OHB-Aktie legt kräftig zu: Was hinter der Erholung steckt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Aktie des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB hat zum Ende der Handelswoche deutlich zugelegt. Auslöser waren vor allem neue Einschätzungen von Deutsche Bank Research und Berenberg. Auf Xetra schloss die OHB-Aktie am Freitag, 25. September 2026, bei 179,00 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs von 170,60 Euro am Donnerstag entsprach das einem Plus von 4,92 Prozent. Das Tageshoch lag bei 184,00 Euro, das Tagestief bei 172,60 Euro. Die Schlusskursdaten stammen von finanzen.net und werden durch historische Kursdaten von Investing.com bestätigt.

Damit erholte sich das Papier etwas von der starken Korrektur der vergangenen Monate. Noch im Mai hatte die OHB-Aktie im Zuge der Begeisterung für Raumfahrt- und Verteidigungswerte ein Rekordhoch von 685 Euro auf Xetra erreicht. Seitdem hat sich der Kurs weit mehr als halbiert.

Deutsche Bank hebt Kursziel für OHB an

Einen konkreten Impuls für den Handel am Freitag lieferte Deutsche Bank Research. Analyst Sriram Krishnan erhöhte das Kursziel für OHB von 275 auf 300 Euro und bestätigte seine Einstufung mit „Buy“. Die Einschätzung wurde am 25. September um 8.15 Uhr erstmals weitergegeben. Als Begründung verwies der Analyst nach einer Roadshow auf die aus seiner Sicht unterschätzte Wachstumsdynamik und das mittelfristige Auftragspotenzial des Raumfahrtkonzerns.

Auch Berenberg veröffentlichte eine positive Einschätzung. Die Privatbank bestätigte am 25. September ihr „Buy“-Rating und ein Kursziel von 358 Euro. Analyst Chris Armstrong führte OHB gemeinsam mit Rheinmetall und Renk unter seinen bevorzugten Werten aus dem Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungssektor. Kursziele von Analysten sind Einschätzungen und keine verlässlichen Prognosen für die tatsächliche Kursentwicklung.

Bereits am Vortag hatte OHB zudem eine Zusammenarbeit seiner schwedischen Tochter mit dem Rüstungskonzern Saab angekündigt. OHB Sweden und Saab unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Kooperation bei weltraumgestützten Verteidigungsfähigkeiten. Dabei geht es unter anderem um Satellitentechnik für Lagebilder, sichere Kommunikation und Konnektivität. Finanzielle Eckdaten oder konkrete Auftragsvolumina wurden mit der Vereinbarung nicht veröffentlicht.

Vom Rekordhoch bei 685 Euro folgte die massive Korrektur

Die jüngste Erholung steht einer außergewöhnlich volatilen Kursentwicklung gegenüber. Im Mai hatte die Aktie zeitweise 685 Euro erreicht. Ein wesentlicher Hintergrund war damals das stark gestiegene Interesse an europäischen Raumfahrtunternehmen. Hinzu kamen Projekte von OHB im Bereich militärischer und sicherheitsrelevanter Satellitentechnik sowie die damalige Aufmerksamkeit rund um den Börsengang des US-Raumfahrtkonzerns SpaceX.

Nach dem SpaceX-Börsengang setzte bei mehreren Raumfahrtwerten eine deutliche Korrektur ein. Auch OHB verlor einen großen Teil der zuvor erzielten Kursgewinne. Am 31. August lag der Xetra-Schlusskurs noch bei 201,50 Euro, am 1. September bei 184,00 Euro. Anfang September stabilisierte sich die Aktie zeitweise im Bereich zwischen rund 175 und 190 Euro. Am 24. September schloss sie bei 170,60 Euro, bevor am Freitag die Gegenbewegung auf 179,00 Euro folgte.

Die hohen Schwankungen müssen auch vor dem Hintergrund der Aktionärsstruktur und der Veränderungen beim Streubesitz gesehen werden.

KKR verkaufte im Juni einen Teil seiner OHB-Aktien

Eine zentrale Kapitalmarkttransaktion fand bereits im Juni statt. OHB beschloss damals eine Kapitalerhöhung mit bis zu 1.702.480 neuen Aktien. Der Bezugspreis wurde auf 300 Euro je Aktie festgesetzt. Parallel wollte die von KKR kontrollierte Beteiligungsgesellschaft Orchid Lux HoldCo bestehende OHB-Aktien an institutionelle Investoren abgeben.

Die Privatplatzierung wurde anschließend erfolgreich abgeschlossen. Insgesamt wurden 1.605.388 neue OHB-Aktien und 1.394.612 bestehende Aktien aus dem KKR-Bestand einschließlich Mehrzuteilungsaktien zu jeweils 300 Euro platziert. Das Volumen der Privatplatzierung lag bei 900 Millionen Euro. OHB selbst erhielt aus der Ausgabe der neuen Aktien Bruttoerlöse von rund 482 Millionen Euro. Aufgrund der Nachfrage wurde das Angebot bestehender KKR-Aktien während der Transaktion noch ausgeweitet.

Damit erhöhte sich zugleich der frei handelbare Anteil der OHB-Aktien deutlich. Die Familie Fuchs blieb Mehrheitsaktionärin mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent, während KKR nach der Transaktion knapp 20 Prozent halten sollte.

Die Kapitalmaßnahme fiel in eine Phase, in der Anleger Raumfahrtunternehmen nach dem vielbeachteten SpaceX-Börsengang neu bewerteten. Reuters hatte bereits im Juni darauf hingewiesen, dass das Interesse an Raumfahrtaktien durch den Börsengang des US-Konzerns erheblich zugenommen hatte.

OHB-Auftragsbestand liegt bei mehr als drei Milliarden Euro

Operativ meldete OHB zuletzt Wachstum. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Gesamtleistung bei 627,9 Millionen Euro und damit 11 Prozent über dem Vorjahreswert von 563,5 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse lagen bei 600,1 Millionen Euro nach 537,0 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Das bereinigte EBITDA erhöhte sich von 45,9 Millionen auf 60,4 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT lag bei 38,9 Millionen Euro nach 26,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025. Der Auftragsbestand erreichte zum Ende des Halbjahres 3,304 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr bestätigte der Vorstand im August seine Prognose einer Gesamtleistung von rund 1,4 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge soll nach Unternehmensplanung zwischen 10,5 und 11,0 Prozent liegen. Diese Angaben sind Unternehmensprognosen und keine bereits realisierten Ergebnisse.

Zusätzliche Sichtbarkeit erhielt OHB zuletzt an der Börse. Im August wurde das Unternehmen erstmals in den SDAX aufgenommen. Seit dem 21. September gehört OHB auch zum TecDAX und ersetzte dort Cancom.

Milliardenauftrag für europäisches Satellitennetz

Auch auf der Auftragsseite gab es zuletzt größere Projekte. Ende August meldete OHB einen Vertrag mit dem Satellitenbetreiber SES im Wert von knapp einer Milliarde Euro. Der Konzern soll 18 Satellitenplattformen für das europäische Satellitenkommunikationssystem IRIS² entwickeln und bauen.

Damit trifft eine wachsende operative Geschäftsbasis auf eine weiterhin außergewöhnliche Börsengeschichte. Trotz der Erholung vom Freitag notiert die OHB-Aktie weiterhin deutlich unter ihrem Rekordniveau aus dem Mai und auch unter dem Platzierungspreis von 300 Euro aus der Kapitalmaßnahme im Juni. Der Kursverlauf zeigt damit, wie stark sich Bewertungen im Raumfahrtsektor innerhalb weniger Monate verändern können.

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