
Der US-Datenanalysespezialist Palantir wächst weiter mit außergewöhnlich hohem Tempo. Im dritten Quartal 2026 legten die Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 96 Prozent zu. Gleichzeitig erhöhte das Unternehmen seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr. Dennoch reagierten Anleger zunächst zurückhaltend. Die Aktie verlor nach Veröffentlichung der Zahlen im erweiterten US-Handel an Wert.
Die am Montagabend, 2. November 2026, veröffentlichten Quartalszahlen von Palantir verdeutlichen, wie stark insbesondere das Geschäft mit amerikanischen Unternehmenskunden inzwischen gewachsen ist. Erstmals übertrafen die Umsätze mit diesen Kunden die Einnahmen aus Verträgen mit US-Regierungsbehörden.
Im Zeitraum von Juli bis September 2026 erzielte Palantir einen Umsatz von rund 2,31 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,18 Milliarden Dollar gewesen. Gegenüber dem zweiten Quartal 2026 stiegen die Erlöse um weitere 20 Prozent.
Auch die Profitabilität verbesserte sich deutlich. Der den Stammaktionären zurechenbare Nettogewinn erhöhte sich von rund 476 Millionen auf 1,13 Milliarden Dollar. Das entspricht mehr als einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahresquartal.
Die Nettogewinnmarge erreichte damit rund 49 Prozent. Das operative Ergebnis nach US-Rechnungslegungsstandards lag bei 1,08 Milliarden Dollar. Der um bestimmte Aufwendungen bereinigte operative Gewinn lag nach Unternehmensangaben bei rund 1,43 Milliarden Dollar.
Das Wachstum fiel damit stärker aus als von Analysten erwartet. Nach von Reuters veröffentlichten Konsensschätzungen hatten Marktbeobachter im Durchschnitt mit einem Quartalsumsatz von etwa 2,18 Milliarden Dollar gerechnet.
Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit gewerblichen Kunden in den Vereinigten Staaten. Dort stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 148 Prozent auf 984 Millionen Dollar.
Die Einnahmen aus Verträgen mit amerikanischen Regierungsstellen legten ebenfalls erheblich zu. Sie erreichten 953 Millionen Dollar und lagen damit 96 Prozent über dem Vorjahreswert.
Insgesamt erwirtschaftete Palantir auf dem US-Markt rund 1,94 Milliarden Dollar. Das entsprach einem Anstieg von 119 Prozent. Damit entfiel der überwiegende Teil des weltweiten Geschäfts auf die Vereinigten Staaten.
Für Palantir bedeutet die Entwicklung eine Verschiebung seiner Umsatzstruktur. Das Unternehmen war lange besonders für seine Softwarelösungen im Sicherheits- und Verteidigungsbereich bekannt. Inzwischen gewinnen kommerzielle Anwendungen für die Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen zunehmend an Bedeutung.
Dabei spielt auch die wachsende Nachfrage nach Anwendungen mit künstlicher Intelligenz eine wichtige Rolle. Palantir bietet unter anderem Softwareplattformen an, mit denen Unternehmen eigene Datenbestände für KI-gestützte Arbeitsabläufe nutzen können.
Neben den steigenden Umsätzen veröffentlichte Palantir weitere Kennzahlen zum Neugeschäft. Der Gesamtwert der im dritten Quartal abgeschlossenen Verträge erreichte nach der unternehmenseigenen Berechnung rund 2,92 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einem Plus von sechs Prozent.
Im amerikanischen Unternehmenskundengeschäft belief sich dieser Vertragswert auf rund 1,46 Milliarden Dollar. Das waren elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Die Wachstumsrate fiel damit erheblich niedriger aus als im zweiten Quartal, als Palantir bei dieser Kennzahl noch einen Anstieg von mehr als 153 Prozent ausgewiesen hatte.
Dabei ist der Vertragswert nicht mit bereits erzieltem Umsatz gleichzusetzen. Die Kennzahl umfasst auch mögliche zukünftige Einnahmen aus Vertragsoptionen, deren tatsächliche Nutzung nicht garantiert ist.
Nach dem starken dritten Quartal rechnet Palantir auch für die verbleibenden Monate des Jahres mit hohen Wachstumsraten.
Für das vierte Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 2,649 und 2,653 Milliarden Dollar. Sollte diese Prognose erreicht werden, würden die Erlöse erneut erheblich über dem Vorjahresniveau liegen.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 erhöhte Palantir seine Umsatzprognose auf 8,530 bis 8,534 Milliarden Dollar. Zuvor hatte das Unternehmen mit 8,150 bis 8,158 Milliarden Dollar gerechnet.
Auch die Erwartungen für das amerikanische Unternehmenskundengeschäft wurden angehoben. Hier stellt Palantir nun einen Jahresumsatz von mehr als 3,559 Milliarden Dollar in Aussicht. Das würde einem Wachstum von mindestens 143 Prozent gegenüber 2025 entsprechen.
Die Angaben beruhen auf den Erwartungen des Managements. Ob die prognostizierten Ergebnisse tatsächlich erreicht werden, hängt von der weiteren Geschäftsentwicklung ab.
An der Börse überwogen nach der Veröffentlichung zunächst die Kursverluste.
Die Palantir-Aktie hatte den regulären Nasdaq-Handel am Montag, 2. November 2026, um 16 Uhr New Yorker Zeit bei 178,34 Dollar beendet. Das entsprach einem Tagesverlust von rund 3,1 Prozent.
Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen setzte sich die Abwärtsbewegung zunächst fort. Am Dienstag, 3. November, wurde das Papier laut MarketBeat um 10.17 Uhr mitteleuropäischer Zeit im vorbörslichen Handel mit 167,66 Dollar angegeben. Das waren rund sechs Prozent weniger als zum regulären Handelsschluss am Vortag.
Als einen möglichen Belastungsfaktor bezeichneten Analysten von William Blair laut Reuters das vergleichsweise geringe Wachstum beim Vertragswert neuer US-Unternehmenskunden. Die operative Geschäftsentwicklung und die Erwartungen an künftige Vertragsabschlüsse müssen dabei nicht im gleichen Tempo verlaufen.
Der Kursrückgang unterstreicht die hohen Erwartungen, die Anleger an das weitere Wachstum des Softwareunternehmens knüpfen. Die endgültige Reaktion des regulären US-Aktienmarktes auf die neuen Zahlen stand am Dienstagvormittag deutscher Zeit noch aus.
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