ARD-Doku zeigt, wie pflegende Angehörige an ihre Grenzen geraten

Lecker aufs Land heute im SWR: Folge 104 aus dem Landkreis Rottweil
Tech Daily

Teilen:

Millionen Menschen in Deutschland kümmern sich zu Hause um pflegebedürftige Familienmitglieder. Viele übernehmen diese Verantwortung über Jahre, häufig neben ihrem Beruf und anderen Verpflichtungen. Welche Folgen das für die Angehörigen hat, zeigt die neue ARD-Dokumentation „Und wer fragt nach mir?“. Der Film mit Caren Miosga läuft am heutigen Montag, 26. Oktober 2026, um 20:15 Uhr im Ersten. Anschließend beschäftigt sich die Talkshow „Hart aber fair“ mit der politischen Verantwortung für die häusliche Pflege.

Anzeige

„Und wer fragt nach mir?“ heute um 20:15 Uhr im Ersten

Die 45-minütige Reportage trägt den vollständigen Titel „Und wer fragt nach mir? Pflegende Angehörige am Rande der Erschöpfung“. Sie ist der zweite Teil der ARD-Reihe „Wie reformfähig ist Deutschland?“, die sich mit grundlegenden Herausforderungen für Staat und Gesellschaft beschäftigt.

Nach einer ersten Folge über das deutsche Beamtensystem widmet sich die zweite Dokumentation der Pflege. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die ihre Partner oder Eltern zu Hause versorgen und dabei vielfach auf persönliche Freiräume verzichten müssen.

Gestaltet wurde der Film von Caren Miosga und Falko Korth. Die Produktion übernahm die MIO Media GmbH, die redaktionelle Verantwortung liegt bei Kathrin Becker vom NDR und Astrid Harms vom Bayerischen Rundfunk. Die erste reguläre Fernsehausstrahlung beginnt am Montag um 20:15 Uhr und endet um 21 Uhr.

Anzeige

Caren Miosga berichtet auch über Erfahrungen in ihrer Familie

Für Caren Miosga ist das Thema mehr als ein gesellschaftspolitischer Schwerpunkt. Die Journalistin und ARD-Moderatorin kennt die Herausforderungen häuslicher Pflege aus ihrer eigenen Familie.

Als ihre Mutter zunehmend Unterstützung benötigte, übernahm ihr Vater einen großen Teil der Betreuung. Mit der Zeit stieß auch er an seine Belastungsgrenzen. Für Miosga und ihre Geschwister entstanden dadurch neue Fragen zur Versorgung ihrer Eltern und zur Verteilung familiärer Verantwortung.

Diese Erfahrungen bilden einen persönlichen Ausgangspunkt der Dokumentation. Miosga spricht mit Menschen, die seit Jahren Angehörige betreuen, und beschäftigt sich damit, welche Entscheidungen Familien treffen müssen, wenn die Pflege zu Hause schwieriger wird.

Dabei geht es um den Wunsch vieler Pflegebedürftiger, möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben. Zugleich zeigt der Film, welche körperlichen, zeitlichen und emotionalen Anforderungen dadurch für Partner, Kinder und andere Familienmitglieder entstehen können.

Angehörige berichten über einen Alltag ohne ausreichende Entlastung

Zu den Menschen, deren Erfahrungen in der Dokumentation aufgegriffen werden, gehört Jürgen. Er pflegt seit Jahren seine Frau und beschreibt die Sorge, diese Aufgabe irgendwann nicht mehr bewältigen zu können.

Auch Angelina berichtet über ihre Situation. Sie kümmert sich seit längerer Zeit um beide Eltern und hat dafür berufliche Möglichkeiten, Freizeit und persönliche Vorhaben zurückgestellt. Die anhaltende Beanspruchung hat sie zeitweise in eine schwere persönliche Krise gebracht.

Die Reportage zeigt neben solchen Belastungen auch die enge Verbundenheit zwischen pflegenden Angehörigen und den Menschen, die auf ihre Hilfe angewiesen sind. Damit wird deutlich, dass häusliche Pflege nicht ausschließlich eine organisatorische Frage ist. Sie betrifft ebenso persönliche Beziehungen, individuelle Lebensentwürfe und die Möglichkeiten zur Erholung.

Ein wiederkehrendes Problem ist die geringe Aufmerksamkeit für diejenigen, die Pflege leisten. Während sich medizinische und pflegerische Entscheidungen vor allem auf die Bedürfnisse der erkrankten Menschen konzentrieren, geraten die Belastungen ihrer Angehörigen leicht in den Hintergrund.

Millionen Menschen werden in Deutschland zu Hause gepflegt

Die Bedeutung der häuslichen Pflege zeigt sich auch in den Zahlen. Nach Angaben der ARD kümmern sich bis zu zehn Millionen Menschen in Deutschland um pflegebedürftige Angehörige. Der Sender weist darauf hin, dass der zeitliche Aufwand im Einzelfall bis zu 49 Stunden wöchentlich erreichen kann.

Auch die amtliche Pflegestatistik unterstreicht die große Bedeutung der Versorgung außerhalb stationärer Einrichtungen. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes waren Ende 2023 rund 5,7 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Davon wurden etwa 4,9 Millionen beziehungsweise 86 Prozent zu Hause versorgt.

Rund 3,8 Millionen Pflegebedürftige wurden überwiegend durch Angehörige betreut. Weitere Menschen erhielten Unterstützung durch ambulante Dienste. Lediglich etwa 14 Prozent der Pflegebedürftigen lebten in vollstationären Pflegeeinrichtungen.

Die Entwicklung hängt nicht allein mit der Alterung der Bevölkerung zusammen. Auch die Erweiterung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017 beeinflusst die statistisch erfassten Fallzahlen. Gleichzeitig steigt mit dem demografischen Wandel der Bedarf an langfristiger Betreuung und Unterstützung.

Die Dokumentation beschäftigt sich deshalb nicht nur mit den individuellen Erfahrungen der Familien, sondern auch mit der Frage, wie die häusliche Pflege künftig organisiert und finanziert werden kann.

Pflegeexpertin ordnet die Situation der Angehörigen ein

Neben den betroffenen Familien kommen Menschen zu Wort, die sich beruflich oder gesellschaftlich mit Pflege beschäftigen. Dazu gehört Gabriele Tammen-Parr von der Interessenvertretung wir pflegen Berlin.

Der Verein setzt sich für die Interessen pflegender Angehöriger ein. Die Organisation verweist auf den hohen persönlichen Einsatz vieler Familien und fordert eine stärkere Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse.

Damit erweitert die Reportage den Blick auf ein strukturelles Problem. Angehörige übernehmen Aufgaben, die andernfalls durch professionelle Pflegekräfte oder stationäre Einrichtungen erbracht werden müssten. Gleichzeitig benötigen sie selbst verlässliche Unterstützung, um diese Verantwortung dauerhaft tragen zu können.

Die Frage nach ausreichenden Entlastungsmöglichkeiten steht deshalb ebenso im Mittelpunkt wie die Diskussion über eine Reform des deutschen Pflegesystems.

„Hart aber fair“ diskutiert anschließend über die Pflegepolitik

Unmittelbar nach der Dokumentation setzt die ARD ihren Themenabend fort. Um 21 Uhr beginnt eine neue Ausgabe von „Hart aber fair“ mit Moderator Louis Klamroth. Die Sendung beschäftigt sich mit der Frage, ob pflegende Angehörige von der Politik ausreichend unterstützt werden.

Zu den angekündigten Gästen gehören die sächsische Sozialministerin Petra Köpping (SPD) und der CDU-Gesundheitspolitiker sowie Drogenbeauftragte der Bundesregierung Hendrik Streeck. Auch Caren Miosga nimmt an der Diskussion teil.

Ergänzt wird die Runde durch die Gemeindepflegerin Dilek Erusta, die Autorin Katarina Schickling und eine Frau, die ihren Ehemann pflegt.

In der Diskussion soll es unter anderem darum gehen, welche Veränderungen die Bundesregierung für die Pflege plant, wie sich Angehörige besser entlasten lassen und welche Verantwortung Staat und Gesellschaft übernehmen müssen.

ARD-Dokumentation auch in der Mediathek verfügbar

Wer die Reportage nicht zur regulären Sendezeit verfolgen kann, hat weitere Möglichkeiten. Die ARD hat „Und wer fragt nach mir? Pflegende Angehörige am Rande der Erschöpfung“ bereits zum 23. Oktober 2026 für ihre Mediathek angekündigt.

Außerdem steht eine Fernsehwiederholung in der Nacht zum Dienstag, 27. Oktober, um 1:30 Uhr im Programm des Ersten. Eine weitere Ausstrahlung ist für Sonntag, 1. November, um 13:15 Uhr vorgesehen.

Mit der Kombination aus persönlicher Reportage und anschließender politischer Diskussion rückt die ARD die Situation jener Menschen in den Mittelpunkt, die einen wesentlichen Teil der Pflegeversorgung in Deutschland übernehmen. Im Zentrum steht dabei nicht allein die Frage, wie pflegebedürftige Menschen versorgt werden, sondern auch, welche Unterstützung ihre Angehörigen benötigen.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu