Oracle sichert sich bei riesigem KI-Rechenzentrum gegen Verzögerungen ab

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der US-Softwarekonzern Oracle hat bei dem milliardenschweren KI-Rechenzentrumsprojekt Project Jupiter in New Mexico einen sogenannten Force-Majeure-Hinweis an eine Einheit des Vermögensverwalters Blue Owl geschickt. Damit will sich Oracle für den Fall absichern, dass sich die Inbetriebnahme des Rechenzentrums wegen Problemen bei der Energieversorgung verzögert. Die Oracle-Aktie verlor am Donnerstag 3,47 Prozent. Auch die SoftBank-Aktie gab am Freitag in Tokio nach.

Oracle beruft sich auf höhere Gewalt

Nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person gegenüber Reuters bezieht sich der Force-Majeure-Hinweis auf mögliche Verzögerungen bei der Sicherung der Energieversorgung für Project Jupiter. Die Stromversorgung des Standorts liegt demnach vertraglich in der Verantwortung Oracles. Der Schritt soll dem Unternehmen zusätzlichen Schutz geben, falls sich das Projekt verzögert.

Ein Ausstieg Oracles aus dem Projekt ist damit nicht verbunden. Bloomberg berichtete ebenfalls, dass Oracle nicht beabsichtige, seine Rolle als Hauptmieter aufzugeben. Vielmehr gehe es darum, Zahlungsverpflichtungen aufzuschieben, falls der Standort nicht wie geplant 2028 betriebsbereit sein sollte. Ob und in welchem Umfang sich Oracle tatsächlich auf die entsprechende Vertragsklausel berufen kann, hängt von den Vereinbarungen zwischen den Beteiligten ab.

Oracle selbst äußerte sich nicht im Detail zu dem Force-Majeure-Hinweis. Das Unternehmen erklärte jedoch, Project Jupiter liege weiterhin im vorgesehenen Zeitplan. Oracle sei dem Standort New Mexico vollständig verpflichtet und sehe einen klaren Weg zur Umsetzung. Blue Owl erklärte gegenüber CNBC, der Hinweis ändere nichts an den finanziellen Verpflichtungen für das mehrjährige Projekt.

Energieversorgung wird zum zentralen Problem

Project Jupiter entsteht im Doña Ana County im Süden von New Mexico. Oracle bezeichnet sich selbst als Mieter des geplanten KI-Rechenzentrumscampus. Das Unternehmen hat die Energieplanung für den Standort in diesem Jahr grundlegend verändert. Statt der ursprünglich vorgesehenen Gasturbinen sollen inzwischen Brennstoffzellen von Bloom Energy eingesetzt werden.

Für die Versorgung dieser Anlagen mit Erdgas ist unter anderem eine Pipeline vorgesehen. Deren geplante Inbetriebnahme wurde nach wiederholten Problemen bei der Genehmigung um mehrere Monate auf Februar 2027 verschoben. Gleichzeitig läuft weiterhin ein Genehmigungsverfahren für die Energieanlagen des Campus.

Oracle betonte noch Mitte September, dass der eigentliche Rechenzentrumscampus und die geplante Energieanlage rechtlich und genehmigungstechnisch getrennte Projekte seien. Die Bauarbeiten am Campus könnten demnach unabhängig vom Verfahren um die Luftreinhaltegenehmigung für die Energieversorgung fortgesetzt werden.

Oracle-Aktie verliert mehr als drei Prozent

An der Wall Street reagierten Anleger mit Verkäufen. Die Oracle-Aktie schloss am Donnerstag bei 139,54 Dollar und damit 3,47 Prozent unter dem Vortageskurs. Im Handelsverlauf war der Kurs zeitweise noch deutlicher gefallen.

Die Reaktion trifft Oracle in einer Phase, in der Investoren die hohen Finanzierungskosten des weltweiten KI-Infrastrukturausbaus genauer beobachten. Bereits vor der aktuellen Entwicklung standen Kredite im Umfang von rund 18 Milliarden Dollar im Fokus, die mit Project Jupiter verbunden sind. Nach einem Bericht der Financial Times wurden Teile dieser Kredite zuletzt mit deutlichem Abschlag gehandelt. Reuters bestätigte die Eckdaten des Berichts.

Der Force-Majeure-Hinweis bedeutet allerdings nicht, dass die Finanzierung ausgefallen ist oder das Projekt eingestellt wurde. Oracle hält ausdrücklich am vorgesehenen Zeitplan fest.

Auch SoftBank gerät an der Börse unter Druck

Die Sorgen griffen am Freitag auf SoftBank über. Die Aktie des japanischen Technologieinvestors verlor zeitweise rund drei Prozent. SoftBank ist nicht unmittelbar an Project Jupiter beteiligt, gehört aber zusammen mit OpenAI und Oracle zu den zentralen Partnern der übergeordneten Stargate-Initiative.

SoftBank steht zugleich wegen seiner umfangreichen KI-Investitionen selbst im Fokus. Der Konzern hat in dieser Woche Anleihen im Volumen von 11,1 Milliarden Dollar platziert. Ein wesentlicher Teil der Mittel soll zur Finanzierung einer weiteren milliardenschweren Beteiligung an OpenAI verwendet werden.

Der Rückgang der SoftBank-Aktie lässt sich daher nicht allein auf Project Jupiter zurückführen. Investoren bewerten gleichzeitig die wachsende Verschuldung des Konzerns und den hohen Kapitalbedarf seiner KI-Strategie neu.

Project Jupiter gehört zum Stargate-Ausbau

Project Jupiter ist Teil des groß angelegten Ausbaus von KI-Rechenzentren in den USA. OpenAI und SoftBank hatten Stargate Anfang 2025 gemeinsam mit Oracle und dem Investor MGX vorgestellt. Das Vorhaben sieht Investitionen von bis zu 500 Milliarden Dollar in neue KI-Infrastruktur in den Vereinigten Staaten vor. SoftBank trägt dabei nach Angaben von OpenAI die finanzielle Hauptverantwortung, während OpenAI für die operative Führung zuständig ist.

OpenAI und Oracle vereinbarten später zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten von 4,5 Gigawatt. Damit sollen unter anderem die enormen Rechenleistungen für Training und Betrieb neuer KI-Modelle bereitgestellt werden.

Die Entwicklung in New Mexico verdeutlicht dabei ein grundlegendes Problem des schnellen KI-Ausbaus: Neben Kapital und Hochleistungschips werden enorme Mengen an Strom sowie zusätzliche Energieinfrastruktur benötigt. Verzögerungen bei Leitungen, Genehmigungen oder Kraftwerkskapazitäten können dadurch unmittelbar Auswirkungen auf Zeitpläne und Finanzierung großer Rechenzentren haben.

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