Nexat verkleinert Strukturen in Deutschland und setzt stärker auf Amerika

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Landtechnikhersteller Nexat richtet sein Geschäft neu aus. Das Unternehmen aus dem niedersächsischen Rieste will seine Aktivitäten in Nord- und Südamerika ausbauen und gleichzeitig die Kapazitäten in Deutschland anpassen. Besonders Brasilien und Kanada sollen künftig eine größere Rolle spielen. Wie viele Arbeitsplätze in Deutschland von der Neuordnung betroffen sind, wurde zunächst nicht beziffert.

Die Veränderung betrifft nicht nur die regionale Ausrichtung. Nexat will sein Geschäftsmodell zugleich breiter aufstellen und Maschinen neben dem klassischen Verkauf verstärkt über Mietmodelle und Dienstleistungen anbieten. Damit reagiert der Hersteller auf ein schwieriges Marktumfeld und will seine Ressourcen stärker auf Anwendungen und Regionen konzentrieren, in denen das Unternehmen besonders gute Absatzmöglichkeiten sieht.

Nexat will Kapazitäten in Deutschland anpassen

Geschäftsführer Welf von Plato kündigte eine Anpassung der Kostenstruktur und eine schlankere Organisation an. Parallel sollen dezentrale Teams in Nordamerika und Südamerika aufgebaut beziehungsweise erweitert werden. Die Kapazitäten in Deutschland sollen entsprechend angepasst werden.

Damit sind auch Personalveränderungen verbunden. Eine konkrete Zahl der betroffenen Stellen wurde zunächst nicht veröffentlicht. Ebenso blieb offen, welche Unternehmensbereiche am Hauptstandort Rieste in welchem Umfang betroffen sind und über welchen Zeitraum die Anpassungen umgesetzt werden sollen.

Nexat beschreibt den Standort Rieste weiterhin als Hauptsitz des Unternehmens. Auf seiner Internetseite gibt der Hersteller die Größe seines Teams mit rund 150 Beschäftigten an. Gleichzeitig sucht das Unternehmen weiterhin für einzelne Aufgaben Mitarbeiter und ermöglicht auch Initiativbewerbungen. Daraus lässt sich nicht ableiten, wie groß der Personalabbau insgesamt ausfallen wird.

Die Formulierung, die Organisation solle verschlankt werden und die Veränderungen sollten möglichst im Einvernehmen mit den Beschäftigten erfolgen, deutet darauf hin, dass Nexat einen abgestimmten Personalumbau anstrebt. Angaben zu möglichen betriebsbedingten Kündigungen, Abfindungsprogrammen oder einer festgelegten Zielgröße lagen zunächst nicht vor.

Brasilien und Kanada werden wichtiger

Die internationale Ausrichtung von Nexat ist bereits seit mehreren Jahren Teil der Unternehmensstrategie. Nun setzt der Hersteller deutlichere regionale Schwerpunkte. Neben dem europäischen Geschäft nennt das Unternehmen insbesondere Brasilien und Kanada als wichtige Märkte.

In Brasilien verfügt Nexat bereits über eine eigene Organisation. Auch für Nordamerika weist das Unternehmen eigene Ansprechpartner für Vertrieb und Service aus. In Kanada sind inzwischen erste Maschinen des Herstellers im praktischen Einsatz. Nexat hatte das System im Sommer unter anderem bei der Landtechnikmesse Ag in Motion in Saskatchewan präsentiert.

Die Bedingungen in Ländern mit großen landwirtschaftlichen Flächen passen zum Konzept des Herstellers. Nexat entwickelt ein Trägerfahrzeug, das für verschiedene Arbeitsschritte eingesetzt werden kann. Je nach Modul übernimmt dieselbe Grundmaschine beispielsweise Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflanzenschutz oder Ernte. Das Unternehmen verspricht sich davon eine hohe Auslastung des Fahrzeugs und niedrigere Kosten je bearbeiteter Fläche.

Neue Maschinen für große Ackerflächen

Mit der neuen Marktstrategie passt Nexat auch sein Produktangebot stärker an die Anforderungen großer landwirtschaftlicher Betriebe an. Für Kanada entwickelt der Hersteller unter anderem eine Drillmaschine mit einer Arbeitsbreite von 28 Metern. Bereits zuvor hatte Nexat für den brasilianischen Markt eine Einzelkornsämaschine in dieser Größenordnung vorgestellt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Erntesystem Nexco. Nexat will dessen Einsatzmöglichkeiten erweitern und das System auch stärker für Betriebe anbieten, die nicht nach einem festen Controlled-Traffic-Farming-System arbeiten. Dabei werden landwirtschaftliche Flächen normalerweise nach dauerhaft festgelegten Fahrspuren bewirtschaftet, um Bodenverdichtungen auf einen möglichst kleinen Teil des Feldes zu begrenzen.

Mit der Öffnung für andere Bewirtschaftungsformen vergrößert Nexat den möglichen Kundenkreis. Gleichzeitig soll die Kombination aus großflächiger Aussaat und Erntetechnik stärker in den Mittelpunkt des Angebots rücken.

Geschäftsmodell wird um Miete und Dienstleistungen erweitert

Auch beim Vertrieb verändert Nexat seinen Ansatz. Bislang stand vor allem der Verkauf des kompletten Maschinensystems im Mittelpunkt. Künftig sollen ergänzend Mietangebote und Dienstleistungen hinzukommen. Landwirtschaftliche Betriebe könnten die Technik damit nutzen, ohne zwingend das vollständige System kaufen zu müssen.

Gerade bei großen und vergleichsweise teuren Landmaschinen kann ein solches Modell die Einstiegshürde für Kunden senken. Welche Mietmodelle Nexat konkret anbietet, welche Laufzeiten vorgesehen sind und in welchen Ländern die Angebote zuerst verfügbar werden, wurde zunächst nicht näher erläutert.

Die Neuausrichtung folgt auf eine Phase, in der Nexat seine internationale Expansion bereits vorbereitet hatte. Ende 2025 teilte das Unternehmen mit, dass der Gesellschafter EW Group sein finanzielles Engagement ausgeweitet habe. Damals wurden Internationalisierung, Automatisierung und der Übergang zur Serienproduktion als zentrale Ziele genannt. Anfang 2026 übernahm Welf von Plato gemeinsam mit Felix Kalverkamp die Geschäftsführung.

Deutschland bleibt Unternehmenssitz

Trotz des stärkeren Fokus auf Brasilien und Kanada gibt es bislang keinen Hinweis auf einen vollständigen Rückzug aus Deutschland oder Europa. Nexat führt Rieste weiterhin als Hauptstandort und nennt Europa neben Nordamerika und Südamerika als wichtigen Absatzraum.

Die neue Strategie verschiebt jedoch den Schwerpunkt. Während im Ausland regionale Teams wachsen sollen, werden die Kapazitäten in Deutschland reduziert beziehungsweise neu zugeschnitten. Damit verbindet Nexat eine internationale Expansion mit Kostensenkungen am Heimatstandort.

Wie groß die Veränderungen für die Beschäftigten tatsächlich werden, hängt damit von den noch nicht veröffentlichten Details der Personalplanung ab. Bestätigt ist bislang vor allem die Richtung: Nexat will seine Organisation verkleinern, das Geschäftsmodell flexibler machen und mehr Ressourcen auf große Agrarmärkte wie Brasilien und Kanada konzentrieren.

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