
Die Moderna-Aktie nach Rekordrally bleibt nach einem außergewöhnlichen Kurssprung hochvolatil. Nach einem Plus von 176,97 Prozent am Mittwoch verlor das Papier des US-Biotechkonzerns am Donnerstag fast ein Viertel seines Wertes. Am Freitag zeigte sich vor der Eröffnung der US-Börsen zunächst eine leichte Erholung. Einen einzelnen neuen negativen Unternehmensbericht, der den Rückgang erklären würde, gab es zunächst nicht. Stattdessen rückten die Bewertung des Unternehmens, Gewinnmitnahmen nach dem extremen Anstieg und die noch fehlenden Detaildaten einer entscheidenden Krebsstudie in den Mittelpunkt.
Am Mittwoch, 19. August 2026, hatte die Moderna-Aktie den regulären Handel an der Nasdaq um 22.00 Uhr MESZ bei 174,38 US-Dollar beendet. Das entsprach einem Tagesgewinn von 176,97 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von 62,96 Dollar am Dienstag, 18. August, ebenfalls um 22.00 Uhr MESZ an der Nasdaq. Im Tagesverlauf erreichte Moderna am Mittwoch zeitweise 176,66 Dollar. Damit hatte sich der Börsenwert des Unternehmens innerhalb weniger Stunden massiv erhöht.
Schon am folgenden Handelstag setzte eine deutliche Gegenbewegung ein. Am Donnerstag, 20. August 2026, schloss Moderna um 22.00 Uhr MESZ an der Nasdaq bei 133,32 Dollar. Gegenüber dem Mittwochsschluss entsprach das einem Verlust von 23,55 Prozent. Das Papier gab damit 41,06 Dollar ab. Trotz dieses Rückgangs lag die Aktie zu diesem Zeitpunkt noch rund 112 Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag vor Veröffentlichung der Studiendaten.
Am Freitag setzte sich der Rückgang zunächst nicht fort. Im Nasdaq-Vorbörsenhandel notierte Moderna am 21. August 2026 um 13.42 Uhr MESZ bei 136,53 Dollar. Gegenüber dem Donnerstagsschluss bedeutete das ein Plus von 2,41 Prozent. Vom Schlussstand der Rekordrally am Mittwoch war die Aktie damit allerdings weiterhin rund 21,7 Prozent entfernt. Da der reguläre Nasdaq-Handel zu diesem Zeitpunkt noch nicht begonnen hatte, handelte es sich nicht um einen offiziellen Schlusskurs.
Ausgangspunkt der heftigen Kursbewegung waren positive Ergebnisse aus der Phase-3-Studie INTerpath-001. Moderna entwickelt gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Merck die individualisierte mRNA-Krebstherapie Intismeran autogene. Sie wird in der Studie zusammen mit Mercks Immuntherapie Keytruda bei Patienten mit operativ entferntem Hochrisiko-Melanom untersucht.
Moderna und Merck teilten am 19. August mit, dass die Kombination sowohl den primären Studienendpunkt beim rezidivfreien Überleben als auch einen wichtigen sekundären Endpunkt zur Verhinderung entfernter Metastasen erreicht habe. An der Phase-3-Studie nahmen 1.137 Patienten mit vollständig entferntem Melanom der Stadien IIB bis IV teil. Nach Angaben der Unternehmen traten keine neuen Sicherheitssignale auf.
Die Meldung war wissenschaftlich bedeutend, weil es sich nach Angaben der Unternehmen um die erste positive Phase-3-Studie einer individualisierten Neoantigen-Therapie und zugleich einer mRNA-basierten Krebstherapie handelt. Moderna und Merck wollen die vollständigen Ergebnisse auf einer internationalen medizinischen Tagung vorstellen und mit Zulassungsbehörden über mögliche Anträge sprechen.
Ein wesentlicher Punkt für die Bewertung ist allerdings, dass die Unternehmen bislang nur sogenannte Topline-Ergebnisse veröffentlicht haben. Konkrete Phase-3-Werte zur Größe des Behandlungseffekts, darunter Hazard Ratios, Konfidenzintervalle und detaillierte Überlebenskurven, wurden zunächst nicht genannt. Auch Ergebnisse zum Gesamtüberleben sind noch nicht abgeschlossen. Die Studie läuft weiter, um unter anderem diesen sekundären Endpunkt zu untersuchen.
Damit ist offiziell bestätigt, dass die Studie ihre festgelegten Ziele erreicht hat. Noch nicht bekannt ist jedoch, wie groß der klinische Vorteil gegenüber einer alleinigen Behandlung mit Keytruda tatsächlich ausfiel. Einen konkreten Termin für die Veröffentlichung sämtlicher Phase-3-Daten nannten Moderna und Merck zunächst nicht.
Für den Kursverlust vom Donnerstag wurde zunächst keine neue negative Unternehmensmeldung bekannt. Eine eindeutig belegte einzelne Ursache für den Rückgang lässt sich deshalb nicht nennen. Marktbeobachter verwiesen vor allem auf Gewinnmitnahmen nach dem außergewöhnlichen Anstieg, Bewertungsfragen und das Auslaufen zusätzlicher Nachfrage durch Anleger, die zuvor auf fallende Kurse gesetzt hatten und Positionen schließen mussten.
Vor der Rally war ein vergleichsweise hoher Anteil der frei handelbaren Moderna-Aktien leerverkauft. Der Kurssprung vom Mittwoch dürfte nach Einschätzung mehrerer Marktbeobachter deshalb zusätzlich durch sogenannte Short-Eindeckungen verstärkt worden sein. Ob und in welchem Umfang diese Vorgänge den anschließenden Rückgang verursachten, lässt sich mit den bislang verfügbaren Daten jedoch nicht abschließend feststellen.
Mehrere Banken reagierten auf die erfolgreichen Studiendaten mit deutlich höheren Bewertungen. UBS-Analyst Michael Yee hob sein Kursziel am 20. August von 50 auf 150 Dollar an, beließ die Einstufung aber bei Neutral. UBS bezeichnete den vorherigen Kursanstieg als möglicherweise überzogen. Nach Einschätzung des Instituts hätte die während der Rally erreichte Bewertung sehr hohe langfristige Umsätze der Krebstherapie vorausgesetzt.
Bank-of-America-Analyst Alec Stranahan erhöhte das Kursziel am 19. August von 40 auf 170 Dollar und stufte die Aktie von Underperform auf Neutral hoch. RBC Capital erhöhte sein Ziel von 45 auf 130 Dollar und blieb bei einer neutralen Einschätzung. Morgan-Stanley-Analyst Terence Flynn hob das Kursziel von 39 auf 89 Dollar an und bestätigte Equal Weight. Goldman Sachs erhöhte sein Ziel von 67 auf 120 Dollar und blieb ebenfalls bei Neutral.
Auch Jefferies und Piper Sandler korrigierten ihre Modelle deutlich nach oben. Jefferies erhöhte das Kursziel von 60 auf 150 Dollar und behielt die Hold-Einstufung bei. Piper Sandler hob den Zielwert von 77 auf 167 Dollar an und bestätigte seine positive Einstufung. Die große Spannweite der neuen Bewertungen zeigt, wie unterschiedlich Analysten den möglichen kommerziellen Wert der Krebsplattform einschätzen. Bei allen Kurszielen handelt es sich um Prognosen der jeweiligen Institute und nicht um erwartbare oder garantierte zukünftige Börsenkurse.
Für Moderna hat die Entwicklung eine größere Bedeutung als nur für ein einzelnes Medikament. Das Unternehmen versucht seit dem Ende des außergewöhnlichen Covid-Impfstoffgeschäfts, zusätzliche langfristige Umsatzquellen aufzubauen. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Moderna einen Umsatz von 145 Millionen Dollar und verbuchte einen Nettoverlust von 782 Millionen Dollar. Ein erfolgreiches Krebsprogramm könnte deshalb die wirtschaftliche Basis des Konzerns erheblich verändern.
Moderna und Merck untersuchen die individualisierte mRNA-Technologie inzwischen in mehreren Krebsarten, darunter Lungenkrebs, Blasenkrebs und Nierenzellkarzinom. Ob sich der Erfolg der Melanomstudie auf diese Erkrankungen übertragen lässt, ist bislang offen. Ebenso stehen eine regulatorische Zulassung, die praktische Skalierung der individuell für jeden Patienten hergestellten Therapie und ihre spätere kommerzielle Bedeutung noch nicht fest.
Die extremen Kursbewegungen vom 19. und 20. August spiegeln damit zwei unterschiedliche Bewertungen derselben Nachricht wider. Die positiven Phase-3-Ergebnisse haben ein wesentliches wissenschaftliches Entwicklungsrisiko reduziert. Gleichzeitig fehlen noch zentrale Daten, mit denen sich die tatsächliche medizinische und wirtschaftliche Bedeutung genauer bestimmen lässt. Am Freitagmorgen stabilisierte sich die Aktie im vorbörslichen US-Handel zunächst, blieb aber deutlich unter dem außergewöhnlichen Schlusskurs vom Mittwoch.
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