
Mercedes-Benz könnte im Rahmen seines verschärften Sparprogramms die Zahl der Zeitarbeitskräfte in deutschen Werken deutlich reduzieren. Nach Informationen des Handelsblatts vom Freitag, 23. Oktober 2026, geht es um mehrere Tausend Beschäftigte. Der Autobauer bestätigte die konkreten Pläne bislang nicht. Gleichzeitig stehen weitere Einsparungen bei den Personalkosten und ein neues Abfindungsprogramm bevor.
Besonders im Blick stehen die Fahrzeugwerke in Sindelfingen bei Stuttgart, Bremen und Rastatt. Dort arbeiten nach Informationen des Handelsblatts insgesamt etwa 3.000 Zeitarbeitskräfte. Das Unternehmen soll planen, die Zahl der eingesetzten Leiharbeiter in Deutschland zu verringern. Wie viele Personen tatsächlich betroffen wären und wann entsprechende Maßnahmen beginnen könnten, ist bislang nicht bekannt.
Eine Mercedes-Sprecherin wollte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur nicht zu den konkreten Überlegungen äußern. Sie stellte allerdings klar, dass Zeitarbeitskräfte die reguläre Belegschaft ergänzen und nicht ersetzen. Eine offizielle Bestätigung für den berichteten Umfang des Personalabbaus lag zunächst nicht vor.
Für die Leiharbeiter bei Mercedes hätte eine Verringerung der Einsätze erhebliche Bedeutung. Anders als regulär Beschäftigte stehen Zeitarbeitskräfte bei einem Personaldienstleister unter Vertrag und werden zeitweise in den Werken eingesetzt. Endet ein solcher Einsatz, bedeutet dies allerdings nicht automatisch, dass auch das Arbeitsverhältnis mit dem Personaldienstleister beendet wird.
Die Überlegungen stehen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Neuausrichtung des Stuttgarter Autobauers. Mercedes-Benz hat seine Sparbemühungen zuletzt verstärkt und eine Produktivitätsoffensive für die deutschen Standorte angekündigt.
Nach Handelsblatt-Informationen strebt das Management dabei jährliche Einsparungen von rund 800 Millionen Euro an. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Arbeitskosten. Diskutiert werden längere Arbeitszeiten ohne zusätzlichen Lohnausgleich sowie Veränderungen bei Sonderzahlungen, darunter Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Gewinnbeteiligungen.
Die Vorschläge stoßen auf Widerstand. Der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall lehnen zusätzliche Belastungen für die Beschäftigten ab. Damit besteht weiterhin ein erheblicher Interessenkonflikt zwischen den Sparzielen des Managements und den Forderungen der Arbeitnehmervertretungen.
Für die regulären Beschäftigten besteht eine langfristige Vereinbarung. Mercedes-Benz und der Gesamtbetriebsrat hatten im März 2025 beschlossen, die Beschäftigungssicherung bis zum 31. Dezember 2034 zu verlängern. Betriebsbedingte Beendigungskündigungen sind für die von dieser Vereinbarung erfassten Beschäftigten grundsätzlich ausgeschlossen.
Diese Regelung ist von der Situation der Zeitarbeitskräfte zu unterscheiden. Sie sind bei externen Unternehmen angestellt und haben deshalb nicht automatisch denselben Beschäftigungsschutz durch die Mercedes-Vereinbarung.
Darüber hinaus bereitet Mercedes-Benz ein weiteres freiwilliges Abfindungsprogramm vor, das voraussichtlich im Dezember 2026 beginnen soll. Es richtet sich an Beschäftigte in indirekten Unternehmensbereichen, beispielsweise in der Verwaltung und Entwicklung. Bereits zuvor hatte Mercedes ein entsprechendes Programm angeboten. Ein verpflichtender Stellenabbau innerhalb der Stammbelegschaft ist nach den bisherigen Angaben nicht vorgesehen.
Der wirtschaftliche Druck auf den Hersteller lässt sich auch an den aktuellen Verkaufszahlen ablesen. Nach Unternehmensangaben lieferte Mercedes-Benz Cars in den ersten neun Monaten 2026 weltweit rund 1,24 Millionen Pkw aus. Das waren sieben Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Besonders deutlich fiel die Entwicklung in China aus. Auf dem wichtigen Absatzmarkt gingen die Pkw-Verkäufe in den ersten neun Monaten um 29 Prozent zurück. Im dritten Quartal allein erreichte der Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum 31 Prozent. Mercedes verweist dabei unter anderem auf die schwierige Marktlage und den intensiven Wettbewerb.
Gleichzeitig verzeichnet der Konzern bei batterieelektrischen Fahrzeugen Wachstum. Im dritten Quartal wurden weltweit rund 68.400 vollelektrische Pkw verkauft, 61 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die unterschiedlichen Entwicklungen in den Absatzregionen stellen das internationale Produktionsnetzwerk vor neue Anforderungen.
Bemerkenswert ist die Situation in zwei der genannten Werke. Mercedes-Benz hatte am 7. Oktober erklärt, dass die Standorte Bremen und Rastatt ebenso wie das ungarische Werk Kecskemét in drei Schichten arbeiten, um die Nachfrage nach neuen Elektrofahrzeugen zu bedienen.
Damit trifft der Bericht über einen möglichen Rückgang der Zeitarbeit auf eine Phase, in der Mercedes zugleich die Produktion neuer Modelle hochfährt. Ob und in welchem Umfang die geplanten Personalanpassungen auch diese Standorte betreffen würden, blieb zunächst offen.
Für die Beschäftigten sind insbesondere die konkrete Zahl möglicher wegfallender Einsätze und der zeitliche Ablauf entscheidend. Zu beiden Punkten hat Mercedes-Benz bislang keine verbindlichen Angaben gemacht.
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