
Lufthansa-Aufsichtsratschef Johannes Teyssen sieht den Konzern im Wettbewerb mit führenden Fluggesellschaften unter Druck. Der seit Mai amtierende Vorsitzende des Kontrollgremiums verwies auf die jüngsten Geschäftszahlen und erklärte in einem internen Interview, Lufthansa habe gegenüber den Branchenbesten den Anschluss verloren. Zugleich schloss er zusätzliche Anstrengungen beim laufenden Umbau nicht aus.
Das Lufthansa Turnaround-Programm soll vor allem die Kernmarke Lufthansa Airlines produktiver und profitabler machen. Bis 2028 strebt das Unternehmen dadurch eine Brutto-Ergebnisverbesserung von rund 2,5 Milliarden Euro an. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Einsparungen. Zum Programm gehören auch Maßnahmen zur Steigerung der Erlöse sowie eine effizientere Nutzung von Flugzeugen und Crews.
Teyssens Kritik richtet sich besonders auf Lufthansa Airlines. Die Kernmarke bezeichnete er laut dem internen Interview als größtes Sorgenkind des Konzerns. Die bisherigen Veränderungen hätten nach seiner Einschätzung noch nicht die erhoffte Wirkung gebracht. Weitere und möglicherweise umfangreichere Maßnahmen schloss er deshalb nicht aus.
Die jüngsten Zahlen liefern den wirtschaftlichen Hintergrund dafür. Die Lufthansa Group erzielte im zweiten Quartal 2026 ein Adjusted EBIT von 383 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Wert bei 870 Millionen Euro gelegen. Die bereinigte operative Marge lag bei 3,4 Prozent nach 8,4 Prozent im Vorjahr. Als wesentliche Belastungen nannte der Konzern deutlich höhere Treibstoffkosten und Streiks.
Im gesamten ersten Halbjahr lag das Adjusted EBIT der Lufthansa Group bei minus 229 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern noch 149 Millionen Euro erreicht. Die Netzwerk-Airlines, zu denen Lufthansa Airlines, Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines gehören, kamen zusammen auf minus 468 Millionen Euro.
Lufthansa Airlines arbeitet bereits seit 2024 an einem umfangreichen Turnaround. Für 2026 sieht das Programm ein ergebniswirksames Maßnahmenvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro vor. Bis 2028 soll dieser Wert auf rund 2,5 Milliarden Euro steigen. Nach Konzernangaben waren Ende 2025 mehr als 700 Maßnahmen identifiziert, mehr als die Hälfte davon bereits in Umsetzung.
Zu den Ansatzpunkten zählen eine produktivere Einsatzplanung für Crews, Verbesserungen bei Bodenprozessen, günstigere Einkaufs- und Wartungsverträge sowie zusätzliche Erlöse. Auch der Ausbau von Lufthansa City Airlines und Discover Airlines gehört zur Neuordnung des Flugbetriebs.
Der Konzern selbst hatte das Programm zuletzt als auf Kurs bezeichnet. Im Geschäftsjahr 2025 habe es bereits einen Ergebnisbeitrag von mehr als 500 Millionen Euro geliefert. Teyssens jüngste Aussagen zeigen jedoch, dass der Aufsichtsratschef die bisher erzielten Fortschritte noch nicht für ausreichend hält.
Teyssen sieht den Anpassungsbedarf nicht nur bei Kosten und Prozessen. Der frühere Eon-Chef fordert auch eine stärkere internationale Ausrichtung der Lufthansa. Nach seinen ersten Monaten im Konzern kritisierte er eine aus seiner Sicht stark deutsche Prägung und sprach sich dafür aus, stärker Impulse von außen aufzunehmen.
Teyssen war im Mai 2026 neu in den Lufthansa-Aufsichtsrat gewählt und anschließend zum Vorsitzenden bestimmt worden. Er folgte auf Karl-Ludwig Kley.
Über das Turnaround-Programm der Kernmarke hinaus hat sich die Lufthansa Group ambitionierte Konzernziele gesetzt. Für den Zeitraum von 2028 bis 2030 strebt sie eine bereinigte EBIT-Marge von 8 bis 10 Prozent an. Der Adjusted Free Cashflow soll bei mehr als 2,5 Milliarden Euro pro Jahr liegen.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Lufthansa derzeit ein Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro. Die Prognose hängt unter anderem von der Entwicklung der Treibstoffkosten, der Nachfrage und der operativen Stabilität ab.
Die Aussagen des Aufsichtsratschefs erhöhen damit den Druck auf das Management, die bereits laufenden Programme schneller in höhere Produktivität und bessere Ergebnisse zu übersetzen. Konkrete neue Sparziele über die bestehenden Programme hinaus nannte Teyssen in den bislang veröffentlichten Aussagen nicht.






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