
Der langjährige geschäftsführende Gesellschafter des Hausgeräteherstellers Miele, Peter Christian Zinkann, ist am Montag, 19. Oktober 2026, im Alter von 98 Jahren gestorben. Das Unternehmen aus Gütersloh würdigte ihn als prägende Persönlichkeit seiner Geschichte. Zinkann gehörte zur dritten Generation der Gründerfamilien und leitete Miele über mehr als vier Jahrzehnte gemeinsam mit Rudolf Miele. Sein Schwerpunkt lag vor allem auf der Entwicklung neuer Haushaltsgeräte und der Produktion.
Peter Christian Zinkann wurde am 17. September 1928 in Bremen geboren. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zog seine Familie nach Gütersloh. Sein Großvater Reinhard Zinkann hatte Miele 1899 gemeinsam mit Carl Miele in Herzebrock gegründet. Die Firma begann mit elf Beschäftigten und der Herstellung von Milchzentrifugen. Bereits wenige Jahre später kamen Waschmaschinen hinzu. Seit 1907 befindet sich der Stammsitz in Gütersloh. Zinkanns Vater Kurt Christian Zinkann gehörte zur zweiten Generation der Unternehmensleitung.
Nach dem Abitur studierte Zinkann Maschinenbau an der Technischen Hochschule Darmstadt und besuchte die Handelshochschule St. Gallen. 1956 wurde er zum Doktor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften promoviert. Im Jahr 1957 trat er in das Familienunternehmen ein, drei Jahre nach Rudolf Miele, dem Enkel des zweiten Firmengründers. Während Rudolf Miele insbesondere für die kaufmännische Seite und den Vertrieb stand, übernahm Zinkann die Verantwortung für Entwicklung und Produktion. Diese Arbeitsteilung kennzeichnete die gemeinsame Unternehmensführung über Jahrzehnte.
Schon kurz nach seinem Eintritt beschäftigte sich Zinkann mit einer technischen Neuerung: Er entwickelte nach Angaben von Miele das Waschmaschinenmodell 505, einen vollautomatischen Frontlader, der 1958 in Serie ging. In den 1960er-Jahren erhielten Waschmaschinen und Trockner des Herstellers elektronische Steuerungen. 1966 führte Miele einen elektronisch gesteuerten Wäschetrockner ein. Später kamen die patentgeschützte Besteckschublade für Geschirrspüler im Jahr 1987 und die Schontrommel für Waschmaschinen 2001 hinzu. Nach Unternehmensangaben meldete Zinkann im Laufe seines Lebens mehr als 130 Patente an.
Parallel dazu veränderte sich das Sortiment. Miele stellte bis 1960 auch Fahrräder und Motorräder her. Das Werk in Bielefeld konzentrierte sich anschließend stärker auf Geschirrspüler. Weitere Geschäftsfelder wurden durch Übernahmen ausgebaut: 1987 erwarb Miele den Wäschepflegegerätehersteller Cordes in Oelde, zwei Jahre später den Küchengerätehersteller Imperial mit Werken in Bünde und Arnsberg. In den 1990er-Jahren erweiterte Miele sein Angebot unter anderem um Einbaudampfgarer und Einbaukaffeevollautomaten.
Auch außerhalb Deutschlands vergrößerte sich das Geschäft während Zinkanns Amtszeit. Die internationale Vertriebsorganisation wurde insbesondere unter der Verantwortung Rudolf Mieles ausgebaut. Auf eine Gesellschaft in Australien im Jahr 1980 folgten weitere in Südafrika 1982, den USA 1983 und Japan 1992. Im Jahr 2004, dem letzten Jahr der gemeinsamen Führung, verzeichnete Miele nach seiner Unternehmenschronik 2,2 Milliarden Euro Umsatz, 15.100 Beschäftigte, elf Produktionsstandorte und eigene Vertriebs- und Servicegesellschaften in 34 Ländern.
Rudolf Miele starb im August 2004. Peter Christian Zinkann schied Ende desselben Jahres aus der operativen Unternehmensleitung aus. Die vierte Generation war damals bereits vertreten: Sein Sohn Reinhard Zinkann gehörte seit 1999 zur Geschäftsleitung, ebenso Markus Miele aus der anderen Gründerfamilie. Das Unternehmen blieb in Familienbesitz. Heute gibt es nach Miele-Angaben rund 80 Gesellschafter aus den beiden Familien. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Miele einen Umsatz von 5,16 Milliarden Euro und beschäftigte rund 23.000 Menschen weltweit.
Für seine unternehmerische Tätigkeit und sein gesellschaftliches Engagement erhielt Zinkann mehrere Ehrungen. Die Stadt Gütersloh ernannte ihn 2003 zum Ehrenbürger. 2006 wurde er mit dem Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Außerdem war er Ehrensenator der Universität Paderborn. Auch nach seinem Ausscheiden aus der Geschäftsleitung hielt er Kontakt zum Unternehmen. Zu seinem 90. Geburtstag 2018 gratulierten ihm nach Angaben von Miele rund 200 Beschäftigte persönlich. Die Stadt Gütersloh richtete eine Feierstunde aus. Zinkann unterstützte aus diesem Anlass mit einer Spende Bildungsprojekte.
Die Miele-Geschäftsleitung bezeichnete den Verstorbenen in ihrer Stellungnahme als „herausragende Unternehmerpersönlichkeit“. In Gütersloh wurde vor dem Miele-Museum ein öffentlich zugänglicher Kondolenzraum eingerichtet. Angaben zur Beisetzung sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
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