
Für viele Haushalte in Deutschland könnten die Energiekosten im kommenden Jahr steigen. Die vorläufigen Netzentgelte 2027 zeigen höhere Gebühren für den Transport von Strom und Gas in zahlreichen Regionen. Ein wesentlicher Grund beim Strom ist der geplante Rückgang des Bundeszuschusses. Allerdings entwickeln sich die Kosten regional sehr unterschiedlich. Während manche Haushalte mehr bezahlen müssen, zeichnen sich andernorts Entlastungen ab.
Die Bundesregierung plant, den Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten im Jahr 2027 auf 5,525 Milliarden Euro zu reduzieren. Im laufenden Jahr stehen dafür noch 6,5 Milliarden Euro bereit. Der staatliche Finanzierungsbeitrag würde damit um 975 Millionen Euro sinken.
Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW haben bereits Anfang Oktober ihre vorläufigen Entgelte veröffentlicht. Demnach steigt das durchschnittliche Netzentgelt auf Höchstspannungs- und Umspannungsebene von 2,86 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2026 auf 3,54 Cent im Jahr 2027. Das entspricht einem Anstieg um knapp 24 Prozent.
Ohne den geplanten Bundeszuschuss würden die Übertragungsnetzentgelte nach Berechnungen der Netzbetreiber sogar auf durchschnittlich 6,52 Cent je Kilowattstunde steigen. Die staatliche Unterstützung begrenzt somit weiterhin die Kosten, fällt allerdings geringer aus als bislang.
Für private Haushalte fällt die Entwicklung deutlich weniger einheitlich aus. Nach einer am 19. Oktober veröffentlichten Auswertung des Vergleichsportals Verivox steigen die Stromnetzentgelte bundesweit im Durchschnitt um 1,9 Prozent. Bei einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden entspricht das rechnerischen Mehrkosten von etwa acht Euro brutto.
Besonders deutlich fällt der Anstieg laut Verivox in Hamburg aus. Dort erhöhen sich die jährlichen Netzgebühren für einen entsprechenden Musterhaushalt um durchschnittlich 52 Euro. Im Saarland liegt der rechnerische Anstieg bei 38 Euro, in Berlin bei 33 Euro.
Anders entwickelt sich die Situation in mehreren anderen Bundesländern. Für Thüringen errechnete Verivox einen durchschnittlichen Rückgang um elf Euro jährlich. Auch in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Brandenburg fallen die vorläufigen Entgelte im Durchschnitt niedriger aus.
Die Berechnung berücksichtigt Stromnetzbetreiber, deren Gebiete zusammen rund 84 Prozent der deutschen Haushalte abdecken.
Noch größere Unterschiede zeigen sich beim Vergleich einzelner Netzgebiete. Eine Untersuchung des Energiedienstleisters Ene’t für den Geldratgeber Finanztip vom 16. Oktober kommt beispielsweise im Gebiet der Überlandzentrale Wörth/Altheim in Bayern auf einen Anstieg der Stromnetzentgelte um 31,9 Prozent.
Für einen Musterhaushalt mit 3.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergibt sich daraus eine rechnerische Mehrbelastung von rund 94 Euro brutto jährlich.
Im Netzgebiet der Stadtwerke Parchim in Mecklenburg-Vorpommern sinken die Gebühren dagegen um 20,4 Prozent. Das entspricht bei demselben Verbrauch einer Entlastung von etwa 69 Euro im Jahr.
Bundesweit errechnet Finanztip nahezu unveränderte durchschnittliche Stromnetzentgelte. Die Abweichung zur Verivox-Auswertung hängt unter anderem mit unterschiedlichen Musterverbräuchen, der Gewichtung und den berücksichtigten Netzgebieten zusammen.
Die regionalen Unterschiede entstehen nicht allein durch den Bundeszuschuss. Entscheidend sind auch die Kosten für Betrieb, Wartung und Ausbau der örtlichen Stromnetze. Hinzu kommen die Entgelte, die regionale Netzbetreiber für die Nutzung vorgelagerter Netze bezahlen müssen.
Seit 2025 gilt zudem eine Neuregelung der Bundesnetzagentur für Regionen, in denen besonders viele Windkraft- und Solaranlagen angeschlossen sind. Ein Teil der dort entstehenden zusätzlichen Netzkosten wird bundesweit verteilt.
Dadurch werden besonders belastete Netzgebiete entlastet. Die Finanzierung erfolgt über einen Aufschlag, der von den Stromverbrauchern in Deutschland getragen wird.
Auch beim Gas zeichnet sich für 2027 eine Erhöhung ab. Nach Berechnungen von Verivox steigen die Gasnetzentgelte bundesweit um durchschnittlich drei Prozent. Für ein Einfamilienhaus mit einem jährlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden ergeben sich daraus rechnerisch rund 19 Euro zusätzliche Kosten.
In Berlin liegt die errechnete Mehrbelastung bei durchschnittlich 38 Euro, in Hamburg bei 35 Euro. In Sachsen und Thüringen sinken die Gebühren dagegen leicht.
In einzelnen Netzgebieten fallen die Veränderungen wesentlich stärker aus. Finanztip errechnete für einen Musterhaushalt mit 15.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch im Gebiet der Stadtwerke Wesel einen Anstieg um rund 145 Euro. Im Gebiet der Stadtwerke Mühlhausen in Thüringen ergibt sich dagegen eine Entlastung um etwa 78 Euro jährlich.
Anders als bei den Stromnetzentgelten steht die Entwicklung der Gasnetzgebühren nicht im Zusammenhang mit dem Bundeszuschuss für die Stromübertragung. Eine Rolle spielen unter anderem die Kosten der Gasinfrastruktur und rückläufige Transportmengen. Mit der von der Bundesnetzagentur beschlossenen Regelung KANU 2.0 können Gasnetzbetreiber außerdem ihre Abschreibungen an die langfristige Umstellung der Energieversorgung anpassen.
Die veröffentlichten Netzentgelte sind zunächst vorläufig. Die Netzbetreiber müssen ihre Gebühren für das Folgejahr jeweils bis Mitte Oktober bekannt geben. Änderungen bis zum Jahreswechsel sind weiterhin möglich.
Zudem fehlt für den geplanten Bundeszuschuss noch die abschließende gesetzliche Grundlage. Der Bundestag hat den Gesetzentwurf am 8. Oktober 2026 in erster Lesung beraten und anschließend an den Wirtschaftsausschuss überwiesen. Die Übertragungsnetzbetreiber haben darauf hingewiesen, dass die endgültigen Entgelte höher ausfallen könnten, sollte bis zum 7. Dezember keine Rechtssicherheit bestehen.
Für Verbraucher bedeuten höhere Netzentgelte nicht automatisch einen Strompreisanstieg in gleicher Höhe. Netzgebühren sind lediglich ein Bestandteil des Energiepreises. Hinzu kommen die Beschaffungskosten, Steuern, Abgaben und weitere Umlagen.
Ob sich die monatlichen Abschläge tatsächlich erhöhen, hängt deshalb vom jeweiligen Energieversorger, dem bestehenden Tarif und dem regionalen Netzgebiet ab. Für Haushalte lohnt sich insbesondere bei angekündigten Preisanpassungen ein Vergleich der verfügbaren Strom- und Gastarife.
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