
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit meldet weiterhin eine hohe Bereitschaft ihrer Mitglieder bei Lufthansa zu Arbeitskampfmaßnahmen. In einer aktuellen Mitgliederbefragung erklärten nach Angaben der Gewerkschaft 70 Prozent der Teilnehmer, dass sie einem Streikaufruf im Rahmen einer Tarifauseinandersetzung ohne Zögern folgen würden. Die Zahlen werden zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, an dem Lufthansa und die Gewerkschaft gerade ein umfassendes Schlichtungsverfahren vereinbart haben. Ein neuer Streik ist damit derzeit nicht angekündigt.
Die Streikbereitschaft der Lufthansa-Piloten bleibt nach Darstellung der Vereinigung Cockpit trotz der begonnenen Bemühungen um eine tarifliche Lösung hoch. 70 Prozent der Teilnehmer an der Mitgliederbefragung gaben demnach an, einem Streikaufruf ohne Zögern folgen zu wollen.
VC-Vorstandsmitglied Oliver Löwe wertet das Ergebnis als Unterstützung für den bisherigen tarifpolitischen Kurs der Gewerkschaft. Wie viele Mitglieder an der aktuellen Befragung teilgenommen haben und nach welcher Methode die Teilnehmer ausgewählt wurden, wurde zunächst nicht genannt. Die 70 Prozent lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf sämtliche Lufthansa-Piloten übertragen.
Die Befragung ist zudem von einer formellen Urabstimmung über Arbeitskampfmaßnahmen zu unterscheiden. Ein konkreter neuer Streikaufruf liegt derzeit nicht vor. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen Lufthansa und VC steht weiterhin unter anderem die betriebliche Altersversorgung.
Erst am 10. August hatte die Vereinigung Cockpit ihre Mitglieder darüber informiert, dass mit Lufthansa ein umfassendes Verfahren zur Beilegung der bestehenden Konflikte vereinbart worden sei. Lufthansa bestätigte anschließend grundsätzlich die Einigung.
Die Schlichtungsverfahren betreffen offene Tariffragen bei der Kernmarke Lufthansa, Lufthansa Cargo, Lufthansa CityLine und Eurowings. Zusätzlich ist eine übergreifende Mediation vorgesehen, die sich mit weiteren Themen im Verhältnis zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber befassen soll. Nach Angaben der VC enthält die Vereinbarung auch definierte Möglichkeiten für beide Seiten, das Verfahren zu verlassen, falls die angestrebten Ziele nicht erreicht werden.
Weitere Einzelheiten wurden bislang nicht öffentlich gemacht. Lufthansa verwies dabei auf die vereinbarte Vertraulichkeit des Verfahrens. Durch die Schlichtung ist das kurzfristige Risiko neuer Arbeitskampfmaßnahmen zunächst gesunken. Die aktuelle Umfrage macht zugleich deutlich, dass die Gewerkschaft weiterhin auf eine erhebliche Mobilisierungsbereitschaft unter den befragten Mitgliedern verweisen kann.
Der Tarifkonflikt hat den Lufthansa-Flugbetrieb 2026 bereits mehrfach beeinträchtigt. Die Vereinigung Cockpit rief ihre Mitglieder bei der Lufthansa-Kernmarke im laufenden Jahr nach eigenen Angaben insgesamt an sieben Tagen zum Streik auf.
Ein erster Ausstand fand am 12. Februar statt. Weitere Streiks folgten am 12. und 13. März sowie im April. Am 13. und 14. April waren neben Lufthansa und Lufthansa Cargo auch Lufthansa CityLine und teilweise Eurowings betroffen. Für den 16. und 17. April folgten weitere Arbeitskampfmaßnahmen.
Die Auswirkungen waren erheblich. An einzelnen Streiktagen wurden Hunderte Flüge gestrichen. Lufthansa versuchte, Teile des Programms mit anderen Konzerngesellschaften, Partnerairlines und größeren Flugzeugen aufrechtzuerhalten. Für das zweite Quartal bezifferte die Lufthansa Group die finanziellen Belastungen durch Streiks insgesamt auf mindestens 150 Millionen Euro. Diese Summe umfasst allerdings nicht ausschließlich den Konflikt mit den Piloten, da in dem Zeitraum auch andere Beschäftigtengruppen Arbeitskämpfe führten.
Ein wesentlicher Konflikt zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft betrifft die betriebliche Altersversorgung. Bereits 2025 hatten die organisierten Piloten der Lufthansa-Kerngesellschaft und von Lufthansa Cargo in einer Urabstimmung mit deutlichen Mehrheiten für mögliche Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt.
Lufthansa hatte im März 2026 ein neues Modell vorgeschlagen, bei dem Teile der bisherigen Übergangsversorgung in die betriebliche Altersvorsorge überführt werden sollten. Nach Darstellung des Konzerns könnte dadurch die betriebliche Altersversorgung verbessert werden, ohne die Gesamtkosten des Versorgungssystems zu erhöhen. Eine Einigung mit der Gewerkschaft kam daraufhin zunächst nicht zustande.
Neben den Versorgungsfragen gibt es weitere tarifliche Konflikte innerhalb des Konzerns. Dazu gehörten im Laufe des Jahres Vergütungsfragen bei Lufthansa CityLine und Regelungen bei Eurowings. Genau diese Vielzahl offener Themen soll nun in den vereinbarten Verfahren strukturiert bearbeitet werden.
Die aktuelle Mitgliederbefragung enthält neben der Streikbereitschaft weitere Angaben zur Stimmung unter den befragten Piloten. 47 Prozent erklärten nach Angaben der VC, ihre berufliche Situation habe sich verschlechtert.
Nur 24 Prozent würden den Pilotenberuf derzeit weiterempfehlen. 66 Prozent der Befragten würden eher davon abraten. Gleichzeitig gaben rund zwei Drittel an, mit ihrer eigenen aktuellen beruflichen Situation grundsätzlich zufrieden zu sein.
Damit ergibt die Befragung kein einheitlich negatives Bild. Sie zeigt jedoch, dass die Bereitschaft zur Unterstützung tariflicher Arbeitskampfmaßnahmen unter den Teilnehmern weiterhin ausgeprägt ist. Für Fluggäste bedeutet das derzeit noch keine neuen Einschränkungen. Solange die vereinbarte Schlichtung und die begleitende Mediation laufen, steht zunächst die Suche nach einer tariflichen Lösung im Mittelpunkt.
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