Planet Labs baut künftig Satelliten in Berlin

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der US-Raumfahrtkonzern Planet Labs erweitert seinen Standort in Deutschland deutlich. Noch in diesem Herbst soll die Satellitenproduktion in Berlin beginnen. Damit erhält das bisherige europäische Zentrum des Unternehmens erstmals eine eigene industrielle Fertigung. Neben Entwicklung, Missionssteuerung und Datenverarbeitung sollen in der Hauptstadt künftig auch Satelliten montiert, integriert und getestet werden. Für die Satellitenproduktion in Berlin baut Planet einen eigenen Hightech-Standort auf, der vor allem für die neue Generation der hochauflösenden Pelican-Erdbeobachtungssatelliten vorgesehen ist.

Planet baut zweiten Produktionsstandort auf

Bislang fertigt Planet seine Satelliten vor allem am Hauptsitz in San Francisco. Berlin wird zum zweiten großen Produktionsstandort des Unternehmens und zum ersten in Europa. Planet ist dort allerdings nicht neu. Die deutsche Tochter geht auf die Übernahme des Brandenburger Erdbeobachtungsunternehmens RapidEye im Jahr 2015 zurück. Inzwischen sitzen in Berlin unter anderem Entwicklungsteams, die Missionssteuerung und Teile des europäischen Geschäfts.

Nach den aktuellen Planungen soll die neue Fertigung noch 2026 den Betrieb aufnehmen. Rund 5.000 Quadratmeter sind für Labore, Büros und Produktionsbereiche vorgesehen. Zum Standort gehören Reinräume der ISO-Klassen 6 und 7, in denen Satellitenkomponenten unter kontrollierten Bedingungen montiert und geprüft werden können. Neben der eigentlichen Montage sind Integration und Erprobung der Raumfahrzeuge vorgesehen. Für das Projekt wurde bei der Vorstellung 2025 ein Investitionsvolumen von rund 45 Millionen Euro genannt.

Planet beschäftigt derzeit mehr als 150 Menschen in Berlin. Bis 2027 sollen rund 70 weitere Stellen hinzukommen. Die zusätzliche Fabrik soll die bisherige Produktionskapazität für die Pelican-Flotte ungefähr verdoppeln. Nach Angaben des Unternehmens gegenüber der Deutschen Presse-Agentur ist am Berliner Standort langfristig eine Kapazität von bis zu 60 Satelliten pro Jahr vorgesehen. Der erste dort gefertigte Satellit soll dem derzeitigen Zeitplan zufolge noch vor Jahresende fertiggestellt werden. Dabei handelt es sich um Zielwerte für den neuen Standort, nicht um bereits erreichte Produktionszahlen.

Pelican liefert hochauflösende Bilder der Erde

Im Mittelpunkt der Berliner Produktion steht zunächst die Pelican-Serie. Diese Satelliten gehören zur neuen Generation der hochauflösenden Erdbeobachtungssysteme von Planet. Die erste Generation liefert Bilddaten mit einer Auflösung von etwa 50 Zentimetern. Für die zweite Generation plant das Unternehmen Auflösungen in der Größenordnung von 30 Zentimetern. Die Satelliten können einzelne Regionen mehrmals am Tag erfassen und verfügen über mehrere Spektralkanäle.

Solche Daten werden für sehr unterschiedliche Anwendungen genutzt. Dazu gehören Landwirtschaft und Forstwirtschaft, die Beobachtung von Infrastruktur und Umweltveränderungen, die Reaktion auf Naturkatastrophen sowie Sicherheits- und Aufklärungsaufgaben. Planet betreibt daneben eine große Flotte kleinerer Satelliten, die weite Teile der Erdoberfläche in hoher Frequenz erfassen. Das Geschäftsmodell besteht deshalb nicht allein im Verkauf von Satelliten, sondern vor allem in Daten, Analyseleistungen und in zunehmendem Umfang in individuell bereitgestellten Satellitenkapazitäten für staatliche und kommerzielle Kunden.

Europa wird für Planet Labs immer wichtiger

Die Berliner Investition fällt in eine Phase, in der Europa für Planet wirtschaftlich deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das am 31. Juli 2026 endete, erzielte das Unternehmen in der Region Europa, Naher Osten und Afrika einen Umsatz von 55,2 Millionen Dollar. Weltweit waren es 116,1 Millionen Dollar. Damit entfielen knapp 48 Prozent des Quartalsumsatzes auf die EMEA-Region. Im Vergleichsquartal des Vorjahres waren es dort noch 23,5 Millionen Dollar.

Europa ist für Planet zugleich ein wichtiger Teil der eigenen Infrastruktur. Nach Unternehmensangaben arbeitet mehr als 30 Prozent der weltweiten Belegschaft in Europa. Mehr als 40 Prozent der verwendeten Satellitenkomponenten kommen demnach aus der Region. Bodenstationen in Deutschland, Großbritannien, Island und Norwegen übernehmen einen erheblichen Teil der Datenübertragung aus dem All. Das Kontrollzentrum für die Satellitenflotte befindet sich ebenfalls in Berlin.

Hinzu kommen größere staatliche Aufträge. Planet vereinbarte 2025 einen mehrjährigen, von der Bundesregierung finanzierten Auftrag im Umfang von 240 Millionen Euro. Er umfasst unter anderem dedizierte Satellitenkapazitäten und direkte Datenübertragung für Anwendungen im Bereich der europäischen Sicherheit. Bereits zuvor hatte das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie Satellitendaten des Unternehmens für die Bundesverwaltung beschafft. Über diese Struktur können zahlreiche Bundesbehörden auf Erdbeobachtungsdaten zugreifen.

Verbindung zur deutschen Raumfahrtindustrie wächst

Für den deutschen Raumfahrtstandort ist vor allem relevant, dass mit dem Berliner Projekt zusätzliche industrielle Fertigungskapazitäten entstehen. Deutschland verfügt bereits über Unternehmen und Forschungseinrichtungen für Satelliten, Raumfahrtelektronik, optische Instrumente und Trägerraketen. Planet ergänzt dieses Umfeld um eine auf größere Stückzahlen ausgerichtete kommerzielle Satellitenproduktion und verbindet Entwicklung, Fertigung, Betrieb und Datenverarbeitung an einem europäischen Standort.

Eine Verbindung zu anderen deutschen Raumfahrtunternehmen gibt es bereits. Planet Labs Germany und der Raketenhersteller Isar Aerospace vereinbarten im Sommer 2026 den Start eines in Berlin gefertigten Pelican-Satelliten mit der in Deutschland entwickelten Spectrum-Rakete. Als frühester Starttermin wurde Ende 2026 genannt. Gestartet werden soll vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya. Sollte die Mission wie vorgesehen stattfinden, würden Satellit und Trägerrakete erstmals bei einer solchen Mission beide in Deutschland gefertigt.

Mehr europäische Kapazität, aber ein US-Konzern

Die Ansiedlung stärkt damit die industrielle Basis für kommerzielle Erdbeobachtung in Deutschland. Produktion, Test, Missionsbetrieb und ein wachsender Teil der zugehörigen Infrastruktur werden näher an europäische Kunden verlagert. Gerade für staatliche Auftraggeber kann eine solche Infrastruktur relevant sein, wenn Satellitendaten kurzfristig und mit fest zugesicherten Kapazitäten verfügbar sein sollen.

Vollständige technologische oder unternehmerische Unabhängigkeit Europas entsteht dadurch allerdings nicht. Planet Labs Germany gehört weiterhin zum US-amerikanischen und an der New Yorker Börse notierten Konzern Planet Labs PBC mit Hauptsitz in San Francisco. Der Schritt nach Berlin vergrößert deshalb vor allem die in Deutschland vorhandenen Produktions- und Entwicklungskapazitäten. Für den Raumfahrtstandort ist das dennoch ein bedeutender Ausbau: Aus einem europäischen Entwicklungs-, Betriebs- und Datenzentrum wird zusätzlich ein Standort, an dem serienmäßig Satelliten gebaut und getestet werden sollen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu