
Der Hamburger SV startet am Samstag bei Borussia Dortmund in die Bundesliga-Saison 2026/27. Während Cheftrainer Merlin Polzin seine Mannschaft auf das erste Ligaspiel vorbereitet, ist seine eigene längerfristige Vertragssituation noch nicht geklärt. Der 35-Jährige besitzt nach übereinstimmenden Medienangaben einen Vertrag bis zum Sommer 2027. Eine weitere Verlängerung hat der HSV bislang nicht bekannt gegeben. Polzin selbst bestätigte unmittelbar vor dem Saisonstart, dass Gespräche laufen und er die Situation gelassen sieht.
Unter anderem berichtete TAG24 am Donnerstag in seinem HSV-Blog über die noch offene Vertragsverlängerung. Grundlage waren Aussagen Polzins bei der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund. Auch die Deutsche Presse-Agentur verbreitete die Aussagen. Damit ist bestätigt, dass noch keine neue Vereinbarung öffentlich gemacht wurde und die Beteiligten weiter miteinander sprechen. Eine offizielle Mitteilung des Vereins über einen neuen Vertrag lag bis Donnerstagabend nicht vor.
Polzin versuchte vor dem ersten Bundesliga-Spiel der Saison, der Personalfrage keine besondere Bedeutung zu geben. Entscheidend sei für ihn der fortlaufende Austausch mit den Verantwortlichen. Er sagte, Trainerteam und Verein wüssten, „was wir am Verein haben“ beziehungsweise was der HSV an seinem Trainerstab habe. Zudem sprach er von „klaren, offenen Gesprächen“.
Eine feste Frist für eine Einigung gibt es nach seinen Angaben nicht. Polzin erklärte, dass es keinen besonderen Deadline Day für seine Vertragsfrage geben werde. Beide Seiten würden über die Punkte sprechen, die ihnen wichtig seien. Nervosität bestehe deshalb nach Darstellung des Trainers nicht. Vielmehr gehe es darum, eine Lösung zu finden, die für beide Seiten passe.
Der öffentlich berichtete Stand bedeutet dabei nicht, dass Polzin ohne gültigen Vertrag in die Saison geht. Nach Angaben von dpa, TAG24 und Transfermarkt läuft sein bestehendes Arbeitspapier bis zum Sommer 2027. Offen ist vielmehr, ob und zu welchen Bedingungen der HSV seinen Cheftrainer vorzeitig über diesen Zeitpunkt hinaus bindet. Der Verein selbst hatte bei seiner letzten offiziellen Meldung zur Vertragsverlängerung des Trainerteams im August 2025 keine konkrete Laufzeit veröffentlicht.
Am 2. August 2025 hatte der Hamburger SV offiziell mitgeteilt, dass das Trainerteam um Polzin weiter an den Verein gebunden worden sei. Die damalige Entscheidung fiel wenige Monate nach dem Bundesliga-Aufstieg. Der damalige Sportvorstand Stefan Kuntz erklärte, der HSV gehe diesen Schritt aus voller Überzeugung und wolle dem Trainerteam Sicherheit und Rückendeckung für die bevorstehenden Aufgaben geben. Eine genaue Laufzeit veröffentlichte der Club in dieser Mitteilung nicht.
Inzwischen hat sich die sportliche Führung verändert. Seit Ende Juni 2026 verantwortet Kathleen Krüger als Sportvorständin den gesamten sportlichen Bereich des HSV. Sie war zuvor 17 Jahre beim FC Bayern München tätig. Bereits bei ihrer Vorstellung Anfang Juli wurde sie nach einer möglichen weiteren Verlängerung mit Polzin gefragt. Krüger wollte damals ausdrücklich keine Frist setzen und erklärte, man werde sich zunächst weiter kennenlernen.
Mitte August berichteten unter anderem die Hamburger Morgenpost und Bild über Bewegung in den Gesprächen. Nach diesen Medienberichten hätten Krüger, Sportdirektor Claus Costa und Polzin über die weitere Zusammenarbeit gesprochen. Eine unabhängige Bestätigung sämtlicher dabei berichteter Details lag zunächst nicht vor. Polzin bestätigte allerdings öffentlich, dass ein Austausch über seine Zukunft stattfindet.
Die sportliche Position Polzins beim HSV hat sich innerhalb von weniger als zwei Jahren erheblich verändert. Der gebürtige Hamburger gehört bereits seit Juli 2020 zum Trainerstab der Profimannschaft. Nach verschiedenen Stationen als Assistent übernahm er im Februar 2024 bereits für ein Spiel interimistisch die Verantwortung. Nach der Trennung von Steffen Baumgart Ende November 2024 wurde er erneut zum Interimstrainer berufen.
Der HSV setzte anschließend dauerhaft auf Polzin. Am 22. Dezember 2024 teilte der Club mit, dass er Cheftrainer bleibt. Vorausgegangen waren vier Spiele unter seiner Leitung mit zwei Siegen und zwei Unentschieden. Der damalige Sportvorstand Kuntz begründete die Entscheidung mit der Entwicklung der Mannschaft und dem Vertrauen in Polzins Arbeit.
In der Rückrunde der Saison 2024/25 führte Polzin den HSV nach sieben Jahren in der 2. Bundesliga zurück in die höchste deutsche Spielklasse. Der Hamburger SV beendete die Saison mit 59 Punkten als Tabellenzweiter hinter dem 1. FC Köln.
Auch die erste Bundesliga-Saison nach dem Aufstieg endete mit dem Erreichen des sportlichen Hauptziels. Der HSV belegte 2025/26 den 13. Tabellenplatz. In 34 Bundesligaspielen kam die Mannschaft auf neun Siege, elf Unentschieden und 14 Niederlagen und holte 38 Punkte. Der Abstand auf den Relegationsplatz betrug am Saisonende neun Punkte.
Der HSV hatte den Klassenerhalt bereits zwei Spieltage vor Saisonende gesichert. Der Verein verwies anschließend darauf, dass Polzin und sein Trainerteam neben dem Übergang in die Bundesliga auch einen größeren Umbau des Kaders und Anpassungen an der Spielweise bewältigt hatten.
Eine Zwischenbilanz des Clubs vom März 2026 verdeutlichte Polzins Ergebnisse seit seiner Übernahme. Zu diesem Zeitpunkt hatte der HSV 49 Pflichtspiele seit Ende November 2024 unter seiner Verantwortung gezählt. Die Bilanz lag damals bei 20 Siegen, 14 Unentschieden und 15 Niederlagen. Darin enthalten waren 21 Zweitligaspiele, 25 Bundesligapartien und drei Begegnungen im DFB-Pokal.
Für die gesamte Bundesliga-Saison 2025/26 weist die offizielle Abschlusstabelle neun Siege, elf Remis und 14 Niederlagen aus. Im DFB-Pokal absolvierte der HSV in dieser Spielzeit drei Partien. In die Saison 2026/27 startete die Mannschaft am Montag mit einem 3:0-Erfolg beim Drittligisten SC Verl in der ersten Pokalrunde.
Die Vertragsgespräche mit dem Trainer laufen parallel zu einer weiteren Umbauphase des HSV-Kaders. Der Club hat vor dem Bundesliga-Start mehrere Positionen neu besetzt. Zu den Neuzugängen gehören unter anderem Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw sowie die Offensivspieler Patson Daka und Terem Moffi. Gleichzeitig verließen oder verlassen Spieler den Verein.
Polzin hatte bereits nach dem letzten Vorbereitungsspiel gegen Toulouse erklärt, dass der HSV seine Herangehensweise teilweise verändert und versucht habe, sich weiterzuentwickeln. Er sprach von einer guten Vorbereitung, verwies aber zugleich auf Bereiche, in denen die Mannschaft noch Fortschritte machen müsse.
Auch unmittelbar vor dem Ligastart ist die Kaderplanung noch nicht vollständig abgeschlossen. Weitere Bewegungen bis zum Ende der Transferperiode sind möglich. Polzin verglich seine eigene Vertragsfrage am Donnerstag mit solchen sportlichen Entscheidungen. Es gehe darum, sich die notwendige Zeit für eine gute Lösung zu nehmen.
Sportlich steht für Polzin zunächst eine anspruchsvolle Aufgabe im Mittelpunkt. Der HSV tritt am Samstagabend bei Borussia Dortmund an. Der BVB beendete die vergangene Bundesliga-Saison mit 73 Punkten auf Rang zwei. Der HSV geht damit auswärts beim Vizemeister in seine zweite Bundesliga-Spielzeit seit dem Wiederaufstieg.
Polzin bezeichnete die Ansetzung des Samstagabendspiels als Ausdruck des Stellenwerts, den die Begegnung besitzt. Zuvor hatte seine Mannschaft mit dem 3:0 in Verl bereits das erste Pflichtspiel der Saison gewonnen.
Die Vertragssituation des Trainers bleibt davon zunächst getrennt. Offiziell bestätigt war bis Donnerstag nur, dass Polzin weiterhin Cheftrainer des Hamburger SV ist und Gespräche über die Zukunft geführt werden. Eine neue Vertragsverlängerung hat der Verein bislang nicht mitgeteilt. Ebenso gibt es keine offiziell bestätigten Angaben zu einer möglichen neuen Laufzeit oder weiteren Vertragsbedingungen.
Für Polzin beginnt die Bundesliga-Saison damit mit einer klaren sportlichen Aufgabe, aber ohne öffentlich verkündete längerfristige Einigung über 2027 hinaus. Seine eigenen Aussagen sprechen für fortlaufende Verhandlungen zwischen Trainer und Vereinsführung. Wann diese abgeschlossen werden und welchen Zeitraum ein möglicher neuer Vertrag umfassen würde, war am Donnerstag noch offen.
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