Friedenspreis für Philippe Sands: Deutliche Kritik an Deutschlands Israel-Politik

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Der französisch-britische Jurist und Schriftsteller Philippe Sands ist am Sonntag, 11. Oktober 2026, in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. In seiner Dankesrede richtete der international bekannte Völkerrechtler deutliche Kritik an Deutschland. Er warf der Bundesrepublik vor, bei möglichen Völkerrechtsverletzungen Israels nicht entschieden genug Stellung zu beziehen. Zugleich forderte er weitere Unterstützung für die Ukraine und einen stärkeren internationalen Schutz gegen schwere Umweltzerstörung.

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Sands wirft Deutschland Schweigen gegenüber Israel vor

In seiner Rede kritisierte Sands die aus seiner Sicht eingeschränkte öffentliche Auseinandersetzung mit dem Vorgehen Israels im Gazastreifen und im Westjordanland. Die Benennung schwerer Völkerrechtsverletzungen dürfe nicht pauschal als antisemitisch oder israelfeindlich zurückgewiesen werden. Deutschland müsse auch gegenüber verbündeten Staaten auf die Einhaltung internationalen Rechts bestehen.

Der Jurist wandte sich zugleich gegen eine ausschließliche Konzentration auf die juristische Einstufung des israelischen Vorgehens als Völkermord. Auch andere internationale Verbrechen müssten unabhängig von ihrer rechtlichen Bezeichnung verurteilt werden können. Die Angriffe der Hamas vom 7. Oktober 2023 bezeichnete Sands ebenfalls als schwere Verletzung des Völkerrechts. Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung, müsse dabei aber die Grenzen des internationalen Rechts beachten.

Auch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine thematisierte der Friedenspreisträger. Er forderte weitere internationale Unterstützung und Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung.

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Jury würdigt Einsatz für Menschenrechte und Gerechtigkeit

Mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2026 zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels einen Juristen aus, der sich seit Jahrzehnten mit internationaler Strafverfolgung, Menschenrechten und historischer Verantwortung beschäftigt. Der Stiftungsrat würdigt insbesondere Sands‘ Bemühungen, das Völkerrecht auch gegen politische Widerstände zu verteidigen.

Die Laudatio hielt die Historikerin und Judaistin Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München. Sie hob die Bedeutung von Sands als Völkerrechtsexperten und seine besondere Fähigkeit hervor, juristische Fragen mit den Lebensgeschichten betroffener Menschen zu verbinden. Seine Auszeichnung bezeichnete sie als Anlass zur Hoffnung.

An der Feierstunde nahm auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde Sands zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse überreicht.

Familiengeschichte und Völkerrecht prägen seine Bücher

Philippe Sands wurde 1960 in London geboren und ist Professor für Internationales Recht am University College London. Als Rechtsanwalt war er an zahlreichen Verfahren vor internationalen Gerichten beteiligt. Seine Arbeit beschäftigt sich unter anderem mit Kriegsverbrechen, staatlicher Verantwortung und den Folgen kolonialer Herrschaft.

Besondere Bekanntheit erlangte er mit seinem Buch Rückkehr nach Lemberg. Darin verbindet Sands die Geschichte seiner jüdischen Familie mit der Entstehung der völkerrechtlichen Begriffe Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Beide Konzepte wurden maßgeblich durch die Erfahrungen mit den nationalsozialistischen Verbrechen geprägt.

In Die Rattenlinie untersucht er die Geschichte eines nationalsozialistischen Funktionärs und dessen Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Buch Die letzte Kolonie behandelt die Vertreibung der Bevölkerung des Chagos-Archipels und den juristischen Streit um deren Rechte.

Sein 2025 veröffentlichtes Werk Die Verschwundenen von Londres 38 beschäftigt sich mit der chilenischen Militärdiktatur unter Augusto Pinochet, einem ehemaligen SS-Offizier und der Frage, wie Verantwortliche für schwere Menschenrechtsverbrechen zur Rechenschaft gezogen werden können.

Sands fordert internationales Strafrecht gegen Umweltzerstörung

Neben seiner Arbeit zur historischen Aufarbeitung schwerer Menschenrechtsverletzungen engagiert sich Sands für die internationale Anerkennung des sogenannten Ökozids. Damit ist die besonders schwere Zerstörung von Ökosystemen gemeint.

Der Jurist setzt sich dafür ein, solche Taten als eigenständiges internationales Verbrechen verfolgen zu können. Dazu wäre eine Erweiterung des Völkerstrafrechts erforderlich. Auch dieses Anliegen griff Sands während seiner Rede in Frankfurt auf.

Seine Forderung zielt darauf, schwerwiegende Umweltzerstörung künftig ähnlich konsequent verfolgen zu können wie andere internationale Kernverbrechen.

Friedenspreis wird seit 1950 verliehen

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gehört zu den bedeutendsten Kulturpreisen Deutschlands. Seit 1950 zeichnet der Börsenverein Persönlichkeiten aus, die sich durch ihre Arbeit für Frieden, Menschlichkeit und internationale Verständigung eingesetzt haben.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören der Schriftsteller Salman Rushdie, die Historikerin Anne Applebaum und der Historiker Karl Schlögel, der die Auszeichnung 2025 erhielt.

Mit Philippe Sands rückt der Friedenspreis in diesem Jahr die Bedeutung des internationalen Rechts in den Mittelpunkt. Seine Auszeichnung verbindet die Erinnerung an historische Verbrechen mit aktuellen Auseinandersetzungen über Krieg, Menschenrechte und staatliche Verantwortung.

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