
Zehn Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD ihren Vorsprung auf die SPD wieder ausgebaut. In einer neuen Vorwahlumfrage von infratest dimap erreicht die AfD 38 Prozent, während die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf 33 Prozent kommt. Damit liegen zwischen beiden Parteien fünf Prozentpunkte. Die CDU fällt auf 7 Prozent und erreicht damit einen neuen Tiefstand.
Die neue ARD-Vorwahlumfrage verschärft damit die Ausgangslage vor der Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern 2026 am 20. September. Noch Anfang September hatte infratest dimap die AfD bei 35 Prozent und die SPD bei 32 Prozent gesehen. Seitdem gewinnt die AfD drei Punkte hinzu, die SPD einen. Die CDU verliert einen weiteren Punkt. Die Linke kommt aktuell auf 9 Prozent, die Grünen auf 5 Prozent und das BSW auf 4 Prozent.
Für die CDU setzt sich der Negativtrend fort. Bei der Landtagswahl 2021 hatte sie mit 13,3 Prozent bereits ihr bis dahin schlechtestes Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern erzielt. Anfang September sah infratest dimap die Partei nur noch bei 8 Prozent. Mit nun 7 Prozent liegt sie nochmals darunter. Auch eine aktuelle Insa-Erhebung für den Nordkurier sieht die CDU bei 7 Prozent. Die beiden Institute kommen damit beim schwachen Abschneiden der Union auf denselben Wert, auch wenn sich ihre Ergebnisse bei anderen Parteien unterscheiden.
Bei der AfD zeigt die Entwicklung dagegen wieder nach oben. Die Partei hatte 2021 noch 16,7 Prozent erreicht. Nach der aktuellen infratest-dimap-Erhebung könnte sie ihren damaligen Stimmenanteil mehr als verdoppeln. Die SPD würde dagegen deutlich hinter ihren 39,6 Prozent von 2021 bleiben. Damals hatte Schwesigs Partei die Wahl mit großem Abstand gewonnen und anschließend eine Koalition mit der Linken gebildet.
Die Zahlen sind allerdings keine Prognose des Wahlergebnisses. Wahlumfragen bilden die politische Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung ab. Gerade kurz vor einer Wahl können sich Präferenzen noch verändern. Hinzu kommen die statistischen Schwankungsbreiten repräsentativer Erhebungen.
Bemerkenswert ist der Unterschied zwischen der Parteipräferenz und der Bewertung der beiden wichtigsten Anwärter auf das Ministerpräsidentenamt. In einer direkten Entscheidung würden sich laut der aktuellen Erhebung 59 Prozent für Manuela Schwesig entscheiden. Leif-Erik Holm von der AfD kommt auf 28 Prozent. Schwesigs persönlicher Vorsprung ist damit wesentlich größer als der Abstand zwischen SPD und AfD in der Sonntagsfrage.
Dieser Gegensatz prägt den Wahlkampf zunehmend. Die AfD kann sich auf die stärksten Umfragewerte aller Parteien stützen, während die SPD stark auf die amtierende Ministerpräsidentin setzt. Für Holm besteht die Herausforderung darin, die hohe Zustimmung zu seiner Partei auch auf die Frage nach der Führung der Landesregierung zu übertragen.
Am Mittwochabend trafen Schwesig und Holm erstmals in einem TV-Duell unmittelbar aufeinander. Die von ntv und Ostseewelle ausgestrahlte Debatte im Schweriner Schloss verlief konfrontativ. Beide griffen die Politik des jeweils anderen scharf an. Inhaltlich ging es unter anderem um Wirtschaft und Werften, Bildung und Kindertagesstätten, Migration, Energiepolitik sowie die Folgen des Ukrainekriegs und Fragen der Sicherheit.
Schwesig verteidigte unter anderem die wirtschafts- und sozialpolitische Bilanz ihrer Regierung und wandte sich gegen zentrale Positionen der AfD. Holm stellte insbesondere die Wirtschafts-, Energie- und Migrationspolitik der bisherigen Regierung infrage. Bei der Energiepolitik wurden ebenfalls deutliche Unterschiede sichtbar. Schwesig lehnte eine Rückkehr zum Bau neuer Atomkraftwerke ab, Holm brachte eine Prüfung entsprechender Möglichkeiten ins Gespräch.
Das Duell macht deutlich, wie stark der Wahlkampf inzwischen auf die Auseinandersetzung zwischen SPD und AfD zugespitzt ist. Andere Parteien liegen in den Umfragen mit großem Abstand dahinter. Ein weiteres Aufeinandertreffen von Schwesig und Holm ist für den 16. September vorgesehen, vier Tage vor der Wahl.
Aus den aktuellen Umfragewerten ergeben sich schwierige Mehrheitsverhältnisse. Die bisherige Koalition aus SPD und Linken käme zusammen auf 42 Prozent und hätte damit keine rechnerische Mehrheit. Gemeinsam mit den Grünen würden SPD, Linke und Grüne dagegen auf 47 Prozent der Stimmen kommen. Weil Parteien unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde bei der Sitzverteilung grundsätzlich nicht berücksichtigt werden, könnte das nach dem derzeitigen Zahlenbild für eine parlamentarische Mehrheit reichen.
Die AfD käme mit 38 Prozent nicht in die Nähe einer absoluten Mehrheit der Stimmen. Rechnerisch würde eine Verbindung von AfD und CDU auf 45 Prozent kommen und könnte bei einem entsprechenden Wahlergebnis je nach Stimmenanteil der nicht in den Landtag einziehenden Parteien eine Mehrheit der Mandate erreichen. Die CDU hat eine Koalition mit der AfD jedoch ausgeschlossen. Auch SPD und Linke lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD ab.
Eine zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die Grünen. Sie liegen in der neuen Erhebung genau bei 5 Prozent und damit an der gesetzlichen Hürde für den Einzug in den Landtag. Das BSW erreicht 4 Prozent und läge derzeit darunter. Schon kleine Veränderungen können deshalb erheblichen Einfluss auf die Sitzverteilung und die möglichen Regierungsmehrheiten haben.
Für Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich damit eine völlig andere politische Ausgangslage als vor fünf Jahren ab. 2021 dominierte die SPD die Wahl mit fast 40 Prozent, während die AfD deutlich abgeschlagen auf Platz zwei lag. Nun führt die AfD zehn Tage vor dem Urnengang in der Sonntagsfrage, während Schwesig bei der persönlichen Bewertung klar vorne liegt.
Der Wahlausgang dürfte deshalb nicht allein darüber entscheiden, welche Partei stärkste Kraft wird. Ebenso entscheidend wird sein, welche kleineren Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden und welche parlamentarischen Mehrheiten daraus entstehen. Rund 1,3 Millionen Wahlberechtigte sind am 20. September zur Abstimmung über den neuen Landtag aufgerufen.
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