Telluride und Toronto gezeigt und gehört auch zum Programm des New York Film Festivals sowie des London Film Festivals.

Für Großbritannien und Irland ist ein regulärer Kinostart am 12. Februar 2027 angekündigt. Einen bestätigten deutschen Kinostart gab es mit Stand Sonntag, 27. September 2026, dagegen noch nicht. Deutsche Filmportale führen den Film derzeit ohne konkretes Startdatum.

Der internationale Vertrieb liegt bei StudioCanal. Nach dem Erfolg in San Sebastián dürfte „Tender Loving Care“ zunächst weiter auf Festivals zu sehen sein, bevor die reguläre Kinoauswertung in mehreren Ländern beginnt. Ein konkreter Termin für Deutschland ist bislang nicht veröffentlicht.

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