
Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Samstag das Waldbrandgebiet Hürtgenwald in der Eifel besucht und den Einsatzkräften für ihren tagelangen Kampf gegen das Feuer gedankt. Der CDU-Politiker informierte sich im besonders betroffenen Ortsteil Gey über den Verlauf des Einsatzes und die Schäden im Wald. Sein Besuch wurde zugleich von Protesten begleitet. Bei seiner Ankunft und während seiner öffentlichen Äußerungen waren Buhrufe, Pfiffe und Hupen zu hören. Merz kündigte an, die Erfahrungen aus dem Großbrand auszuwerten und die Vorbereitung auf künftige Waldbrände und andere klimabedingte Schadenslagen im Bundeskabinett zu beraten.
Der Kanzler wurde am Samstag zunächst über den Verlauf des Großeinsatzes informiert. Anschließend fuhr er mit Verantwortlichen und Einsatzkräften in das betroffene Waldgebiet, um sich ein Bild von den Folgen des Feuers zu machen. Danach traf er Helferinnen und Helfer und dankte ihnen für ihren Einsatz.
Merz hob insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Bundeswehr sowie Land und Forstwirtschaft hervor. Auch zahlreiche ehrenamtliche Kräfte und Landwirte hatten die Brandbekämpfung unterstützt. Der Kanzler stellte die Bedeutung dieser dezentralen Strukturen heraus und machte deutlich, dass er eine stärkere Zentralisierung der Brandbekämpfung nicht als entscheidende Lösung sieht.
Nach seinen Angaben soll vielmehr untersucht werden, an welchen Stellen die Zusammenarbeit und die technische Ausstattung verbessert werden können. Als Beispiel nannte er die Kommunikationsverbindungen zwischen den beteiligten Kräften. Der Einsatz im Hürtgenwald soll deshalb auch Thema der Klausurtagung des Bundeskabinetts am Dienstag und Mittwoch sein.
Der Brand war am 13. August im Hürtgenwald ausgebrochen und hatte sich innerhalb kurzer Zeit stark ausgebreitet. Nach Angaben des Kreises Düren waren rund 300 Hektar Wald betroffen. Damit handelte es sich nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Landesregierung um den größten Waldbrand in Nordrhein-Westfalen seit Beginn der entsprechenden Erfassung.
In der Spitze waren rund 1.800 Kräfte im Einsatz. Neben Feuerwehren aus der Region und weiteren Teilen Nordrhein-Westfalens beteiligten sich Polizei, Bundeswehr, Technisches Hilfswerk, Deutsches Rotes Kreuz, Malteser und Johanniter. Hinzu kamen freiwillige Helfer sowie Landwirte, die unter anderem Fahrzeuge und Wasser bereitstellten.
Besonders kritisch wurde die Lage in der Nacht zum 14. August. Das Feuer rückte in Richtung des Ortsteils Gey vor. Rund 1.800 Bewohner mussten ihre Häuser vorsorglich verlassen. Am folgenden Abend konnten sie zurückkehren, nachdem sich die Lage stabilisiert hatte.
Die Löscharbeiten waren im Hürtgenwald besonders schwierig, weil in Teilen des Gebietes noch Munition und andere Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet werden. Einsatzkräfte konnten deshalb nicht überall gefahrlos zu Fuß in den Wald vordringen.
Zu Beginn konzentrierte sich die Feuerwehr darauf, die weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Dazu wurden sogenannte Riegelstellungen aufgebaut und Schneisen angelegt. Bundeswehrfahrzeuge unterstützten beim Freimachen von Bereichen und beim Anlegen von Zufahrten.
Mehrere Hubschrauber warfen Löschwasser über schwer erreichbaren Flächen ab. Auch Bundeswehrhubschrauber kamen zum Einsatz. Nachdem keine großflächigen offenen Flammen mehr vorhanden waren, verlagerte sich die Arbeit zunehmend auf Bodenkräfte. Fußtrupps suchten nach Glutnestern und löschten verbliebene Brandstellen gezielt ab.
Das gesamte Gebiet wurde mit einer rund drei Meter breiten Schneise gesichert. Zusätzlich entstand ein etwa zwei Kilometer langer und rund sechs Meter breiter Weg, der Einsatzfahrzeugen den Zugang erleichtern und zugleich ein Übergreifen möglicher Funken erschweren sollte.
Regen half später zusätzlich, die Lage zu entspannen. Am 21. August meldete die Gemeinde Hürtgenwald schließlich, dass das Feuer gelöscht sei und die letzten Einheiten das Brandgebiet verließen. Damit dauerte der eigentliche Großeinsatz rund eine Woche. Das Waldgebiet blieb zunächst weiterhin gesperrt. Beschädigte Bäume und mögliche Kampfmittel stellen dort weiterhin Gefahren dar.
Bei seinem Besuch stellte Merz einen direkten Zusammenhang zwischen der zunehmenden Gefahr solcher Großschadenslagen und dem Klimawandel her. Deutschland müsse sich darauf einstellen, dass vergleichbare Ereignisse künftig häufiger auftreten könnten.
Dabei verband der Kanzler Klimaschutz mit Anpassungsmaßnahmen. Neben dem Ziel, den Klimawandel zu begrenzen, müssten Bund, Länder und Kommunen ihre Strukturen auf bereits eintretende Folgen vorbereiten. Dazu gehören nach seiner Darstellung leistungsfähige Kommunikationswege und eine bessere Vorbereitung auf größere Katastrophenlagen.
Konkrete neue Programme oder zusätzliche Finanzmittel kündigte Merz in Hürtgenwald zunächst nicht an. Die Erfahrungen aus dem Einsatz sollen zunächst ausgewertet und anschließend auf Bundesebene beraten werden.
Auch auf Landesebene läuft bereits eine Diskussion über bessere Waldbrandvorsorge. Nach den Bränden der vergangenen Wochen stehen unter anderem Frühwarnsysteme, der Umbau besonders anfälliger Wälder und eine engere Zusammenarbeit von Feuerwehren und Forstwirtschaft im Mittelpunkt.
Der Termin verlief nicht ohne politische Spannungen. Auf dem Dorfplatz in Gey empfingen Demonstranten den Bundeskanzler mit Buhrufen und Pfiffen. Während seiner Ansprache waren zeitweise auch Hupen zu hören.
Für den Nachmittag war eine Kundgebung unter dem Motto Respekt für die Einsatzkräfte, kein Respekt für den Urlaubskanzler angekündigt worden. Aufgerufen hatte der Kreisverband Düren der Linken. Hintergrund war die Kritik daran, dass Merz seinen Sommerurlaub während des Waldbrandes nicht unterbrochen hatte.
Auch aus Reihen der Grünen war dem Kanzler in den vergangenen Tagen vorgeworfen worden, angesichts der Waldbrände und der Hitze in Deutschland zu wenig öffentlich in Erscheinung getreten zu sein. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hatte dagegen seinen Urlaub unterbrochen und das Einsatzgebiet bereits während des Brandes besucht.
Merz wies den Vorwurf zurück, er habe sich während des Einsatzes nicht gekümmert. Nach seiner Darstellung hatte er sich fortlaufend über die Lage informieren lassen und bereits zuvor angeboten, in die Region zu kommen.
Dürens Landrat Ralf Nolten bestätigte am Samstag, dass ein früherer Besuch des Kanzlers nicht gewünscht gewesen sei. Nach übereinstimmenden Angaben von Nolten und Merz hatte es bereits während des Brandes Gespräche über einen möglichen Termin gegeben. Die Verantwortlichen vor Ort hätten darum gebeten, den Besuch auf die Zeit nach den akuten Löscharbeiten zu verschieben.
Auch aus der Feuerwehr kamen Stimmen, die den Zeitpunkt des Besuchs verteidigten. Einsatzkräfte erklärten, ein Kanzlertermin während der kritischsten Phase hätte zusätzliche organisatorische Belastungen verursachen und die eigentliche Arbeit behindern können.
Nolten kritisierte zugleich die Buhrufe und Pfiffe während des Besuchs. Er rief die Protestierenden sinngemäß dazu auf, ihre Energie lieber in ein Engagement bei Feuerwehr oder THW zu investieren.
Damit trafen am Samstag zwei unterschiedliche Bewertungen aufeinander. Ein Teil der Bevölkerung und der politischen Opposition kritisierte das Fernbleiben des Kanzlers während der akuten Brandlage. Verantwortliche aus Kreis und Feuerwehr verwiesen dagegen darauf, dass der Zeitpunkt nach Ende des Großeinsatzes bewusst gewählt worden sei.
Der Waldbrand im Hürtgenwald hat gezeigt, welche Herausforderungen großflächige Vegetationsbrände auch in Deutschland verursachen können. Die hohe Zahl beteiligter Einsatzkräfte, die Evakuierung eines ganzen Ortsteils und die schwierige Brandbekämpfung in munitionsbelastetem Gelände machten eine überregionale Unterstützung notwendig.
Mit der angekündigten Auswertung erreicht die Debatte nun die Bundespolitik. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Löschtechnik und Personal, sondern auch Kommunikationssysteme, Warnstrukturen, Waldumbau und die Frage, wie Bund, Länder und Kommunen bei extremen Wetterlagen zusammenarbeiten.
Für die Gemeinde Hürtgenwald hat unterdessen die Phase nach dem Feuer begonnen. Neben der Untersuchung der tatsächlichen Waldschäden müssen Gefahren durch instabile Bäume und mögliche Kampfmittel berücksichtigt werden. Erst danach kann genauer beurteilt werden, welche Teile des betroffenen Gebietes wieder zugänglich gemacht und wie die geschädigten Waldflächen langfristig entwickelt werden können.
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