
Porsche zieht sich vollständig aus seinen Beteiligungen am kroatischen Elektroauto- und Technologiekonzern Rimac zurück. Nach den erforderlichen behördlichen Freigaben hat der Sportwagenhersteller den Verkauf seiner Anteile an der Rimac Group und am Gemeinschaftsunternehmen Bugatti Rimac am Mittwoch abgeschlossen. Porsche erhält dafür nach eigenen Angaben rund eine Milliarde Euro. Ein Teil des Geldes fließt direkt in die Finanzierung der betrieblichen Altersversorgung, zugleich verbessert der Mittelzufluss die Cashflow-Aussichten des Konzerns.
Porsche hatte die Vereinbarung mit dem Käuferkonsortium bereits im April 2026 geschlossen. Nun ist die Transaktion vollzogen. Bislang hielt der Stuttgarter Sportwagenhersteller 20,6 Prozent an der Rimac Group sowie 45 Prozent an Bugatti Rimac. Beide Beteiligungen werden vollständig abgegeben. Das Käuferkonsortium wird von der New Yorker Investmentgesellschaft HOF Capital angeführt. Zu den beteiligten Investoren gehört auch BlueFive Capital.
Bugatti Rimac war 2021 von Porsche und der Rimac Group gegründet worden. In das Gemeinschaftsunternehmen wurde die traditionsreiche Sportwagenmarke Bugatti eingebracht. Die Rimac Group hielt bislang 55 Prozent und damit die Mehrheit. Mit dem Rückzug Porsches endet nun die direkte kapitalmäßige Beteiligung des deutschen Herstellers an beiden Unternehmen. Porsche begründet den Schritt mit der stärkeren Konzentration auf das eigene Kerngeschäft.
Der Porsche AG Konzern erwartet aus dem Verkauf einen Mittelzufluss von rund einer Milliarde Euro. Davon sollen 250 Millionen Euro zur weiteren Ausfinanzierung der Pensionsverpflichtungen verwendet werden. Bereits im ersten Halbjahr 2026 hatte Porsche seine Pensionspläne mit zusätzlichen 250 Millionen Euro gestärkt.
Für den übrigen Verkaufserlös hat Porsche in seiner Mitteilung keine vergleichbare konkrete Zweckbindung genannt. Der Mittelzufluss stärkt allerdings die Finanzposition und wirkt sich unmittelbar auf eine wichtige Kennzahl aus. Porsche erwartet für 2026 nun eine Netto-Cashflow-Marge im Automobilgeschäft von 5,5 bis 7,5 Prozent. Zuvor hatte die Prognose bei 3 bis 5 Prozent gelegen. Die bisherige Jahresprognose hatte mögliche Effekte aus Unternehmensverkäufen noch nicht berücksichtigt.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der Porsche seine Kostenstruktur und Unternehmensorganisation deutlich verändert. Im Juli einigten sich Vorstand und Gesamtbetriebsrat auf ein Zukunftspaket. Bis 2035 sollen weitere 5.000 Stellen sozialverträglich entfallen, vor allem durch natürliche Fluktuation, demografische Effekte, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. Gleichzeitig sollen bis 2035 insgesamt 2,1 Milliarden Euro in die Standorte Zuffenhausen und Weissach investiert werden.
Hinzu kommen bereits zuvor angekündigte Maßnahmen. Porsche hatte unter anderem einen Abbau von rund 1.900 Stellen bis 2029 angekündigt. Außerdem sollen die Tochtergesellschaften Cellforce Group, Porsche eBike Performance und Cetitec nicht weitergeführt werden. Davon sind nach Unternehmensangaben insgesamt mehr als 500 Beschäftigte betroffen. Der Konzern beschreibt diese Schritte als Teil der Konzentration auf das Kerngeschäft und einer langfristigen strategischen Neuausrichtung.
Die wirtschaftliche Lage von Porsche ist dabei nicht ausschließlich von sinkenden Kennzahlen geprägt. Im ersten Halbjahr 2026 ging der Umsatz um 5,1 Prozent auf 17,23 Milliarden Euro zurück. Die weltweiten Auslieferungen sanken noch deutlicher um 16,5 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge. Besonders ausgeprägt war der Rückgang in China. Dort lieferte Porsche von Januar bis Juni 14.501 Fahrzeuge aus, 32 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Gleichzeitig verbesserte sich das operative Ergebnis im ersten Halbjahr von 1,01 Milliarden auf 1,35 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite stieg von 5,5 auf 7,8 Prozent. Der Netto-Cashflow des Automobilgeschäfts erhöhte sich auf 1,02 Milliarden Euro. Porsche führte die Entwicklung unter anderem auf Kostenmanagement, die Steuerung von Preisen und Produktmix sowie geringere Mittelabflüsse für Investitionen zurück.
Damit steht der Konzern vor einer gemischten Entwicklung. Die Nachfrage ist in mehreren wichtigen Märkten schwächer, insbesondere in China. Zugleich versucht Porsche, die Profitabilität zu stabilisieren, Investitionen gezielter einzusetzen und seine Organisation zu verkleinern.
Für die Rimac Group verändert der Verkauf vor allem die Eigentümerstruktur. Nach den im April veröffentlichten Plänen soll die Rimac Group die Kontrolle über Bugatti Rimac übernehmen. Gleichzeitig geht das Unternehmen strategische Partnerschaften mit HOF Capital und BlueFive Capital ein. Die neuen Investoren sollen die weitere Entwicklung und das Wachstum der Gruppe unterstützen.
Damit endet eine mehrere Jahre dauernde direkte Beteiligung Porsches an der Rimac Group. Die Zusammenarbeit hatte dem deutschen Hersteller Zugang zu einem Unternehmen verschafft, das sich auf elektrische Hochleistungsfahrzeuge, Batteriesysteme und Fahrzeugtechnologie spezialisiert hat. Rimac wiederum erhielt mit Porsche einen der weltweit bekanntesten Sportwagenhersteller als Anteilseigner und Partner.
Der Milliardenverkauf löst die strukturellen Herausforderungen bei Porsche nicht, erhöht aber kurzfristig den finanziellen Spielraum. Ende Juni verfügte das Automobilgeschäft über eine Nettoliquidität von 7,3 Milliarden Euro. Der zusätzliche Verkaufserlös kommt nun in einer Phase hinzu, in der Porsche zugleich Restrukturierungskosten trägt, seine Modellstrategie anpasst und Investitionen in die deutschen Kernstandorte plant.
Für Porsche bedeutet die Transaktion deshalb vor allem eine weitere Konzentration von Kapital und Managementressourcen auf das eigene Fahrzeuggeschäft. Rimac erhält im Gegenzug eine neue Investorenstruktur und mehr Kontrolle über Bugatti Rimac. Wie sich die Partnerschaften unter den neuen Eigentümern langfristig entwickeln, hängt von deren künftiger Strategie ab.
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