
Die erneuten Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien haben die Unsicherheit an den internationalen Energiemärkten verstärkt. Am Montag, 12. Oktober 2026, legte der Preis für Rohöl der Sorte Brent nach anfänglichen Verlusten deutlich zu. Ölpreis und Spritpreise bleiben damit auch für Deutschland ein wichtiges Wirtschaftsthema. An den Tankstellen liegen die Preise weiterhin auf hohem Niveau, allerdings unter den Rekordwerten vom September.
Die Nordseesorte Brent verteuerte sich am Montag im Handelsverlauf deutlich. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters kostete ein Barrel mit rund 159 Litern um 17.07 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit 106,76 US-Dollar. Das entsprach einem Anstieg von rund zwei Prozent gegenüber dem vorherigen Handelsschluss.
Zu Handelsbeginn hatten die Ölpreise zunächst nachgegeben. Hoffnungen auf zusätzliche Diesellieferungen aus Russland sorgten zeitweise für Entlastung am Energiemarkt. Später rückten die Sicherheitsrisiken im Nahen Osten wieder stärker in den Vordergrund.
Der internationale Ölhandel reagiert besonders auf mögliche Unterbrechungen wichtiger Transportwege. Neben den Angriffen auf Saudi-Arabien wurden zuletzt weitere Zwischenfälle mit Tankern in der Straße von Hormus und vor der Küste Omans gemeldet.
Am Wochenende war der internationale Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad mehrfach angegriffen worden. Bei einem Angriff am Samstag kamen nach Angaben der saudischen Behörden 13 Menschen ums Leben, mehr als 300 wurden verletzt. Am Sonntag wurde bei einer weiteren Attacke ein Mensch getötet, elf weitere erlitten Verletzungen.
Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz aus dem Jemen bekannte sich zu Angriffen auf saudische Einrichtungen. Auch der Flughafen in Dammam war betroffen. Der Flugverkehr am Flughafen Riad blieb am Montag eingeschränkt beziehungsweise ausgesetzt.
Die Huthis erklärten außerdem, Einrichtungen des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco angegriffen zu haben. Genannt wurden eine Raffinerie und eine Gasanlage. Eine unabhängige Bestätigung über das Ausmaß möglicher Schäden und konkrete Auswirkungen auf die Ölförderung lag zunächst nicht vor.
Saudi-Arabien gehört zu den wichtigsten Ölexporteuren weltweit. Entsprechend können bereits Sorgen über die Sicherheit der Energieinfrastruktur und der Transportwege erhebliche Bewegungen am Rohölmarkt auslösen.
An deutschen Tankstellen sind die Preise trotz einer Entspannung Anfang Oktober weiterhin hoch. Nach einer Auswertung des SWR Data Lab auf Grundlage der Kraftstoffpreisdaten von rund 15.000 Tankstellen lagen die mittleren Preise am Montag, 12. Oktober 2026, um 14 Uhr bei 2,11 Euro für Super E10, 2,17 Euro für Super und 2,23 Euro für Diesel je Liter.
Ein neuer bundesweiter Benzinpreisrekord lässt sich daraus nicht ableiten. Nach Berechnungen des ADAC war der September 2026 der bislang teuerste Tankmonat. Damals kostete Super E10 durchschnittlich 2,266 Euro je Liter, Diesel erreichte 2,386 Euro. Beide Kraftstoffsorten überschritten damit ihre bisherigen monatlichen Höchstwerte.
Seit dem 1. Oktober gilt in Deutschland ein befristeter Tankrabatt. Laut ADAC waren die Kraftstoffpreise dadurch bis zum 7. Oktober deutlich gesunken. Der Automobilclub kritisierte allerdings, dass die steuerliche Entlastung insbesondere beim Benzin noch nicht vollständig bei den Verbrauchern angekommen sei.
Ob die jüngste Verteuerung des Rohöls erneut zu höheren Tankstellenpreisen führt, hängt auch von Raffineriekosten, Wechselkursen und der Preisentwicklung bei fertigen Kraftstoffen ab. Eine unmittelbare Weitergabe jeder Ölpreisbewegung ist daher nicht zwangsläufig.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer sieht in den hohen Energiekosten erhebliche Risiken für die deutsche Wirtschaft. Bereits am 2. März hatte DIHK-Energieexperte Sebastian Bolay auf die besonderen Belastungen kleiner und mittlerer Unternehmen hingewiesen. Betroffen seien unter anderem Handel, Transport und Logistik.
Die DIHK verweist außerdem auf die Folgen gestörter Lieferketten und teurer Energieimporte. Obwohl Deutschland nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines Rohöls unmittelbar aus dem Nahen Osten bezieht, wirken sich internationale Preissteigerungen auch auf hiesige Unternehmen aus. Nach DIHK-Angaben stammten 2025 lediglich 6,1 Prozent der deutschen Rohölimporte aus dieser Region.
Eine kurzfristige physische Versorgungsknappheit in Deutschland erwartet der Verband deshalb nicht. Das wirtschaftliche Risiko liegt insbesondere bei steigenden Preisen und zusätzlichen Transportkosten.
Auch Marktanalysten beobachten die Lage im Nahen Osten aufmerksam. Der Rohstoffanalyst Bjarne Schieldrop von SEB verwies auf die erneute Unsicherheit bei Ölexporten durch die Straße von Hormus. Die jüngsten Angriffe hätten die zuvor entstandene Erwartung einer Normalisierung der Transporte belastet.
Die US-Investmentbank Goldman Sachs schätzt den im Ölpreis enthaltenen geopolitischen Risikoaufschlag auf etwas mehr als 20 US-Dollar je Barrel. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung der Analysten und nicht um einen gesondert messbaren Marktpreis.
Für die weitere Entwicklung sind sowohl die Sicherheitslage im Persischen Golf als auch die verfügbaren Öl- und Kraftstoffmengen entscheidend. Die aktuellen Preisbewegungen zeigen, wie empfindlich der internationale Energiemarkt auf neue militärische Auseinandersetzungen reagiert.
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