
Eine zunächst verbreitete Meldung über einen russischen Luftraumverstoß über Litauen hat sich nach Angaben der litauischen Streitkräfte nicht bestätigt. Zwar stiegen am 17. September zwei italienische Eurofighter vom Luftwaffenstützpunkt Šiauliai auf, um zwei russische Militärflugzeuge zu identifizieren. Die beiden Maschinen drangen nach der späteren Klarstellung der litauischen Armee jedoch nicht in den souveränen Luftraum des NATO-Mitglieds ein.
Bei den russischen Flugzeugen handelte es sich nach Angaben des litauischen Verteidigungsministeriums um zwei Su-30SM. Sie bewegten sich im internationalen Luftraum über der Ostsee und flogen von der russischen Exklave Kaliningrad aus, bevor sie wieder in Richtung Kaliningrad zurückkehrten. Damit unterscheidet sich der bestätigte Ablauf erheblich von der zunächst verbreiteten Darstellung eines russischen Eindringens in litauisches Hoheitsgebiet.
Die russischen Militärmaschinen waren nach litauischen Angaben ohne eingeschaltete Radartransponder unterwegs. Für die Flüge lagen zudem keine Flugpläne vor, und die Besatzungen hielten keinen Funkkontakt mit der regionalen Flugsicherung. Solche Konstellationen führen im Ostseeraum regelmäßig dazu, dass NATO-Kampfjets aufsteigen, um Flugzeuge zu identifizieren und deren Kurs zu überwachen.
Die russischen Militärflugzeuge über der Ostsee wurden deshalb von den für die NATO-Luftverteidigung eingesetzten Kampfjets überprüft. Ein solcher Alarmstart bedeutet nicht automatisch, dass zuvor NATO-Luftraum verletzt wurde. Auch verdächtige oder nicht eindeutig identifizierte Flugbewegungen in der Nähe der Grenzen des Bündnisgebiets können einen Einsatz auslösen.
Die litauische Armee stellte am 18. September ausdrücklich klar, dass die russischen Flugzeuge nicht in den litauischen Luftraum eingedrungen seien. Der Einsatz der NATO-Jets selbst wurde dagegen bestätigt. Einen Tag später veröffentlichte Darstellung wurde anschließend durch den offiziellen Wochenbericht des litauischen Verteidigungsministeriums weiter präzisiert.
Die eingesetzten Kampfflugzeuge gehören zur italienischen Luftwaffe. Italien beteiligt sich derzeit mit Eurofighter-Kampfjets an der NATO-Mission im Baltikum. Die Maschinen sind auf dem Stützpunkt Šiauliai in Litauen stationiert und können bei auffälligen Flugbewegungen innerhalb kurzer Zeit starten.
Die NATO betreibt das sogenannte Baltic Air Policing bereits seit dem Beitritt Estlands, Lettlands und Litauens zum Bündnis im Jahr 2004. Da die drei baltischen Staaten keine eigenen Kampfjetverbände für eine dauerhafte Luftraumüberwachung unterhalten, übernehmen andere Bündnisstaaten diese Aufgabe in wechselnden Kontingenten. Die Mission ist als dauerhafte Luftüberwachung in Friedenszeiten angelegt.
Über einen Einsatz entscheidet bei entsprechenden Radarkontakten das zuständige NATO-Luftoperationszentrum. Für den nördlichen Teil des europäischen Bündnisgebiets spielt dabei unter anderem das Combined Air Operations Centre im nordrhein-westfälischen Uedem eine zentrale Rolle. Von dort werden auch Alarmstarts zur Identifizierung auffälliger Flugzeuge koordiniert.
Der Vorfall vom 17. September war nicht der einzige Einsatz der NATO-Luftstreitkräfte in der Region. Nach Angaben des litauischen Verteidigungsministeriums stiegen die für die baltische Luftverteidigung eingesetzten Kampfjets zwischen dem 14. und 20. September insgesamt sechsmal zu Identifizierungs- oder Abfangeinsätzen auf.
Am 14. September wurden zwei russische Su-27 im internationalen Luftraum identifiziert. Am 18. September folgten weitere Einsätze wegen einer Su-35 sowie wegen mehrerer russischer Flugzeuge, darunter MiG-31, Su-35 und eine Tu-134. Auch diese Maschinen befanden sich nach den veröffentlichten litauischen Angaben im internationalen Luftraum. Bei mehreren Flügen waren Transponder ausgeschaltet, Flugpläne fehlten und es bestand kein Funkkontakt zur regionalen Flugsicherung.
Von diesen Flügen zu unterscheiden ist ein anderer Vorfall wenige Tage zuvor. In der Nacht vom 14. auf den 15. September drang eine unbemannte Drohne aus Richtung Belarus in den litauischen Luftraum ein. Italienische NATO-Kampfjets stiegen von Šiauliai auf und zerstörten das Fluggerät über litauischem Gebiet.
Litauische Behörden fanden anschließend die Trümmer und machten eine mitgeführte Sprengladung unschädlich. Das Außenministerium in Vilnius bestätigte den Grenz- und Luftraumverstoß und übergab Belarus eine Protestnote. Zu Herkunft, Zugehörigkeit und ursprünglichem Ziel des Fluggeräts liefen anschließend weitere Untersuchungen.
Damit ergibt sich für die Ereignisse Mitte September ein differenziertes Bild. Ein bestätigter Luftraumverstoß durch die beiden russischen Su-30SM vom 17. September liegt nicht vor. Bestätigt sind jedoch deren Flug ohne Transponder, Flugplan und Funkkontakt im internationalen Luftraum sowie der darauf folgende Alarmstart italienischer NATO-Eurofighter. Der tatsächliche Einflug in litauisches Hoheitsgebiet betraf in derselben Woche eine Drohne und nicht die beiden bemannten russischen Militärflugzeuge.






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