
Robert Pattinson hat bei den Filmfestspielen von Venedig seinen neuen Film Primetime vorgestellt. In dem Spielfilm von Lance Oppenheim verkörpert der britische Schauspieler den US-Fernsehjournalisten Chris Hansen, der in den 2000er-Jahren durch das NBC-Format To Catch a Predator bekannt wurde. Bei der Präsentation auf dem Lido sprach Pattinson zugleich über die ungewöhnlich dichte Folge seiner jüngsten Dreharbeiten und darüber, warum er die Rolle ursprünglich gar nicht selbst übernehmen wollte.
Primetime feierte am 5. September 2026 in der Sala Grande seine offizielle Premiere und gehört zum Wettbewerb der 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Das Festival führt den 110 Minuten langen US-Film mit Pattinson, Merritt Wever, Skyler Gisondo und Phoebe Bridgers in den Hauptrollen. Das Drehbuch stammt von Ajon Singh. Produziert wurde der Film unter anderem von A24.
Robert Pattinson in Primetime war zunächst nicht als Hauptdarsteller vorgesehen. Nach Angaben der Associated Press war der 40-Jährige zunächst als Produzent an dem Projekt beteiligt. Bei der Entwicklung der Figur habe er versucht, die Rolle so auszuarbeiten, dass sie für einen anderen Schauspieler möglichst interessant werde. Dabei sei er selbst immer stärker von ihr angezogen worden. Schließlich übernahm er Chris Hansen selbst.
Pattinson beschrieb die Vorbereitung auf die Rolle als ungewöhnlich arbeitsintensiv. Besonders Hansens Sprechweise habe ihm Schwierigkeiten bereitet. Zugleich erklärte er, dass ihn die Präsenz des Moderators fasziniert habe. Aus seiner Sicht sei sie ein wesentlicher Grund dafür, dass über das damalige Fernsehformat auch rund zwei Jahrzehnte später noch gesprochen werde.
Regisseur Lance Oppenheim kommt aus dem Dokumentarfilm. Primetime ist sein erster fiktionaler Langfilm. Zuvor hatte er unter anderem Some Kind of Heaven und Spermworld inszeniert. Das Festival beschreibt seinen neuen Film als Geschichte, in der Hansen 2006 versucht, mit seiner Fernseharbeit einen besonderen Moment der TV-Geschichte zu schaffen.
Primetime ist kein Dokumentarfilm über Chris Hansen, sondern eine fiktionalisierte Aufarbeitung eines realen Kapitels der amerikanischen Fernsehgeschichte. Ausgangspunkt ist die NBC-Reihe To Catch a Predator, die als Teil des Nachrichtenmagazins Dateline NBC ausgestrahlt wurde.
Das Format arbeitete mit verdeckten Inszenierungen und konfrontierte Erwachsene vor laufenden Kameras mit zuvor dokumentierten Online-Kontakten zu Personen, die sich als Minderjährige ausgegeben hatten. Die Sendung verband journalistische Recherche mit einer stark inszenierten Fernsehdramaturgie und löste bereits während ihrer Laufzeit Diskussionen über journalistische Methoden, öffentliche Bloßstellung und die Grenze zwischen Berichterstattung und Unterhaltung aus.
Für Oppenheims Film ist zudem ein 2007 im Magazin Esquire erschienener Artikel des Journalisten Luke Dittrich von zentraler Bedeutung. Die Associated Press bezeichnet diesen Text als Grundlage des Films. Der Artikel beschäftigte sich kritisch mit einer To-Catch-a-Predator-Produktion in Texas und deren Folgen.
Oppenheim erklärte in Venedig, ihn habe besonders interessiert, wie sich unterschiedliche Interessen innerhalb eines solchen Fernsehprojekts miteinander verbinden: journalistischer Anspruch, Produktionslogik und persönliche Ambitionen.
Der reale Chris Hansen wirkte nicht an Primetime mit. Nach Angaben von AP äußerte er sich vor der Premiere mehrfach kritisch über das Projekt und hinterfragte unter anderem die Motivation der Filmemacher. Eine angebotene Vorabvorführung nahm er nicht wahr, weil er Einwände gegen die dafür verlangte Vertraulichkeitsvereinbarung hatte.
Pattinson reagierte auf die öffentlichen Einwände zurückhaltend. Er sagte in Venedig sinngemäß, er hoffe, Hansen werde der Film gefallen. Weitergehende Auseinandersetzungen zwischen Schauspieler und Moderator sind damit nicht belegt.
Die offizielle Darstellung von A24 macht ebenfalls deutlich, dass Hansen die reale Bezugsperson der Hauptfigur ist. Der Verleih nennt als Ausgangspunkt das Jahr 2006 und Hansens Versuch, mit To Catch a Predator Fernsehgeschichte zu schreiben. Der US-Kinostart ist für den 25. September 2026 angekündigt.
Neben dem Film selbst sorgten Pattinsons Aussagen über sein Arbeitspensum für Aufmerksamkeit. Innerhalb kurzer Zeit arbeitete er an The Drama, Primetime, Christopher Nolans The Odyssey und Dune: Part Three. Anschließend folgten die Dreharbeiten zu The Batman: Part II. AP berichtet, dass sein Terminkalender über ungefähr zwei Jahre weitgehend durchgeplant gewesen sei.
Pattinson sagte in Venedig, die einzelnen Projekte seien für ihn ein großes Privileg gewesen. Er hätte nur ungern auf eines davon verzichtet. Der schnelle Wechsel zwischen unterschiedlichen Rollen habe allerdings Spuren hinterlassen. Beim Betrachten von The Odyssey könne er nach eigener Aussage stellenweise noch etwas von seiner Chris-Hansen-Darstellung heraushören, weil zwischen den Produktionen kaum Zeit gelegen habe.
Der Schauspieler erklärte zugleich, dass ihm ein für längere Zeit absehbarer Zeitplan geholfen habe, das hohe Tempo zu organisieren. Auch die Veränderung seines privaten Alltags nach der Geburt seines Kindes habe dazu geführt, dass er abends weniger ausgegangen sei und dadurch subjektiv mehr verfügbare Zeit gehabt habe.
Für die laufende Arbeit an The Batman: Part II will Pattinson diese Taktung nach eigener Aussage jedoch nicht fortsetzen. Während dieses Drehs wolle er keine weiteren Projekte parallel übernehmen.
Mit Primetime verbindet sich damit nicht nur Pattinsons nächster großer Kinostart, sondern auch Oppenheims Wechsel vom Dokumentarfilm ins fiktionale Erzählen. Das Werk steht im Wettbewerb von Venedig und kommt laut A24 am 25. September 2026 in die US-Kinos.
Erste Rezensionen fallen in ihrer Bewertung unterschiedlich aus. The Hollywood Reporter hebt Pattinsons Darstellung hervor, äußert aber zugleich Vorbehalte gegenüber Teilen der dramatischen Konstruktion. Screen Daily beschreibt den Film ebenfalls als visuell markant, bewertet seine Dramaturgie jedoch kritischer. Diese Einschätzungen sind Filmkritiken und keine Tatsachenfeststellungen über die Qualität des Films.
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