Nike baut Konzern um und verschärft seinen Sparkurs

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der US Sportartikelkonzern Nike reagiert auf weiter rückläufige Geschäfte mit einem umfassenderen Umbau. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 sank der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 11,21 Milliarden US Dollar. Gleichzeitig kündigte Nike ein neues Betriebsmodell mit dem Namen „Pace“ an, das bis zum Geschäftsjahr 2031 Einsparungen von insgesamt rund 2,5 Milliarden Dollar ermöglichen soll. Auch weitere Stellen sollen entfallen. Wie viele Beschäftigte betroffen sein werden, steht nach Unternehmensangaben noch nicht fest. Die Nike Quartalszahlen zeigen zugleich deutliche regionale Unterschiede. Besonders schwach entwickelte sich das Geschäft in China.

Nike-Umsatz sinkt auf 11,2 Milliarden Dollar

Nike erzielte in den drei Monaten bis Ende August einen Umsatz von 11,213 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 11,720 Milliarden Dollar gewesen. Währungsbereinigt lag der Rückgang bei fünf Prozent. Der Nettogewinn verringerte sich um zwei Prozent von 727 auf 712 Millionen Dollar. Der verwässerte Gewinn je Aktie sank geringfügig von 49 auf 48 US Cent.

Bei der Profitabilität gab es dagegen eine Verbesserung. Die Bruttomarge stieg von 42,2 auf 42,8 Prozent. Gleichzeitig gingen die Vertriebs- und Verwaltungskosten um drei Prozent auf 3,91 Milliarden Dollar zurück. Nike führte die bessere Marge unter anderem auf niedrigere Kosten in Lagerhaltung und Logistik zurück.

Die Entwicklung verlief regional sehr unterschiedlich. In Nordamerika stiegen die Erlöse der Marke Nike um zwei Prozent auf gut 5,1 Milliarden Dollar. In Europa, dem Nahen Osten und Afrika gingen sie dagegen um fünf Prozent auf knapp 3,18 Milliarden Dollar zurück.

China bleibt Nikes größtes Problemfeld

Besonders deutlich fiel der Rückgang in Greater China aus. Dort erzielte Nike im Quartal rund 1,18 Milliarden Dollar Umsatz, nach etwa 1,51 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Minus von 22 Prozent. Ohne Wechselkurseffekte lag der Rückgang sogar bei 26 Prozent. Das operative Ergebnis der Region sank um 34 Prozent auf 248 Millionen Dollar.

Damit hält die Schwäche auf einem für Nike bedeutenden Markt an. Nach Berechnungen von Reuters gingen die Umsätze in China inzwischen neun Quartale in Folge zurück. Der Markt steht für rund 15 Prozent des Jahresumsatzes und ist nach Nordamerika sowie Europa, Nahost und Afrika die drittgrößte Region des Konzerns.

Nike will sein Geschäft dort neu ausrichten. Konzernchef Elliott Hill erklärte bei der Vorstellung der Zahlen, dass insbesondere Nike Sportswear, die Jordan Brand und Greater China weiter unter Druck stünden. Unter anderem soll die Zahl bestimmter Retro Modelle der Jordan Marke reduziert werden. Zugleich verändert Nike seine Vertriebsstruktur in China.

Sparprogramm soll 2,5 Milliarden Dollar bringen

Mit dem Programm „Pace“ will Nike seine Organisation stärker umbauen. Bis zum Geschäftsjahr 2031 erwartet der Konzern kumulierte Einsparungen von rund 2,5 Milliarden Dollar. Dem stehen voraussichtlich Vorsteuerbelastungen von etwa einer Milliarde Dollar gegenüber. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf personalbezogene Kosten. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 rechnet Nike mit Restrukturierungsaufwendungen von rund 300 Millionen Dollar.

Das Programm umfasst auch weitere Stellenstreichungen. Eine konkrete Zahl nannte Nike zunächst nicht. Die Entscheidungen über betroffene Positionen sollen ab dem Kalenderjahr 2027 beginnen. Der größte Teil der geplanten Einsparungen soll nach Unternehmensangaben erst in den Geschäftsjahren 2029 und 2030 wirksam werden.

Zudem wird die regionale Organisation verändert. Statt bislang vier geografischer Einheiten will Nike künftig mit drei Regionen arbeiten: Americas, EMEA sowie Asia Pacific and Greater China. Außerdem plant der Konzern einen neuen Standort in Indien.

Direktgeschäft verliert stärker als Großhandel

Die Quartalszahlen zeigen auch Veränderungen bei den Vertriebskanälen. Der Umsatz der Marke Nike mit Großhandelskunden sank lediglich um ein Prozent auf rund 6,8 Milliarden Dollar. Das Direktgeschäft von Nike ging dagegen um acht Prozent auf rund 4,14 Milliarden Dollar zurück. Währungsbereinigt lag das Minus dort bei neun Prozent.

In Nordamerika stiegen die Umsätze mit Großhandelspartnern sogar um neun Prozent, während das Direktgeschäft um sechs Prozent zurückging. Nike hatte in früheren Jahren stärker auf eigene Läden und digitale Direktverkäufe gesetzt und die Zusammenarbeit mit einigen Händlern zurückgefahren. Unter Konzernchef Hill arbeitet das Unternehmen wieder daran, den Großhandel stärker einzubeziehen.

Auch die Tochtermarke Converse entwickelte sich schwach. Ihre Erlöse gingen gegenüber dem Vorjahresquartal um 28 Prozent von 366 auf 263 Millionen Dollar zurück.

Nike erwartet deutlich weniger Umsatz im Gesamtjahr

Für das bis Mai 2027 laufende Geschäftsjahr erwartet Nike inzwischen einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich. Das ist deutlich schwächer als die zuvor am Markt erwartete Entwicklung. Von Reuters zusammengetragene Analystenschätzungen hatten im Durchschnitt lediglich einen Rückgang von rund zwei Prozent vorgesehen.

Beim bereinigten Gewinn je Aktie stellt Nike für das Geschäftsjahr 2027 noch 1,15 bis 1,35 Dollar in Aussicht. Darin sind rund 15 Cent je Aktie an erwarteten Belastungen aus dem neuen Restrukturierungsprogramm nicht enthalten.

An der Börse sorgten vor allem der schwache Ausblick und die anhaltenden Probleme in China für eine negative Reaktion. Die Nike Aktie verlor nach Veröffentlichung der Zahlen im erweiterten US Handel zeitweise rund 8,5 Prozent. Damit machten Anleger deutlich, dass die Fortschritte bei Marge und Kostendisziplin die Sorgen über die weitere Umsatzentwicklung zunächst nicht ausgleichen konnten.

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