
Die Lufthansa-Gruppe hat sich im Bieterverfahren um die portugiesische Fluggesellschaft TAP Air Portugal durchgesetzt. Portugals Regierung entschied sich am 14. Oktober 2026 für das Angebot des deutschen Luftfahrtkonzerns und gegen den Konkurrenten Air France-KLM. Lufthansa will zunächst 44,9 Prozent der Staatsfluggesellschaft übernehmen und dafür 1,025 Milliarden Euro zahlen. Besonders bemerkenswert ist die wirtschaftliche Erwartung: Durch die Zusammenarbeit sollen langfristig Synergieeffekte von bis zu 450 Millionen Euro jährlich entstehen.
Mit der Entscheidung baut Lufthansa ihre internationale Expansionsstrategie weiter aus. Nach dem Einstieg bei der italienischen Fluggesellschaft ITA Airways könnte der Konzern künftig auch das wichtige Drehkreuz Lissabon in sein europäisches Streckennetz einbinden. Bis zum tatsächlichen Abschluss der Übernahme sind allerdings noch mehrere Schritte erforderlich.
Die portugiesische Regierung begründete ihre Entscheidung mit den finanziellen und strategischen Vorteilen des Lufthansa-Angebots. Der deutsche Konzern bot nach Regierungsangaben bis zu 16 Prozent mehr als Air France-KLM. Beide Bewerber hatten ihre Vorschläge während der abschließenden Verhandlungen verbessert. Die Auswahl wurde inzwischen durch einen Regierungsbeschluss bestätigt, der am 16. Oktober im portugiesischen Gesetzblatt veröffentlicht wurde.
Vorgesehen ist zunächst der Verkauf von 44,9 Prozent der TAP-Anteile. Weitere fünf Prozent sind für die Beschäftigten der Fluggesellschaft reserviert. Sollten diese ihre Kaufrechte nicht vollständig nutzen, könnte Lufthansa zusätzliche Anteile erwerben und ihre Beteiligung auf maximal 49,9 Prozent erhöhen. Der Kaufpreis würde dann einschließlich weiterer vertraglicher Bestandteile auf bis zu rund 1,2 Milliarden Euro steigen. Der portugiesische Staat behält zunächst 50,1 Prozent und damit die Kapitalmehrheit.
Trotz dieser Minderheitsbeteiligung soll Lufthansa erheblichen Einfluss auf das operative Geschäft bekommen. Vorgesehen sind drei von Lufthansa benannte Mitglieder in der vierköpfigen operativen Geschäftsführung. Im neunköpfigen Verwaltungsrat soll der portugiesische Staat fünf Mitglieder bestimmen. Damit könnte Lufthansa das Tagesgeschäft maßgeblich gestalten, während wichtige strategische Entscheidungen weiterhin gemeinsam getroffen werden.
Besonders große Erwartungen verbindet Lufthansa mit den wirtschaftlichen Vorteilen der Zusammenarbeit. Finanzvorstand Till Streichert bezifferte das mögliche jährliche Synergiepotenzial bei einer Analystenkonferenz am 15. Oktober auf bis zu 450 Millionen Euro. Diese Summe umfasst wirtschaftliche Verbesserungen bei beiden Fluggesellschaften, etwa durch abgestimmte Flugpläne, gemeinsame Vertriebsaktivitäten, günstigere Beschaffung sowie eine engere Zusammenarbeit im Frachtgeschäft und bei der Flugzeugwartung.
Dabei handelt es sich nicht um einen garantierten zusätzlichen Jahresgewinn für Lufthansa. Ein erheblicher Teil der erwarteten Vorteile würde zunächst bei TAP entstehen. Auch die vollständige Umsetzung benötigt Zeit. Nach Streicherts Einschätzung könnten nach ungefähr drei Jahren rund zwei Drittel des Potenzials realisiert sein. Mit dem vollen Umfang rechnet das Management nach etwa vier Jahren. Schon im ersten vollständigen Geschäftsjahr nach dem Einstieg soll sich die Beteiligung positiv auf den Gewinn je Lufthansa-Aktie auswirken.
Für Lufthansa ist TAP insbesondere wegen ihrer Verbindungen nach Brasilien und in weitere lateinamerikanische Länder attraktiv. Lissabon verfügt über eine günstige geografische Lage für Flüge zwischen Europa und dem südlichen Atlantik. Durch eine engere Verknüpfung beider Streckennetze will Lufthansa ihre Position auf diesem Markt deutlich ausbauen. Konzernchef Carsten Spohr bezifferte den gemeinsamen Marktanteil zwischen Europa und Lateinamerika auf künftig rund 20 Prozent, gegenüber bislang etwa neun Prozent für die Lufthansa-Gruppe allein.
Auch TAP selbst soll nach den vereinbarten Planungen expandieren. Die Flotte soll bis 2035 auf 117 Flugzeuge wachsen und anschließend auf bis zu 130 Maschinen ausgebaut werden. Zusätzlich sind Investitionen in Portugal vorgesehen, darunter der Ausbau von Wartungs- und Technikstandorten. Die Marke TAP, der Unternehmenssitz und das Drehkreuz Lissabon sollen erhalten bleiben. Auch die Verbindungen zu den portugiesischen Inselregionen gehören zu den strategischen Verpflichtungen.
Mit TAP würde Lufthansa ihr Netz aus europäischen Fluggesellschaften erweitern, zu dem unter anderem Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und ITA Airways gehören. Der Konzern setzt damit seine Strategie fort, mehrere nationale Fluggesellschaften mit eigenständigen Marken unter einem gemeinsamen Dach zu verbinden.
Die Auswahl durch die portugiesische Regierung bedeutet noch nicht, dass Lufthansa bereits Anteilseignerin von TAP ist. Zunächst müssen die endgültigen Verträge abgeschlossen werden. Portugal strebt die Unterzeichnung bis Ende 2026 an. Anschließend stehen unter anderem regulatorische Genehmigungen aus, insbesondere die wettbewerbsrechtliche Prüfung durch die Europäische Kommission.
Lufthansa rechnet derzeit mit einem Abschluss der ersten Transaktion im ersten Halbjahr 2028. Darüber hinaus liegt ein Angebot für eine spätere vollständige Übernahme vor. Für die verbleibenden 50,1 Prozent sieht der Vorschlag zusätzliche Gegenleistungen von insgesamt rund 1,35 Milliarden Euro vor. Davon sollen 863 Millionen Euro in bar und weitere 488 Millionen Euro über Lufthansa-Aktien erbracht werden. Portugal könnte dadurch mit etwa fünf Prozent an der Lufthansa-Gruppe beteiligt werden.
Dieser zweite Schritt ist allerdings noch nicht verbindlich vereinbart und müsste in einem eigenständigen Verfahren beschlossen werden. Auch innerhalb Portugals gibt es politische Vorbehalte gegen eine vollständige Privatisierung der nationalen Fluggesellschaft. Zunächst steht daher die Umsetzung des Minderheitseinstiegs im Vordergrund. Für Lufthansa wäre bereits dieser erste Schritt eine bedeutende Erweiterung ihres internationalen Airlinegeschäfts.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu