
Porsche trennt sich von seiner Management- und IT-Beratung MHP. Käufer ist der indische IT-Dienstleister Tata Consultancy Services, kurz TCS. Beide Unternehmen haben eine Vereinbarung über die vollständige Übernahme der bisherigen Porsche-Tochter unterzeichnet. Der Unternehmenswert von MHP wird mit 320 Millionen Euro angegeben. Vollzogen ist das Geschäft allerdings noch nicht. Zunächst müssen unter anderem die erforderlichen behördlichen und kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen.
Damit setzt Porsche einen weiteren Baustein seiner laufenden Neuordnung um. Der Sportwagenhersteller will sich stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren und zugleich die Zusammenarbeit mit externen Technologiepartnern ausbauen. Porsche verkauft MHP an TCS deshalb nicht als vollständigen Abschied von der Beratungsgesellschaft. MHP soll auch nach dem Eigentümerwechsel ein wichtiger Partner des Autobauers bleiben.
TCS will 100 Prozent der Anteile an der MHP Management- und IT-Beratung GmbH übernehmen. Käufer ist eine Tochtergesellschaft des indischen Konzerns. In einer Mitteilung an die indischen Börsen wurde für die Transaktion ein Unternehmenswert von 320 Millionen Euro genannt.
MHP hat seinen Hauptsitz in Ludwigsburg und beschäftigt weltweit rund 4.500 Menschen. Das Unternehmen erzielte 2025 einen Umsatz von 743 Millionen Euro. Tätig ist die Beratung längst nicht mehr ausschließlich für Porsche. Zu ihren Geschäftsfeldern gehören unter anderem die Automobilindustrie und Fertigung sowie Luftfahrt, Verteidigung und der öffentliche Sektor.
Porsche hatte seine Beteiligung an MHP über Jahre ausgebaut und das Unternehmen Anfang 2024 vollständig übernommen. Nun wechselt die Beratung geschlossen zu TCS. Die Transaktion soll nach Erteilung der notwendigen Genehmigungen in den kommenden Monaten abgeschlossen werden.
Für die rund 4.500 Beschäftigten ist vorerst vor allem die geplante organisatorische Struktur von Bedeutung. MHP soll innerhalb von TCS weiterhin unter dem bisherigen Namen auftreten und als eigenständige Beratungsgesellschaft bestehen bleiben. Porsche und TCS stellen die Kombination als Verbindung der Industriekompetenz von MHP mit der internationalen Technologie-, Engineering- und KI-Infrastruktur des indischen Konzerns dar.
Eine umfassende Beschäftigungs- oder Standortgarantie speziell im Zusammenhang mit der Übernahme wurde bislang nicht veröffentlicht. Ebenso gibt es in den offiziellen Mitteilungen zum Verkauf keine angekündigte Zahl von Stellen, die infolge des Eigentümerwechsels wegfallen soll.
TCS ist deutlich größer als MHP und in 55 Ländern vertreten. Für den indischen Konzern stärkt die Übernahme insbesondere das Geschäft mit europäischen Auto- und Industriekunden. MHP wiederum erhält Zugang zur internationalen Infrastruktur und zu den Technologieplattformen des neuen Eigentümers.
Der Eigentümerwechsel bedeutet zugleich nicht das Ende der Geschäftsbeziehungen zwischen Porsche und MHP. Parallel zum Verkauf haben Porsche und TCS eine strategische Zusammenarbeit mit einer Laufzeit von fünf Jahren vereinbart.
TCS soll für Porsche ein eigenes AI Mobility Centre of Excellence aufbauen. Dabei geht es um den Einsatz künstlicher Intelligenz unter anderem in Produktion, Entwicklung, betrieblichen Abläufen und beim Kundenerlebnis. Auch MHP soll an diesen Aufgaben beteiligt bleiben.
Damit verändert Porsche vor allem die Struktur der Zusammenarbeit. Leistungen, die bislang von einer eigenen Konzerntochter erbracht wurden, kommen künftig von einem externen strategischen Partner, zu dessen Konzern dann auch MHP gehört. Porsche begründet den Schritt mit der stärkeren Konzentration auf das automobile Kerngeschäft und einer effizienteren digitalen Transformation.
Mit dem Verkauf stellt sich auch die Frage nach den zahlreichen Sportengagements von MHP. Das Unternehmen ist besonders in Baden-Württemberg prominent vertreten. Seit 2023 hält MHP die Namensrechte an der MHP Arena in Stuttgart, der Heimspielstätte des VfB Stuttgart. Die beim Beginn der Partnerschaft vereinbarte Laufzeit beträgt zehn Jahre.
Daneben ist MHP Haupt- und Namenssponsor der MHP RIESEN Ludwigsburg. Dieser Vertrag wurde 2025 bis 2027 verlängert. Das Unternehmen ist außerdem seit 2012 Namensgeber der MHP Arena Ludwigsburg. Weitere Engagements bestehen unter anderem beim 1. FC Heidenheim, beim VfB Stuttgart und bei den Stuttgarter Kickers.
Für bestehende Verträge bedeutet der Eigentümerwechsel nicht automatisch deren Ende. Beim 1. FC Heidenheim besteht nach Vereinsangaben eine Vereinbarung bis zum 30. Juni 2027. MHP hat zudem deutlich gemacht, dass langfristige Partnerschaften auch künftig eine Rolle für die Marke spielen sollen.
Welche Sportsponsoringstrategie TCS nach Abschluss der Übernahme langfristig verfolgt, ist allerdings noch offen. Eine generelle Zusage, sämtliche heutigen Engagements auch über ihre jeweiligen Vertragslaufzeiten hinaus fortzusetzen, wurde bislang nicht veröffentlicht.
Die Veräußerung von MHP steht nicht isoliert. Porsche befindet sich in einer umfangreichen strategischen Neuordnung. Unter der Bezeichnung Sportwagenschmiede 35 will das Unternehmen Kosten reduzieren, seine Strukturen vereinfachen und Ressourcen stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren.
Ende Juli hatten Vorstand und Gesamtbetriebsrat ein Zukunftspaket vereinbart. Danach sollen bis 2035 weitere 5.000 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Vorgesehen sind unter anderem natürliche Fluktuation, demografische Effekte, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. Gleichzeitig sagte Porsche Investitionen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro in die Standorte Zuffenhausen und Weissach bis 2035 zu.
Bereits zuvor hatte der Hersteller weitere Veränderungen bei Beteiligungen und Tochterunternehmen eingeleitet. Im Mai kündigte Porsche unter anderem die Einstellung der Aktivitäten von Cellforce Group, Porsche eBike Performance und Cetitec an. Mehr als 500 Beschäftigte waren nach Unternehmensangaben von den dort geplanten Stellenreduzierungen betroffen.
Der MHP-Verkauf unterscheidet sich davon in einem wesentlichen Punkt. Die Beratungsgesellschaft wird nicht geschlossen, sondern vollständig an einen international tätigen IT-Konzern übertragen und soll als eigenständiges Unternehmen weiterarbeiten. Gleichzeitig sichert sich Porsche über die langfristige Zusammenarbeit mit TCS weiterhin Zugang zu MHP und zusätzlichen Technologiekompetenzen. Der Verkauf verbindet damit den Abbau einer eigenen Konzernbeteiligung mit einer neuen strategischen Partnerschaft.
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