
Die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance entwickelt sich zu einer Grundsatzauseinandersetzung über die Zukunft Hollywoods. Während Paramount nach eigenen Angaben weltweit alle für den Kaufvertrag erforderlichen regulatorischen Freigaben erhalten hat, verhindern Klagen mehrerer US Bundesstaaten und der Drehbuchautorenvereinigung Writers Guild of America bislang den Vollzug. Gleichzeitig warnt eine neue Untersuchung im Auftrag des Los Angeles County vor erheblichen Folgen für den wichtigsten Produktionsstandort der amerikanischen Filmindustrie.
Nach der am 19. August veröffentlichten Analyse könnten während der dreijährigen Zusammenführung der Unternehmen rund 4.500 direkte Film und Fernsehjobs im Los Angeles County gefährdet sein. Die Zahl ist ausdrücklich keine Entlassungsankündigung von Paramount oder Warner Bros. Discovery. Sie beschreibt ein Szenario, das die Wirtschaftsberatung CVL Economics im Auftrag des Countys anhand möglicher Produktionskürzungen, Doppelstrukturen und Standortverlagerungen errechnet hat.
Paramount und Warner Bros. Discovery schlossen ihren endgültigen Übernahmevertrag am 27. Februar 2026. Paramount will sämtliche WBD Aktien für 31 Dollar je Aktie in bar erwerben. Die Transaktion bewertet Warner Bros. Discovery mit rund 81 Milliarden Dollar Eigenkapitalwert und rund 110 Milliarden Dollar Unternehmenswert. Die WBD Aktionäre stimmten dem Geschäft am 23. April zu.
Paramount erklärte am 14. August, inzwischen seien die nach dem Übernahmevertrag erforderlichen regulatorischen Freigaben in insgesamt 68 Ländern erteilt worden. Dazu zählen die Genehmigungen der US Kartellbehörden sowie Freigaben in der Europäischen Union und Großbritannien. Das bedeutet jedoch nicht, dass Paramount Warner Bros. Discovery bereits übernehmen darf.
Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta führt eine Gruppe von insgesamt zwölf Bundesstaaten an, die im Juli vor einem Bundesgericht Klage gegen den Zusammenschluss erhoben hat. Die Kläger argumentieren, dass Paramount und Warner gemeinsam den Wettbewerb bei Kinofilmen und Kabelsendern erheblich einschränken könnten. Nach ihren Berechnungen würde das fusionierte Unternehmen in den USA jeweils annähernd ein Drittel der Kinofilmverteilung und der Programme grundlegender Kabelsender kontrollieren. Das sind Behauptungen der klagenden Bundesstaaten, über deren rechtliche Bewertung das Gericht entscheiden muss.
Paramount und Warner verpflichteten sich anschließend, ihre Geschäfte zunächst nicht zusammenzuführen. Die Vereinbarung gilt bis fünf Tage nach einer gerichtlichen Entscheidung über die Klage beziehungsweise längstens bis zum 1. Juni 2027. Der Prozess ist derzeit für den Zeitraum vom 2. bis 19. März 2027 vorgesehen.
Besonders weitreichend sind die neuen Zahlen aus Los Angeles. CVL Economics geht davon aus, dass innerhalb von drei Jahren bis zu 4.500 direkte Arbeitsplätze bei Film und Fernsehen gefährdet sein könnten. Zusätzlich berechnet die Studie 2.661 sogenannte indirekte Jobjahre bei Zulieferern, darunter Requisitenfirmen, Druckereien und Transportunternehmen. Weitere 3.204 Jobjahre könnten in Wirtschaftsbereichen betroffen sein, die von den Ausgaben der Beschäftigten abhängen. Insgesamt kommt die Untersuchung damit auf 10.360 gefährdete Jobjahre.
Ein Jobjahr entspricht dabei einer Vollzeitstelle für ein Jahr. Deshalb darf die Zahl 10.360 nicht mit 10.360 dauerhaft wegfallenden Arbeitsplätzen gleichgesetzt werden. Das Los Angeles County selbst betont ausdrücklich, dass es sich bei den Berechnungen nicht um eine konkrete Prognose kommender Entlassungen handelt.
Nach dem Modell könnten zugleich rund 1,26 Milliarden Dollar an Löhnen, 2,78 Milliarden Dollar wirtschaftlicher Wertschöpfung und 4,06 Milliarden Dollar an Unternehmensumsätzen gefährdet sein. Die möglichen Steuerausfälle werden auf 547 Millionen Dollar beziffert. Auch diese Werte beruhen auf dem untersuchten Risikoszenario und stehen nicht für bereits eingetretene Schäden.
Die Warnung trifft Los Angeles in einer bereits angespannten Phase. Der County Bericht beziffert den Rückgang der Film und Fernsehbeschäftigung in Kalifornien seit 2022 auf 52.016 Jobs. Nach Angaben des Countys entfielen 99,6 Prozent dieses Rückgangs auf Los Angeles County. Die lokale Produktion an Drehorten sank 2025 nach Daten von FilmLA nochmals um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Streit über Arbeitsplätze hängt eng mit den finanziellen Zielen des Zusammenschlusses zusammen. Paramount erwartet aus der Kombination beider Konzerne Synergien von mehr als sechs Milliarden Dollar. In früheren Unternehmensunterlagen wurde das Ziel als jährliche Einsparwirkung nach vollständiger Integration beschrieben. Als Ansatzpunkte nennt Paramount unter anderem gemeinsame Technologiesysteme, Verwaltung, Beschaffung, Immobilien und weitere betriebliche Doppelstrukturen.
Wie viele Stellen dadurch tatsächlich entfallen würden, hat Paramount nicht beziffert. Das Unternehmen räumte in früheren Unterlagen ein, dass Überschneidungen entstehen könnten, erklärte aber zugleich, Personalabbau sei nicht der Haupttreiber der geplanten Effizienzsteigerungen. Inhaltseinsparungen sollten nach Darstellung des Konzerns weniger als zehn Prozent der gemeinsamen Programmausgaben ausmachen und nicht aus den Film und Fernsehstudios kommen.
Paramount hat vielmehr zugesagt, nach der Übernahme mindestens 30 Kinofilme pro Jahr zu veröffentlichen. Ob diese Zusage auch zu entsprechend mehr Produktionen und Arbeitsplätzen in Los Angeles führt, ist damit allerdings nicht festgelegt. Genau hier setzt ein Teil der Kritik der Gewerkschaften an.
Die Writers Guild of America hat selbst Klage gegen die Übernahme eingereicht. Nach Darstellung der Gewerkschaft würde der Zusammenschluss einen wichtigen Auftraggeber für Drehbuchautoren aus dem Markt nehmen. Sie befürchtet dadurch weniger Aufträge und eine stärkere Verhandlungsmacht des fusionierten Unternehmens gegenüber Autoren. Über diese kartellrechtlichen Vorwürfe ist noch nicht entschieden.
Auch die Schauspielergewerkschaft SAG AFTRA stellte sich im Juli gegen den Zusammenschluss, solange Paramount keine verbindlichen Garantien für ein mindestens gleichbleibendes beziehungsweise wachsendes Produktionsvolumen und einen höheren Anteil von Produktionen in den USA abgibt. Die Gewerkschaft hält bloße Unternehmensankündigungen für nicht ausreichend.
Andere Arbeitnehmervertretungen setzen dagegen stärker auf eine rasche Lösung des Konflikts. Die Directors Guild of America und die Technikergewerkschaft IATSE forderten Bonta und Paramount im August auf, direkt über Bedingungen für eine Einigung zu verhandeln. Falls keine Verständigung möglich sei, solle der Prozess möglichst vorgezogen werden. Die lange Unsicherheit schade ihren Mitgliedern, erklärten die beiden Organisationen.
Auch innerhalb Kaliforniens gibt es unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Weg. Bonta und elf weitere Generalstaatsanwälte wollen die Übernahme gerichtlich stoppen. Das Los Angeles County unterstützt die kartellrechtliche Anfechtung und hat die Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft untersuchen lassen. Supervisor Lindsey Horvath bezeichnete insbesondere die Beschäftigungsrisiken als Bedrohung für eine bereits geschwächte Branche.
Los Angeles Bürgermeisterin Karen Bass drängt dagegen auf eine schnelle Verhandlungslösung. Sie erklärte am 20. August nach Gesprächen mit Vertretern der Filmbranche, ihr Ziel sei der Schutz der Arbeitsplätze, mehr lokale Produktion und der Verbleib Paramounts in Los Angeles. Zugleich stellte sie klar, dass sie keine Vereinbarung unterstützen wolle, die Beschäftigte in der Stadt ihre Jobs kostet.
Auch Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom sprach sich grundsätzlich für einen Vergleich aus, sofern dabei eine für den Bundesstaat gute Vereinbarung erreicht werde. Damit wächst der politische Druck, die kartellrechtlichen Bedenken durch konkrete Auflagen zu lösen statt die Entscheidung vollständig einem langwierigen Gerichtsverfahren zu überlassen.
Ein für Montag, den 24. August, vorgesehenes Gespräch zwischen Bontas Büro und Paramount kam zunächst nicht zustande. Bonta erklärte in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme, Paramount habe Inhalte vorheriger Gespräche nach seiner Darstellung nach außen gegeben und falsch wiedergegeben. Paramount hatte darauf zunächst nicht öffentlich reagiert. Eine Einigung war damit am Montagmittag nicht absehbar.
Der Konflikt reicht über Los Angeles hinaus. Durch die Übernahme würden zwei der traditionsreichsten Hollywood Studios sowie große Streaming, Nachrichten und Kabelgeschäfte unter einem Konzerndach zusammengeführt. Paramount argumentiert, nur ein größerer Anbieter könne im internationalen Wettbewerb mit globalen Streamingkonzernen ausreichend investieren und gleichzeitig mehr Kinofilme produzieren. Die Gegner sehen gerade in dieser Konzentration ein Risiko für Wettbewerb, Beschäftigung und die Verhandlungsmacht kreativer Berufe.
Ob tatsächlich Tausende Arbeitsplätze verschwinden, ist damit noch offen. Fest steht jedoch, dass Paramount Einsparungen von mehr als sechs Milliarden Dollar anstrebt und Los Angeles County die eigene Filmwirtschaft bei einem Zusammenschluss als besonders exponiert einschätzt. Solange die Kartellverfahren laufen, dürfen Paramount und Warner Bros. Discovery ihre Geschäfte nicht integrieren.
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