
Polen hat mit der Wicher die erste von drei neuen Mehrzweckfregatten des Miecznik-Programms zu Wasser gebracht. Das Schiff wurde am 13. August 2026 vor Gdynia in der Danziger Bucht erstmals frei aufgeschwommen. Einen Tag zuvor hatten die polnischen Behörden die Fregatte in Gdynia offiziell getauft und ihr den Namen Wicher gegeben. Damit hat eines der größten laufenden Modernisierungsvorhaben der polnischen Marine einen wichtigen Bauabschnitt erreicht.
Der Stapellauf unterschied sich von der klassischen Fahrt eines Neubaus über eine Helling ins Wasser. Der in einer Montagehalle gebaute Schiffskörper wurde zunächst auf eine halb absenkbare Transportbarge gebracht. Diese wurde in die Danziger Bucht geschleppt und dort kontrolliert abgesenkt, bis die Wicher selbstständig im Wasser schwamm. Anschließend begann die nächste Phase der Ausrüstung und Systemintegration.
Die Miecznik-Fregatte Wicher ist noch kein einsatzfähiges Kriegsschiff. Zwischen dem Stapellauf und der Aufnahme in die polnische Marine liegen weitere Ausbauarbeiten, Tests und Erprobungen. Das polnische Verteidigungsministerium plant die Einbindung der ersten Einheit in die Strukturen der Marine für 2029.
Das Miecznik-Programm umfasst drei Schiffe mit den Namen Wicher, Burza und Huragan. Grundlage ist der britische Entwurf Arrowhead 140 von Babcock, der für die Anforderungen der polnischen Marine angepasst wird. Den Vertrag über die drei Fregatten schlossen die damalige polnische Rüstungsinspektion und das Konsortium PGZ-Miecznik im Juli 2021.
Die Schiffe entstehen in Polen. Technischer Hauptauftragnehmer ist die Marinewerft PGZ Stocznia Wojenna in Gdynia. Die Werft bezeichnet Miecznik als das größte Schiffbauprogramm in der Geschichte der polnischen Marine.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist die Wicher rund 138 Meter lang und etwa 20 Meter breit. Die maximale Verdrängung wird mit ungefähr 7.000 Tonnen angegeben. Als Höchstgeschwindigkeit nennt das Ministerium 28 Knoten, die vorgesehene Reichweite liegt bei rund 8.000 Seemeilen. Die reguläre Besatzung soll 120 Personen umfassen, zusätzlich ist Platz für etwa 60 weitere Personen vorgesehen.
Auch die vorgesehenen Aufgaben sind von der polnischen Regierung näher beschrieben worden. Dazu gehören die Überwachung von Seegebieten, der Schutz von Marinestützpunkten sowie Fähigkeiten gegen Ziele auf und unter Wasser. Hinzu kommen die maritime Luftverteidigung und Einsätze im nationalen sowie im NATO-Rahmen.
Für die Wicher nennt das Verteidigungsministerium einen weiteren offiziellen Zeitplan. Ende September oder Anfang Oktober 2028 sollen erste festgemachte Erprobungen beginnen. Seetests sind für das Frühjahr 2029 vorgesehen. Noch 2029 soll das Schiff in die Strukturen der Marine aufgenommen werden.
Bei der Fertigstellung des gesamten Programms gibt es unterschiedliche offizielle Zeitangaben. Die Werft hatte für die Lieferung der dritten Einheit Huragan zuletzt Ende 2031 genannt. Das polnische Verteidigungsministerium gibt für die Finalisierung des gesamten Miecznik-Programms das Jahr 2032 an.
Das Fregattenprogramm ist Teil einer wesentlich breiter angelegten Modernisierung der polnischen Streitkräfte. Im Staatshaushalt für 2026 sind einschließlich des Streitkräfte-Unterstützungsfonds 200,1 Milliarden Zloty für die nationale Verteidigung vorgesehen. Nach den Berechnungen der polnischen Regierung entspricht dies 4,81 Prozent des für den Haushalt prognostizierten Bruttoinlandsprodukts.
Damit liegt Polen beim Anteil der Verteidigungsausgaben am BIP im Spitzenbereich der NATO. Bereits 2025 hatte das Land nach Angaben des polnischen Außenministeriums mehr als 186,5 Milliarden Zloty beziehungsweise etwa 4,7 Prozent des BIP aufgewendet.
Der hohe Mitteleinsatz betrifft nicht nur die Marine. Polen beschafft und modernisiert in mehreren Bereichen gleichzeitig militärische Ausrüstung und baut die personellen sowie infrastrukturellen Kapazitäten seiner Streitkräfte aus. Für die Regierung in Warschau sind die Programme Teil einer langfristigen Anpassung an die veränderte Sicherheitslage in Europa.
Die Ausgaben liegen zugleich über der früheren NATO-Zielmarke von zwei Prozent des BIP. Beim Gipfel in Den Haag 2025 einigten sich die Bündnisstaaten auf einen neuen Rahmen: Bis 2035 sollen jährlich insgesamt fünf Prozent des BIP für Verteidigung sowie verteidigungsbezogene Sicherheitsinvestitionen aufgewendet werden. Davon sollen mindestens 3,5 Prozent auf die eigentlichen Verteidigungsanforderungen und NATO-Fähigkeitsziele entfallen.
Die Wicher entsteht in einer Phase, in der sich die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen im Ostseeraum deutlich verändert haben. Seit Finnland 2023 und Schweden 2024 der NATO beitraten, gehören mit Ausnahme Russlands alle Anrainerstaaten der Ostsee dem Bündnis an.
NATO-Staaten haben ihre maritime Überwachung in der Region ausgebaut. Im Januar 2025 startete das Bündnis die Aktivität Baltic Sentry, nachdem es mehrere Vorfälle mit beschädigter kritischer Unterwasserinfrastruktur gegeben hatte. Nach Darstellung der NATO soll Baltic Sentry insbesondere die Überwachung und den Schutz von Energie- und Kommunikationsverbindungen verbessern.
Zum Einsatz kommen nach NATO-Angaben unter anderem Fregatten, Seefernaufklärer und unbemannte Systeme. Nationale Überwachungsfähigkeiten sollen stärker miteinander verbunden werden. Die NATO betont dabei, dass ihre Maßnahmen defensiv ausgerichtet seien.
Auch Polen ist von der Bedeutung der Infrastruktur im Ostseeraum unmittelbar betroffen. Seewege, Häfen, Energieanlagen und Unterwasserkabel sind für Polen und seine Nachbarstaaten wirtschaftlich und sicherheitspolitisch relevant. Moderne Fregatten erweitern aus Sicht der polnischen Regierung die Möglichkeiten der Marine, Seegebiete zu überwachen und sich an gemeinsamen Bündnisaufgaben zu beteiligen.
Der Stapellauf der Wicher bedeutet daher vor allem, dass der Bau sichtbar in die nächste Phase übergeht. Eine Indienststellung ist damit nicht verbunden. Zunächst müssen Ausrüstung, Antrieb, Sensoren, Kommunikations- und Führungssysteme sowie die vorgesehenen Waffensysteme eingebaut, integriert und getestet werden.
Parallel laufen die Arbeiten an den beiden Schwesterschiffen weiter. Für die Burza wurde im Dezember 2025 die Kiellegung begangen. Der Bau der dritten Fregatte Huragan begann mit dem ersten Stahlschnitt im April 2026.
Mit allen drei Einheiten will Polen seine Marine in einem Bereich modernisieren, in dem große Neubauprogramme über viele Jahre nur begrenzt vorangekommen waren. Ob der weitere Zeitplan vollständig eingehalten werden kann, lässt sich aus dem gegenwärtigen Baufortschritt noch nicht ableiten. Offiziell vorgesehen ist zunächst, die Wicher 2029 in die polnischen Seestreitkräfte aufzunehmen.
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