
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit deutlichen Worten zur politischen Lage in Deutschland geäußert. Bei einem Auftritt am Samstagabend, 29. August 2026, im Haus der Berliner Festspiele rief die CDU-Politikerin dazu auf, sich aktiv für die Demokratie einzusetzen. Zugleich sprach sie über die wachsende Stärke der AfD und deren Einfluss auf politische Debatten. Die Äußerungen von Angela Merkel zur AfD fallen in die Schlussphase eines Wahlkampfs, in dem die Partei in Sachsen-Anhalt in mehreren Umfragen deutlich vor der CDU liegt.
Merkel sagte bei der Veranstaltung, demokratische Verhältnisse dürften nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Nach Jahrzehnten vergleichsweise stabiler demokratischer Entwicklung sei wieder mehr persönlicher Einsatz notwendig. Bürgerinnen und Bürger müssten aus ihrer Sicht bereit sein, für die demokratische Ordnung einzutreten und ihre Haltung öffentlich zu vertreten.
Die frühere Regierungschefin verband diesen Appell unmittelbar mit der gegenwärtigen politischen Entwicklung. Dabei richtete sie den Blick besonders auf die AfD. Die Partei sei inzwischen nicht mehr allein über ihre hohen Ergebnisse in ostdeutschen Bundesländern zu erklären. Merkel bezeichnete sie als ein gesamtdeutsches Phänomen und verwies darauf, dass sie auch in westdeutschen Ländern stärker geworden sei.
Die Aussagen erfolgten während eines Gesprächs mit der Politologin und Publizistin Saba-Nur Cheema sowie dem Historiker und Publizisten Meron Mendel. Die Veranstaltung war Teil der Reihe Reflexe & Reflexionen der Berliner Festspiele. Das Gespräch beschäftigte sich grundsätzlich mit Deutschlands und Europas Rolle in einer zunehmend multipolaren Welt sowie mit politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte.
Merkel kritisierte insbesondere, wie stark sich die öffentliche Auseinandersetzung inzwischen auf die AfD konzentriere. Die Partei habe es teilweise erreicht, politische Gespräche über weite Teile des Tages zu bestimmen. Dadurch gerieten nach ihrer Darstellung die eigenen Positionen der übrigen Parteien in den Hintergrund.
Damit sprach die frühere Kanzlerin einen Konflikt an, der im Wahlkampf von Sachsen-Anhalt besonders sichtbar ist. Parteien wie CDU, SPD, Grüne und Linke müssen einerseits auf die hohen Umfragewerte der AfD reagieren, zugleich aber versuchen, mit ihren eigenen politischen Angeboten wahrgenommen zu werden. Merkel stellte dabei heraus, dass trotz der hohen Werte der AfD weiterhin ein erheblicher Teil der Bevölkerung andere Parteien unterstütze.
Am 6. September 2026 wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Wenige Tage vor der Abstimmung liegt die AfD in mehreren Erhebungen deutlich an erster Stelle. Im jüngsten Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest dimap kam sie auf 42 Prozent. Die CDU erreichte 22 Prozent. Andere aktuelle Befragungen zeigen ebenfalls einen erheblichen Vorsprung der AfD, wenn auch mit teilweise abweichenden Prozentwerten.
Umfragen sind keine Vorhersagen des endgültigen Wahlergebnisses. Sie bilden die politische Stimmung zum jeweiligen Zeitpunkt der Befragung ab. Dennoch zeigen die aktuellen Werte, dass die Wahl in Sachsen-Anhalt bundespolitische Bedeutung bekommen hat. Die Frage, welche Mehrheiten nach der Abstimmung möglich sein werden, beschäftigt deshalb nicht nur die Landespolitik.
Für die CDU ist die Lage auch deshalb besonders sensibel, weil sie jede Zusammenarbeit mit der AfD bislang ablehnt. Gleichzeitig steht sie vor der Herausforderung, bei einem starken Abschneiden der AfD parlamentarische Mehrheiten mit anderen Parteien zu bilden. Welche Konstellationen tatsächlich möglich sind, hängt vom Wahlergebnis und davon ab, welche Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.
Angela Merkel war von 2005 bis 2021 Bundeskanzlerin und führte die CDU von 2000 bis 2018. Seit ihrem Ausscheiden aus dem Kanzleramt übernimmt sie keine aktive Funktion mehr in der Tagespolitik. Dennoch äußert sie sich bei ausgewählten öffentlichen Auftritten weiterhin zu grundsätzlichen politischen Fragen.
Ihre Aussagen erhalten zusätzliche Aufmerksamkeit, weil die CDU inzwischen von Bundeskanzler Friedrich Merz geprägt wird und sich in zentralen Fragen deutlich anders positioniert als während Merkels Regierungszeit. Merkel hat sich in der Vergangenheit nur selten direkt in aktuelle parteipolitische Auseinandersetzungen eingeschaltet. Ihre jüngsten Äußerungen richteten sich allerdings weniger auf einzelne Entscheidungen der Bundesregierung als auf den Zustand der politischen Debatte und die Stellung der AfD.
Die bevorstehende Landtagswahl gibt Merkels Auftritt eine über Sachsen-Anhalt hinausgehende Bedeutung. Ein sehr starkes Ergebnis der AfD würde die Diskussion darüber verschärfen, wie die etablierten Parteien mit der Partei umgehen und wie sie verlorene Wähler zurückgewinnen können. Besonders für die CDU dürfte das Ergebnis aufmerksam verfolgt werden, weil sie sowohl auf Landesebene als auch bundesweit in direkter Konkurrenz zur AfD um konservative und bürgerliche Wähler steht.
Merkels Botschaft zielte dabei nicht auf eine konkrete Koalition oder Wahlempfehlung. Sie stellte vielmehr die demokratische Beteiligung und die inhaltliche Auseinandersetzung der Parteien in den Mittelpunkt. Mit ihrer Warnung vor einer politischen Debatte, die sich fast vollständig um die AfD dreht, griff sie zugleich eine Frage auf, die auch nach der Wahl in Sachsen-Anhalt für die deutsche Parteienlandschaft relevant bleiben dürfte.
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