
Der FC St. Pauli stellt sich nach dem Abstieg aus der Bundesliga sportlich neu auf. Marcel Rapp übernimmt die Mannschaft und folgt damit auf Alexander Blessin, von dem sich der Verein nach der Saison 2025/26 getrennt hat. Die Entscheidung fiel nach internen Gesprächen und einer Analyse der abgelaufenen Spielzeit. Für den Klub vom Millerntor beginnt damit eine neue Phase in der 2. Bundesliga.
Rapp kommt mit der Erfahrung aus mehreren Jahren Profifußball nach Hamburg. Der 47-Jährige war zuvor Cheftrainer von Holstein Kiel. Dort prägte er eine der erfolgreichsten Phasen der jüngeren Vereinsgeschichte und führte die Mannschaft 2024 erstmals in die Bundesliga. Diese Station macht seine Verpflichtung für St. Pauli besonders interessant, denn der Verein braucht nach dem Abstieg einen Trainer, der eine Mannschaft neu ausrichten und gleichzeitig sportliche Erwartungen moderieren kann.
Die Vorstellung Rapps erfolgte nur einen Tag nach der offiziellen Trennung von Alexander Blessin. Damit hat St. Pauli die wichtigste Personalfrage auf der Trainerbank zügig beantwortet. Für Sportchef Andreas Bornemann und die sportliche Leitung geht es nun darum, den Kader für die kommende Zweitliga-Saison zu formen.
Alexander Blessin hatte den FC St. Pauli im Sommer 2024 übernommen. Der frühere Trainer von Union Saint-Gilloise führte die Mannschaft zunächst durch die erste Bundesliga-Saison nach dem Aufstieg. In der Saison 2025/26 gelang der Klassenerhalt jedoch nicht mehr. Nach dem Abstieg kam es zu Gesprächen über die weitere Zusammenarbeit, an deren Ende die Trennung stand.
Der Abschied Blessins war deshalb mehr als eine reine Reaktion auf die Tabelle. Entscheidend war auch die Frage, ob Verein und Trainer mit voller Überzeugung in die neue Zweitliga-Saison gehen können. Nach der sportlichen Analyse entschied sich St. Pauli für einen Neustart auf der Trainerposition.
Für den Klub ist diese Entscheidung wegweisend. Nach zwei Jahren Bundesliga-Erfahrung muss St. Pauli wieder den Übergang in die 2. Bundesliga schaffen. Dabei verändern sich nicht nur die Gegner und die sportlichen Anforderungen, sondern auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der Verein muss Einnahmeverluste auffangen, die Kaderstruktur prüfen und gleichzeitig konkurrenzfähig bleiben.
Marcel Rapp arbeitete von Oktober 2021 bis Februar 2026 bei Holstein Kiel. In dieser Zeit entwickelte sich der Klub sportlich weiter und erreichte 2024 erstmals den Aufstieg in die Bundesliga. Dieser Erfolg bleibt eng mit Rapps Namen verbunden, auch wenn die Kieler später wieder abstiegen.
Nach dem Bundesliga-Abstieg blieb Rapp zunächst bei Holstein Kiel im Amt. Erst in der folgenden Zweitliga-Saison beendete der Verein die Zusammenarbeit. Hintergrund war eine sportliche Talfahrt, durch die Kiel in den unteren Tabellenbereich geriet. Für Rapp endete damit eine lange und prägende Zeit an der Förde.
Bei St. Pauli bekommt er nun die nächste anspruchsvolle Aufgabe. Der Verein benötigt einen Trainer, der Stabilität herstellen, Spieler weiterentwickeln und eine klare Spielidee vermitteln kann. Genau diese Punkte wurden bei Rapps Verpflichtung hervorgehoben. Seine Arbeit in Kiel zeigte, dass er Mannschaften über einen längeren Zeitraum formen kann.
Mit dem Trainerwechsel allein ist der Neustart des FC St. Pauli nicht abgeschlossen. Der Kader dürfte sich im Sommer verändern. Nach einem Abstieg sind Wechsel von Leistungsträgern möglich, zugleich muss der Verein Spieler finden, die zur neuen sportlichen Ausrichtung passen.
Besonders in der Defensive könnten Entscheidungen anstehen. Um Innenverteidiger Hauke Wahl gibt es Berichte über ein Interesse des VfL Wolfsburg. Nach Informationen mehrerer Medien soll sich der Spieler mit Wolfsburg bereits grundsätzlich über einen Wechsel verständigt haben. Eine offizielle Bestätigung der beteiligten Vereine lag zunächst jedoch nicht vor.
Für St. Pauli ist diese Situation typisch für einen Absteiger. Einerseits besitzt der Kader Bundesliga-Erfahrung, andererseits steigt dadurch auch das Interesse anderer Vereine an einzelnen Spielern. Rapp und die sportliche Leitung müssen deshalb früh klären, welche Achse erhalten bleibt und auf welchen Positionen nachgelegt werden muss.
Der Blick auf die kommende Saison zeigt, wie anspruchsvoll die Aufgabe wird. Die 2. Bundesliga ist eng, körperlich intensiv und sportlich schwer planbar. Ein Absteiger zählt automatisch zu den Mannschaften, die besonders beobachtet werden. Daraus entsteht Erwartungsdruck, auch wenn ein direkter Wiederaufstieg nicht selbstverständlich ist.
St. Pauli muss sich auf Gegner einstellen, die gegen den Bundesliga-Absteiger besonders motiviert auftreten werden. Gleichzeitig darf der Verein den eigenen Anspruch nicht zu vorsichtig formulieren. Der Klub verfügt über Strukturen, Erfahrung und ein Umfeld, das hohe Erwartungen mitbringt. Entscheidend wird sein, wie schnell Rapp seine Ideen auf den Platz bringt.
Auch andere Vereine bewegen sich bereits auf dem Transfermarkt. Der VfL Wolfsburg wird mit mehreren Spielern in Verbindung gebracht, darunter Robert Glatzel vom Hamburger SV und Hauke Wahl vom FC St. Pauli. Dabei handelt es sich bislang um Medienberichte, nicht um abgeschlossene und offiziell bestätigte Transfers. Der SV Elversberg hat Łukasz Poręba fest vom Hamburger SV verpflichtet, ist nach dem Aufstieg aber kein Zweitligist mehr, sondern bereitet sich auf die Bundesliga vor.
Marcel Rapp steht beim FC St. Pauli vor einer Aufgabe, die sportliches Konzept und klare Kommunikation verlangt. Der Verein muss den Abstieg verarbeiten, den Kader neu justieren und zugleich eine Mannschaft entwickeln, die in der 2. Bundesliga stabil auftritt. Dafür braucht es schnelle Entscheidungen, aber auch Geduld im Aufbau.
Rapps Profil passt zu dieser Ausgangslage. Er kennt den deutschen Profifußball, hat bei Holstein Kiel einen historischen Aufstieg geschafft und zuvor im Nachwuchsbereich der TSG Hoffenheim gearbeitet. Diese Verbindung aus Talentförderung, Mannschaftsentwicklung und Zweitliga-Erfahrung dürfte am Millerntor eine wichtige Rolle spielen.
Für den FC St. Pauli beginnt mit Marcel Rapp eine Saisonvorbereitung unter besonderen Vorzeichen. Der Verein will nach dem Abstieg wieder sportliche Klarheit gewinnen. Ob daraus sofort ein Angriff auf die oberen Plätze wird, hängt nicht nur vom neuen Trainer ab. Entscheidend werden die Kaderplanung, die Stabilität in der Anfangsphase und die Frage sein, wie schnell aus dem Neustart eine funktionierende Mannschaft entsteht.
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