
Die geplante Neuverfilmung von „Die Päpstin“ als aufwendige Fernsehserie wird vorerst nicht gedreht. Constantin Film hat die Produktionsvorbereitungen eingestellt, obwohl die Dreharbeiten bereits im Oktober 2026 beginnen sollten. Jella Haase war für die Hauptrolle vorgesehen. ARD Degeto war als deutscher Senderpartner an dem internationalen Projekt beteiligt. Ein endgültiges Aus der Serie ist allerdings nicht bestätigt.
Constantin Film bestätigte den Stopp der Vorbereitungen gegenüber der „Welt“. Sprecherin Katja Wirz nannte demnach den kurzfristigen Rückzug eines ausländischen Finanzierungspartners als Grund. Wer dieser Partner war und welchen Anteil er an der Finanzierung übernehmen sollte, wurde nicht öffentlich bekannt. Die bereits angelaufenen Produktionsvorbereitungen werden damit zunächst rückgängig gemacht. Nach Angaben des Unternehmens sollten auch bereits eingerichtete Kulissen und Produktionsstrukturen wieder abgebaut und eingelagert werden.
In einer weiteren, vom „Spiegel“ veröffentlichten Stellungnahme nannte Constantin offene Fragen bei Besetzung und Budget. Dafür habe vor dem vorgesehenen Drehbeginn keine rechtzeitige Lösung gefunden werden können. Wie diese Angaben mit dem zuvor genannten Ausstieg eines Finanzierungspartners zusammenhängen, blieb zunächst offen. Eine endgültige Aufgabe des Projekts hat Constantin nicht angekündigt.
Damit ist die Päpstin-Serie mit Jella Haase vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein neuer Drehtermin wurde bislang nicht genannt.
Bei dem Projekt handelte es sich um eine geplante deutsch-tschechische Koproduktion von Constantin Film. ARD Degeto war als deutscher Senderpartner beteiligt. Vorgesehen waren sechs Folgen mit jeweils etwa 45 Minuten Länge. Der FilmFernsehFonds Bayern hatte das Projekt bereits im Februar als internationale Serienproduktion vorgestellt.
Jella Haase sollte Joan spielen. Als weitere Darsteller führte die Film- und Medienstiftung NRW im Juli unter anderem Andreas Pietschmann, Ivan Vlatković und Soma Pysall auf. Für die Regie waren Katrin Gebbe und Facundo Scalerandi genannt, die Drehbücher stammen nach Angaben der Förderinstitutionen von Liz Lake und Nicki Bloom. Die Besetzungs- und Produktionsangaben zeigen, dass sich die Serie bereits in einem weit fortgeschrittenen Vorbereitungsstadium befand.
Die Formulierung, die ARD habe die Serie gestoppt, greift deshalb zu kurz. Produzent des Projekts ist Constantin Film. ARD Degeto wurde von den Filmförderungen als Sender des Projekts beziehungsweise als deutscher Senderpartner geführt.
Für „Pope Joan“, so der internationale Arbeitstitel, waren bereits erhebliche öffentliche Fördermittel zugesagt. Der FilmFernsehFonds Bayern bewilligte im Februar eine Million Euro. Das Medienboard Berlin-Brandenburg nahm die Serie im April mit weiteren 300.000 Euro in seine Produktionsförderung auf. Im Juli folgte eine Förderzusage der Film- und Medienstiftung NRW über 250.000 Euro. Insgesamt ergeben sich damit Förderzusagen von mindestens 1,55 Millionen Euro.
Aus den veröffentlichten Angaben geht nicht hervor, welcher Anteil dieser Summen bereits ausgezahlt wurde. Ebenso war zunächst nicht bekannt, welche Folgen die Unterbrechung der Produktion für die einzelnen Förderzusagen hat. Die Angaben der Förderinstitutionen dokumentieren zunächst die Bewilligungen für das geplante Projekt, nicht den tatsächlichen Mittelabfluss.
Der FFF Bayern führte „Pope Joan“ auch zuletzt weiterhin als gefördertes Projekt und nannte Constantin Film Produktion als Produktionsfirma sowie ARD Degeto als Sender.
Grundlage der Serie ist der Bestseller „Pope Joan“ der US-Autorin Donna Woolfolk Cross. Im Mittelpunkt steht die Geschichte einer Frau, die sich im Mittelalter als Mann ausgibt, in der kirchlichen Hierarchie aufsteigt und schließlich Papst wird. Die Erzählung basiert auf der Legende der sogenannten Päpstin Johanna.
Historisch gilt die Existenz einer solchen Päpstin nicht als belegt. Zeitgenössische Quellen für eine weibliche Amtsinhaberin im neunten Jahrhundert fehlen. Die Erzählung tauchte erst Jahrhunderte später in mittelalterlichen Chroniken auf und wird von der überwiegenden historischen Forschung als Legende eingeordnet.
Constantin Film hatte den Stoff bereits für den 2009 erschienenen Kinofilm „Die Päpstin“ umgesetzt. Damals spielte Johanna Wokalek die Hauptrolle, Sönke Wortmann führte Regie. Auch an dieser Produktion war die damalige Degeto beteiligt. Der Film entstand als internationale Koproduktion mit Beteiligung aus Deutschland, Italien und Spanien.
Die neue Serie sollte den bekannten Stoff nun in sechs Episoden neu erzählen und erneut international ausgerichtet werden. Dazu kommt es zunächst nicht. Wann die Produktion wieder aufgenommen werden könnte und ob sie mit derselben Besetzung und denselben kreativen Verantwortlichen realisiert wird, ist derzeit offen.
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