
Mercedes-Benz verschärft seinen Sparkurs in Deutschland und bietet Beschäftigten außerhalb der Produktion erneut ein freiwilliges Ausscheiden gegen Abfindung an. Das Mercedes-Benz Abfindungsprogramm soll voraussichtlich im Dezember 2026 wieder anlaufen. Betroffen sind sogenannte indirekte Bereiche des Konzerns. Individuelle Angebote können Tarifbeschäftigte und teilweise auch Führungskräfte erhalten.
Dabei bleibt es beim Prinzip der doppelten Freiwilligkeit. Ein Arbeitsverhältnis endet über das Programm nur dann, wenn sowohl der jeweilige Beschäftigte als auch Mercedes-Benz zustimmen. Das Unternehmen begründet die Neuauflage mit weiteren strukturellen Anpassungen im Zuge seiner laufenden Produktivitätsmaßnahmen. Der Personalabbau soll damit weiterhin auf freiwilliger und sozialverträglicher Basis erfolgen.
Die Neuauflage betrifft nicht die klassischen Produktionsbereiche in den Werken, sondern sogenannte indirekte Funktionen. Dazu gehören etwa Tätigkeiten in Verwaltung, Entwicklung und anderen Bereichen, die nicht unmittelbar der Fertigung zugeordnet sind.
Mercedes-Benz hatte bereits zuvor ein freiwilliges Abfindungsprogramm für diese Beschäftigtengruppe eingesetzt. Ein entsprechendes Maßnahmenpaket war zwischen Unternehmen und Gesamtbetriebsrat vereinbart worden. Mercedes-Benz erklärte dazu bereits 2025, die Personalkosten senken und die Organisation verschlanken zu wollen. Gleichzeitig wurde die bestehende Beschäftigungssicherung in Deutschland bis Ende 2034 verlängert. Betriebsbedingte Kündigungen waren im damaligen Maßnahmenpaket ausgeschlossen.
Wie viele Beschäftigte die neue Runde tatsächlich nutzen werden, ist bislang offen. Auch eine konkrete Zielgröße für den damit verbundenen Stellenabbau wurde mit der Ankündigung vom 30. September zunächst nicht genannt. Entscheidend ist zudem, dass Mercedes-Benz jedes Ausscheiden ebenfalls akzeptieren muss.
Die erneute Abfindungsrunde fällt in eine Phase, in der Mercedes-Benz seine Kostenstruktur deutlich verändert. Der Konzern hatte 2025 einen erheblichen Ergebnisrückgang verzeichnet. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank von 13,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2025. Der Umsatz ging im selben Zeitraum von 145,6 auf 132,2 Milliarden Euro zurück. Besonders deutlich war die Entwicklung bei Mercedes-Benz Cars: Dort sank das bereinigte EBIT von 8,7 auf 4,8 Milliarden Euro.
Mercedes-Benz führte die schwächere Entwicklung unter anderem auf niedrigere Absatzmengen, insbesondere in China, geringere Preisdurchsetzung, Zölle und Wechselkurseffekte zurück. China bleibt zugleich einer der strategisch wichtigsten Märkte des Herstellers. Dort ist der Wettbewerb mit heimischen Autobauern deutlich intensiver geworden.
Für 2026 ergibt sich allerdings ein differenzierteres Bild. Im zweiten Quartal erzielte der Gesamtkonzern ein EBIT von 1,5 Milliarden Euro nach 1,3 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Der Umsatz sank zugleich von 33,2 auf 32,1 Milliarden Euro. Im eigentlichen Pkw-Geschäft blieb der Ertragsdruck bestehen. Das bereinigte EBIT von Mercedes-Benz Cars ging von 1,228 Milliarden auf 909 Millionen Euro zurück, die bereinigte Umsatzrendite sank von 5,1 auf 4,0 Prozent.
Im Juli passte Mercedes-Benz Teile seiner Jahresprognose an. Für Mercedes-Benz Cars erwartet der Konzern 2026 inzwischen einen Absatz leicht unter dem Vorjahresniveau. Zuvor war ein Absatz auf Vorjahresniveau angenommen worden. Auch der Konzernumsatz soll nun leicht unter dem Wert von 2025 liegen. Als Grund nannte Mercedes-Benz insbesondere das weiterhin schwierige Marktumfeld in China.
Gleichzeitig zeigen die Quartalszahlen, dass die bisherigen Einsparungen bereits Wirkung entfalten. Im zweiten Quartal sanken die allgemeinen Verwaltungskosten nach Unternehmensangaben um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung gingen um 12 Prozent zurück. Mercedes-Benz führt diese Maßnahmen im Rahmen seines Effizienzprogramms „Next Level Performance“ fort.
Die neue Abfindungsrunde fügt sich damit in einen breiteren Umbau ein. Neben geringeren Personalkosten setzt Mercedes-Benz auf höhere Produktivität und eine umfassende Modelloffensive. Zwischen 2025 und 2027 sollen mehr als 40 neue Modelle auf den Markt kommen. Zugleich versucht der Konzern, seine Profitabilität unter schwierigen Marktbedingungen zu stabilisieren. Für Beschäftigte in den indirekten Bereichen beginnt mit dem voraussichtlichen Neustart des freiwilligen Programms im Dezember nun eine weitere Phase dieses Umbaus.






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