
Der US-Speicherchiphersteller Micron Technology hat zuletzt außergewöhnlich hohe Geschäftszahlen vorgelegt. Dennoch ist die Micron-Aktie am Freitag, 16. Oktober 2026, deutlich gefallen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP verlor das Papier zum US-Börsenschluss um 16 Uhr New Yorker Zeit, entsprechend 22 Uhr deutscher Zeit, 5,6 Prozent. Sorgen über die Finanzierung großer KI-Projekte und mögliche neue Konkurrenz auf dem Speichermarkt belasteten die Branche.
Neue Quartalszahlen veröffentlichte Micron am Freitag nicht. Die jüngsten Ergebnisse stammen vom 30. September 2026 und betreffen das vierte Geschäftsquartal, das bereits am 3. September endete.
Die Quartalszahlen von Micron zeigen ein starkes Wachstum. Der Umsatz erreichte im vierten Geschäftsquartal 54,23 Milliarden US-Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 11,32 Milliarden Dollar gewesen. Der Nettogewinn nach US-Rechnungslegungsstandards stieg von 3,20 Milliarden auf 37,70 Milliarden Dollar. Je verwässerter Aktie verdiente Micron 32,87 Dollar.
Auch das gesamte Geschäftsjahr 2026 schloss der Konzern mit Rekordzahlen ab. Der Jahresumsatz erhöhte sich von 37,38 Milliarden auf 133,19 Milliarden Dollar. Das Unternehmen profitierte insbesondere von der kräftigen Nachfrage nach Speicherprodukten für Rechenzentren und Anwendungen der künstlichen Intelligenz.
Eine zentrale Rolle spielt sogenannter HBM-Speicher. Die Abkürzung steht für High Bandwidth Memory, einen besonders leistungsfähigen Speicher, der unter anderem in modernen KI-Beschleunigern eingesetzt wird. Solche KI-Speicherchips sind für die Verarbeitung großer Datenmengen entscheidend.
Micron konkurriert in diesem Markt vor allem mit den südkoreanischen Herstellern SK Hynix und Samsung. Der Konzern baut seine Produktionskapazitäten aus und hat langfristige Liefervereinbarungen mit Kunden geschlossen.
Bei der Eröffnung einer neuen Anlage im taiwanischen Taichung am 15. Oktober erklärte Micron-Manager Manish Bhatia, dass deren geplante Kapazität für 2027 bereits vollständig verkauft sei. Das Unternehmen erwartet außerdem, dass der Markt für HBM-Speicher bis 2028 schneller wachsen wird als das übrige Geschäft mit DRAM-Arbeitsspeicher. Dabei handelt es sich um eine Unternehmensprognose.
Mit den Geschäftszahlen vom 30. September veröffentlichte der Konzern auch einen Ausblick auf das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027. Micron rechnet mit einem Umsatz von 61,5 Milliarden Dollar, wobei eine Abweichung von 1,5 Milliarden Dollar nach oben oder unten möglich ist.
Der bereinigte Gewinn je Aktie soll nach der damaligen Prognose bei 38,15 Dollar liegen, ebenfalls mit einer Bandbreite von einem Dollar. Diese Erwartungen sind keine bereits erzielten Ergebnisse. Eine aktualisierte Umsatzprognose veröffentlichte Micron am 16. Oktober im Rahmen einer neuen Quartalsbilanz nicht.
An den Börsen stehen Speicherchip-Hersteller inzwischen unter einem anderen Vorzeichen. Der chinesische Produzent CXMT hat technische Fortschritte bei einer neuen DRAM-Speicherarchitektur für sich beansprucht. Das weckte Befürchtungen, dass etablierte Anbieter künftig stärkerem Wettbewerb ausgesetzt sein könnten. Ob die neue Technologie bereits wirtschaftlich in großen Stückzahlen produziert werden kann, war zunächst nicht bestätigt.
Hinzu kommen Zweifel an der Finanzierung umfangreicher KI-Investitionen. Steigende Finanzierungskosten und die Verschuldung einzelner Betreiber von KI-Rechenzentren haben zuletzt für Verunsicherung gesorgt.
Dass die Kursverluste nicht auf Micron beschränkt blieben, zeigte sich am Freitag auch am Gesamtmarkt. Der technologielastige Nasdaq Composite verlor zum US-Börsenschluss rund 2,1 Prozent. Damit standen die starken Geschäftszahlen des Speicherchipherstellers einer zunehmend vorsichtigen Bewertung der gesamten KI-Branche gegenüber.
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