
Die russische Tochtergesellschaft des deutschen Handelskonzerns Metro hat eine Milliarde Rubel an einen Fonds überwiesen, der die russische Armee im Krieg gegen die Ukraine unterstützt. Das entspricht rund elf Millionen Euro. Die Düsseldorfer Metro AG distanziert sich ausdrücklich von der Zahlung. Nach Angaben der Konzernzentrale wurde sie weder abgestimmt noch genehmigt. Hintergrund ist die Zwangsverwaltung des Russland-Geschäfts, die Präsident Wladimir Putin Ende September angeordnet hatte.
Die Zahlung wurde am Freitag, 23. Oktober 2026, durch die russische Organisation Allrussische Volksfront bekannt gegeben. Das Geld ging an deren Fonds „Volksfront. Alles für den Sieg!“, der unter anderem russische Soldaten im Krieg gegen die Ukraine unterstützt.
Nach Angaben der Organisation sollen mit der Milliarde Rubel Geländefahrzeuge, Kommunikationstechnik, Aufklärungssysteme und Ausrüstung zur Abwehr von Drohnen beschafft werden. Diese Technik ist für russische Einheiten an der Front vorgesehen.
Sergej Gorbunow, stellvertretender Leiter des Exekutivkomitees der Volksfront, erläuterte die geplante Verwendung der Mittel. Die Organisation bestätigte zugleich, dass die russische Metro-Gesellschaft die Zahlung geleistet habe.
Nach Angaben der russischen Wirtschaftszeitung Wedomosti erklärte Metro Russland außerdem, ein Teil des Geldes sei für humanitäre und soziale Zwecke vorgesehen. Eine genaue Aufteilung der Summe wurde nicht genannt.
Die deutsche Konzernzentrale reagierte noch am 23. Oktober mit einer eigenen Stellungnahme. Darin stellte die Metro AG klar, dass die Entscheidung zur Spende nicht mit dem Mutterkonzern abgestimmt worden sei. Eine Genehmigung oder Zustimmung habe es ebenfalls nicht gegeben.
Das Unternehmen erklärte außerdem, seit dem 28. September 2026 keinen operativen Einfluss mehr auf seine russische Tochtergesellschaft zu besitzen. Entscheidungen über das laufende Geschäft würden damit außerhalb der Kontrolle des Düsseldorfer Konzerns getroffen.
Die Metro AG wandte sich ausdrücklich gegen eine finanzielle Unterstützung des russischen Krieges gegen die Ukraine. Eine Finanzierung oder anderweitige Unterstützung militärischer Handlungen widerspreche sowohl der eigenen Haltung als auch den geschäftlichen Grundsätzen des Unternehmens.
Der entscheidende Einschnitt erfolgte bereits am 28. September. Präsident Wladimir Putin ließ die russischen Vermögenswerte der Metro AG durch einen Erlass unter vorübergehende Zwangsverwaltung stellen.
Die operative Kontrolle übernahm das Unternehmen UK Torg RUS. Dieses gehört nach Angaben der Metro AG Johannes Tholey, der zuvor das Russland-Geschäft des Konzerns geführt hatte.
Die Düsseldorfer Konzernzentrale erklärte Ende September gegenüber der ARD, Tholey sei nicht länger Mitarbeiter der Metro-Gruppe. In Russland führt er das Geschäft weiterhin.
Rechtlich bleibt die Metro AG nach eigenen Angaben Eigentümerin ihrer russischen Tochtergesellschaft. Die Zwangsverwaltung bedeutet somit nicht automatisch eine endgültige Enteignung. Allerdings kann die deutsche Konzernleitung nicht mehr über den laufenden Geschäftsbetrieb bestimmen.
Metro ist bereits seit 2001 auf dem russischen Markt vertreten. Nach Angaben des Unternehmens umfasst das dortige Geschäft 91 Großhandelsmärkte mit rund 9.000 Beschäftigten.
Anders als zahlreiche andere westliche Unternehmen hatte Metro sein Russland-Geschäft nach Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 zunächst fortgeführt. Der Konzern begründete diese Entscheidung unter anderem mit seiner Verantwortung gegenüber Beschäftigten und Kunden sowie der wirtschaftlichen Bedeutung des russischen Geschäfts.
In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 erzielte Metro in Russland nach Konzernzahlen einen Umsatz von rund 2,14 Milliarden Euro. Das entsprach knapp 8,7 Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Damit war Russland weiterhin ein relevanter Markt für den international tätigen Lebensmittelgroßhändler.
Seit Kriegsbeginn hatte die Metro AG nach eigenen Angaben verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Verbindungen zwischen ihrer russischen Tochtergesellschaft und dem übrigen Konzern zu verringern.
Die staatliche Übernahme der operativen Kontrolle beschränkt sich nicht auf Metro. Im September 2026 wurden auch russische Vermögenswerte anderer internationaler Unternehmen unter externe Verwaltung gestellt, darunter Geschäfte von Nestlé und der französischen Handelskette Auchan.
Russland greift damit auf ein Instrument zurück, das den bisherigen Eigentümern die wirtschaftliche Entscheidungsgewalt über ihre lokalen Unternehmen entziehen kann, ohne das formale Eigentum unmittelbar zu übertragen.
Auch andere inzwischen unter russischer Verwaltung stehende Unternehmensgesellschaften haben Geld an die Volksfront überwiesen. Die russische Zeitung Wedomosti dokumentierte entsprechende Zahlungen unter anderem aus dem Umfeld des Verpackungsherstellers Can-Pack und des Dämmstoffproduzenten Rockwool.
Welche langfristigen wirtschaftlichen Folgen die Zwangsverwaltung für die Metro AG haben wird, war zunächst nicht abschließend geklärt. Bereits nach dem russischen Erlass hatte der Konzern angekündigt, die Auswirkungen der Entscheidung zu untersuchen.
Mit der Zahlung von einer Milliarde Rubel an den russischen Unterstützungsfonds hat die Gesellschaft unter Zwangsverwaltung nun eine weitreichende finanzielle Entscheidung getroffen, auf die die deutsche Konzernzentrale nach eigener Darstellung keinen Einfluss hatte.
Eine konkrete Bezifferung der Folgen für die Vermögenslage oder das künftige Russland-Geschäft der Metro AG lag zunächst nicht vor. Fest steht jedoch, dass der Konzern trotz fortbestehenden formalen Eigentums die Kontrolle über einen wirtschaftlich bedeutenden Teil seines internationalen Geschäfts verloren hat.
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