Nordea meldet weniger Gewinn und setzt Aktienrückkäufe aus

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die skandinavische Großbank Nordea hat im dritten Quartal 2026 weniger verdient als ein Jahr zuvor. Der Nettogewinn sank um vier Prozent auf 1,18 Milliarden Euro. Gleichzeitig setzt das Geldhaus weitere Aktienrückkäufe vorläufig aus. Hintergrund ist eine laufende Prüfung neuer Kapitalmodelle durch die Europäische Zentralbank (EZB). Trotz höherer Erträge belasteten die Entwicklung an den Zinsmärkten und gestiegene Kreditrisikovorsorgen das Quartalsergebnis.

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Nordea Quartalszahlen zeigen rückläufigen Gewinn

Wie Nordea am Donnerstag, 15. Oktober 2026, mitteilte, ging der Nettogewinn von 1,228 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 1,181 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis sank ebenfalls um vier Prozent auf 1,541 Milliarden Euro. Analysten hatten für das operative Ergebnis laut Reuters auf Grundlage von LSEG-Daten durchschnittlich mit rund 1,63 Milliarden Euro gerechnet. Ein anderer Analystenkonsens von Bloomberg, den Finwire veröffentlichte, lag bei 1,572 Milliarden Euro. Gemessen an dieser Erwartung fiel das operative Ergebnis rund zwei Prozent niedriger aus.

Die gesamten Betriebserträge stiegen dagegen um zwei Prozent auf knapp 2,97 Milliarden Euro. Besonders das Geschäft mit Gebühren und Provisionen entwickelte sich positiv. Die entsprechenden Einnahmen legten um neun Prozent auf 880 Millionen Euro zu. Dazu trug insbesondere die höhere Nachfrage nach Spar- und Anlageprodukten bei.

Das verwaltete Kundenvermögen erreichte mit rund 509 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Wachstum von 13 Prozent.

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Schwächere Zinsmargen und Turbulenzen an den Anleihemärkten

Im klassischen Zinsgeschäft erzielte Nordea einen Nettozinsertrag von knapp 1,80 Milliarden Euro. Das waren ein Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Allerdings gerieten die Margen im Kreditgeschäft unter Druck. Die Nettozinsmarge verringerte sich von 1,59 auf 1,53 Prozent.

Deutlich schwächer entwickelte sich das Ergebnis aus Finanzinstrumenten, die zum aktuellen Marktwert bewertet werden. Es sank um 19 Prozent auf 198 Millionen Euro. Nordea führte dies insbesondere auf außergewöhnlich starke Zinsschwankungen gegen Ende des Quartals zurück. Die Bank blieb zwar im Anleihegeschäft aktiv, konnte sich den Auswirkungen der veränderten Marktbedingungen auf die Bewertungsergebnisse aber nicht entziehen.

Auch die Kreditrisikovorsorge belastete das Ergebnis. Die Nettoverluste aus dem Kreditgeschäft einschließlich vergleichbarer Positionen lagen bei 74 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Nordea in dieser Position noch einen positiven Saldo von 19 Millionen Euro ausgewiesen. Die aktuellen Belastungen konzentrierten sich nach Unternehmensangaben auf wenige Firmenkunden.

EZB-Prüfung führt zur Pause bei Aktienrückkäufen

Eine weitere wichtige Entwicklung betrifft die Kapitalplanung. Nordea setzt zusätzliche Aktienrückkäufe vorerst aus, bis die Auswirkungen einer laufenden aufsichtsrechtlichen Prüfung geklärt sind.

Die Bank hatte 2025 bei der EZB die Genehmigung neuer interner Risikomodelle für Kreditportfolios außerhalb des Privatkundengeschäfts beantragt. Diese Modelle beeinflussen, mit welchem Risiko Kredite regulatorisch gewichtet werden und wie viel Eigenkapital die Bank dafür vorhalten muss.

Nach Angaben von Nordea deuteten die jüngsten Gespräche mit der EZB darauf hin, dass die neuen Modelle vorsichtigere Risikobewertungen enthalten müssen. Dadurch könnte die regulatorische Risikosumme steigen. Das würde sich auf die Berechnung der Kapitalquoten und den Spielraum für Ausschüttungen auswirken.

Mit einer aufsichtsrechtlichen Entscheidung in dieser Angelegenheit rechnet Nordea nicht vor 2027. Bis zur Klärung pausieren die Aktienrückkäufe. Nach ausdrücklicher Darstellung der Bank bedeutet die mögliche Veränderung der Risikogewichtung keine Verschlechterung der tatsächlichen Kreditqualität der betroffenen Portfolios.

Nordea-Aktie gerät vorbörslich unter Druck

An den Finanzmärkten sorgten die Quartalszahlen und die angekündigte Rückkaufpause zunächst für eine negative Reaktion.

Laut der Kursanzeige von MarketScreener lag die Nordea-Aktie am 15. Oktober 2026 gegen 8.45 Uhr deutscher Zeit im vorbörslichen Handel bei 16,28 Euro. Gegenüber dem Vortagesschluss von 16,98 Euro entsprach dies einem Rückgang um rund 4,1 Prozent.

Dabei handelte es sich um eine vorbörsliche Kursindikation und nicht um einen Schlusskurs oder die abschließende Reaktion des regulären Börsenhandels.

Nordea hält an den Jahreszielen fest

Trotz des Gewinnrückgangs bestätigte Nordea seine Prognose für das Gesamtjahr 2026. Die Bank erwartet weiterhin eine Eigenkapitalrendite von mehr als 15 Prozent. Das Verhältnis von Kosten zu Erträgen soll ohne regulatorische Gebühren zwischen 44 und 45 Prozent liegen.

Im dritten Quartal erreichte die Eigenkapitalrendite 15,1 Prozent, nach 15,8 Prozent im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die harte Kernkapitalquote lag Ende September bei 15,8 Prozent und damit 1,9 Prozentpunkte über der zu diesem Zeitpunkt geltenden regulatorischen Mindestanforderung.

Auch die bisherige Dividendenpolitik bleibt bestehen. Nordea sieht grundsätzlich vor, zwischen 60 und 70 Prozent des Jahresgewinns an die Aktionäre auszuschütten. Die Pause bei Aktienrückkäufen bedeutet deshalb nicht automatisch eine Aussetzung der regulären Dividendenzahlungen.

Europäische Banken stehen vor einem schwierigen Zinsumfeld

Die Nordea Quartalszahlen verdeutlichen die unterschiedlichen Auswirkungen steigender Marktzinsen auf Europas Kreditinstitute. Höhere Zinsen können die Erträge aus dem Kreditgeschäft unterstützen. Gleichzeitig können sie die Nachfrage nach Finanzierungen schwächen, den Wettbewerb um Kundeneinlagen verschärfen und die Bewertung von Anleihen beeinflussen.

Nordea ist besonders in Schweden, Finnland, Dänemark und Norwegen aktiv. Konzernchef Frank Vang-Jensen verwies im Quartalsbericht auf die Widerstandsfähigkeit der nordischen Volkswirtschaften, warnte zugleich aber vor möglichen Auswirkungen höherer Zinsen auf das Verbrauchervertrauen.

Für europäische Banken bleibt neben der Zinsentwicklung auch die Kapitalregulierung ein wichtiger Faktor. Der Fall Nordea zeigt, dass selbst bei einer vergleichsweise hohen Eigenkapitalrendite aufsichtsrechtliche Entscheidungen beeinflussen können, in welchem Umfang Institute überschüssiges Kapital an ihre Aktionäre zurückgeben.

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