650 historische Mühlen öffnen am Pfingstmontag ihre Türen

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

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Deutscher Mühlentag 2026: Am heutigen Pfingstmontag steht in Deutschland ein Stück Technik- und Kulturgeschichte im Mittelpunkt. Beim 33. Deutschen Mühlentag öffnen bundesweit rund 650 historische Mühlen ihre Türen. Besucherinnen und Besucher können Windmühlen, Wassermühlen, Dampf- und Motormühlen besichtigen, laufende Mahlgänge erleben und Einblicke in ein Handwerk bekommen, das über Jahrhunderte Landwirtschaft, Energiegewinnung und regionale Wirtschaft geprägt hat.

Die zentrale Eröffnung findet in diesem Jahr am Windmühlenturm an der Langen Wand in Bad Nauheim statt. Schirmherr ist Hessens Ministerpräsident Boris Rhein. Ausgerichtet wird die Veranstaltung vom Verein Wind- und Wasserkunst Bad Nauheim mit Unterstützung des Hessischen Landesvereins zur Erhaltung und Nutzung von Mühlen sowie der Arbeitsgemeinschaft Windmühlen Bad Nauheim.

Bad Nauheim wird zum Zentrum des Mühlentags

Der Windmühlenturm in Bad Nauheim ist nicht nur Kulisse der Eröffnungsfeier, sondern selbst ein besonderer Teil des Programms. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz verweist darauf, dass die Windmühle am Gradierwerk nach umfassenden Instandsetzungsarbeiten ihre Flügel zurückerhält. Zur Eröffnungsveranstaltung sollen sich die neu montierten Flügel offiziell wieder drehen.

Das offizielle Programm beginnt in Bad Nauheim am Vormittag. Vorgesehen sind unter anderem ein Festumzug, ein interreligiöses Gebet, die Weihe der Windmühlenflügel, die zentrale Eröffnung und ein Festprogramm mit Führungen, Musik, Mitmachangeboten und Bewirtung. Die Stadt Bad Nauheim nennt als Veranstaltungsort den Windmühlenturm an der Langen Wand und gibt den Beginn mit 9 Uhr an.

Aktionstag soll technisches Kulturerbe sichtbar machen

Der Deutsche Mühlentag wurde 1994 von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung ins Leben gerufen. Vorausgegangen waren regionale Mühlentage, unter anderem in Niedersachsen und an der Westfälischen Mühlenstraße. Die DGM beschreibt den bundesweiten Aktionstag als Möglichkeit, Mühlen als anschauliche Beispiele der Technikgeschichte erlebbar zu machen.

Mühlen waren über Jahrhunderte weit mehr als Gebäude mit Flügeln oder Wasserrädern. Sie wandelten Wind, Wasser, Dampf oder Motorkraft in nutzbare Energie um. Sie mahlten Getreide, pressten Öl, sägten Holz, bewegten Pumpen und prägten ganze Landschaften. Am Mühlentag wird diese Funktion nicht nur ausgestellt, sondern häufig praktisch vorgeführt. Genau darin liegt der Unterschied zu vielen klassischen Denkmaltagen: Besucher sehen nicht nur historische Bausubstanz, sondern auch alte Technik in Bewegung.

Bundesweiter Tag mit europäischem Bezug

Der Mühlentag ist zwar ein deutscher Aktionstag, hat aber einen überregionalen und europäischen Hintergrund. Die DGM verweist darauf, dass der Wunsch nach einem bundesweiten Mühlentag auch durch Mühlenfreunde in den Niederlanden angeregt wurde, die bereits seit 1973 einen vergleichbaren Aktionstag begehen. Seitdem hat sich der deutsche Mühlentag zu einem festen Termin am Pfingstmontag entwickelt.

Für viele Vereine und Betreiber ist der Tag auch eine Gelegenheit, auf den Aufwand der Erhaltung aufmerksam zu machen. Historische Mühlen müssen gesichert, gewartet und oft mit großem ehrenamtlichem Einsatz betriebsfähig gehalten werden. Der Mühlentag verbindet deshalb Ausflugsprogramm, Handwerksvorführung und Denkmalpflege. Gerade kleinere Anlagen, die im Alltag nicht regelmäßig zugänglich sind, werden an diesem Feiertag für ein breiteres Publikum sichtbar.

Von der Soleförderung bis zur Mahltechnik

In Bad Nauheim verweist der Windmühlenturm zugleich auf die Geschichte der Soleförderung. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz pumpte die Windmühle seit 1747 fast 80 Jahre lang Wasser auf die Lange Wand der Gradierwerke der Bad Nauheimer Saline. Nachdem die Mühle im 19. Jahrhundert ihre Flügel verloren hatte, wurde sie später nicht wieder als Windmühle betrieben. Mit der neuen Rekonstruktion erhält das technische Denkmal eine besonders sichtbare Funktion zurück.

Damit steht die Eröffnung 2026 exemplarisch für das Ziel des Deutschen Mühlentags: Historische Technik soll nicht nur bewahrt, sondern verständlich gemacht werden. Wer am Pfingstmontag eine Mühle besucht, sieht ein Stück vorindustrieller Energiegeschichte. Zugleich wird deutlich, wie sehr der Erhalt solcher Anlagen heute von Vereinen, Stiftungen, Eigentümern und ehrenamtlicher Arbeit abhängt.

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