
Die Deutsche Post übernimmt Myflexbox und stellt damit ihr Geschäft mit Paketautomaten in Deutschland neu auf. Der österreichische Betreiber anbieteroffener Paketstationen wird mit der Post-Tochter DeinFach zusammengeführt. Künftig sollen die offenen Automaten beider Unternehmen unter der Marke Myflexbox betrieben werden. Die noch junge Marke DeinFach soll schrittweise verschwinden. Gleichzeitig erhöht die Deutsche Post ihr Ausbauziel deutlich: Bis 2030 soll das gesamte deutsche Automatennetz aus DHL-Packstationen, Poststationen und offenen Myflexbox-Stationen auf rund 50.000 Standorte wachsen. Mehr als die Hälfte davon sollen für unterschiedliche Paketdienstleister nutzbar sein.
Käufer von Myflexbox ist DeinFach, eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Post. Der bisherige Eigentümer STAR Capital bestätigte am 1. Oktober den abgeschlossenen Verkauf von 100 Prozent der Anteile. Zum finanziellen Umfang der Transaktion machten die Beteiligten keine Angaben. Myflexbox wurde 2018 in Salzburg gegründet und betreibt Paketautomaten, die nicht ausschließlich an einen einzelnen Zustelldienst gebunden sind.
Nach aktuellen Angaben verfügt Myflexbox über rund 3.000 Stationen in Deutschland und Österreich. Davon befinden sich nach Angaben aus dem Umfeld der Transaktion etwa 2.000 in Deutschland und rund 1.000 in Österreich. Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und arbeitet mit mehreren Paketdiensten und Handelsunternehmen zusammen. Zu den eingebundenen Anbietern gehören unter anderem DPD und Amazon. Amazon hatte erst im Juli 2026 angekündigt, alle deutschen Myflexbox-Standorte in seine Lieferinfrastruktur einzubeziehen.
Für Kunden sichtbar wird die Übernahme vor allem durch die künftige Markenstrategie. Die offenen Paketstationen von DeinFach und Myflexbox sollen unter dem Namen Myflexbox zusammengeführt werden. Die Marke DeinFach wird nach Angaben der DHL Group nach und nach in Myflexbox überführt.
DeinFach selbst war erst Anfang 2025 mit den ersten anbieteroffenen Automaten gestartet. Das Unternehmen ging aus dem Projekt OneStopBox hervor und sollte eine Alternative zu Paketstationen schaffen, die ausschließlich für einen einzelnen Dienstleister bestimmt sind. Die Automaten können von verschiedenen Logistikunternehmen genutzt werden. Auch Click-and-Collect-Angebote für Händler lassen sich integrieren.
Die klassischen DHL-Packstationen und Poststationen bleiben daneben bestehen. Auch Paketshops, Partnerfilialen und die Zustellung an die Haustür sollen weiterhin Teil des Angebots von Post & Paket Deutschland bleiben. Die Übernahme bedeutet damit nicht, dass sämtliche Automaten der Deutschen Post künftig für Wettbewerber von DHL geöffnet werden. Das offene Myflexbox-Netz bildet vielmehr einen zusätzlichen Teil der Infrastruktur.
Besonders deutlich fällt die Änderung beim Ausbauziel aus. Noch im Juni 2025 hatte die Deutsche Post angekündigt, ihr deutsches Netz aus Packstationen, Poststationen und offenen DeinFach-Automaten bis 2030 auf etwa 30.000 Standorte auszubauen. Nach der Myflexbox-Übernahme nennt das Unternehmen nun eine Zielgröße von rund 50.000 Automaten.
Mehr als die Hälfte dieser Stationen sollen bis dahin anbieteroffene Myflexbox-Automaten sein. Damit ergibt sich ein Ziel von mindestens rund 25.000 offenen Stationen in Deutschland. Das wäre ein erheblicher Ausbau gegenüber dem heutigen Netz. Insgesamt verfügt die Deutsche Post derzeit nach eigenen Angaben über rund 19.000 DHL-Packstationen, Poststationen und DeinFach-Automaten in Deutschland. Hinzu kommen die Myflexbox-Standorte.
Langfristig verfolgt die Post nach eigenen Angaben das Ziel, dass ein großer Teil der Bevölkerung eine Paketstation innerhalb von fünf bis zehn Minuten zu Fuß erreichen kann. Die offenen Automaten sollen dabei Flächen gemeinsam für mehrere Paketunternehmen nutzbar machen, statt an einem Standort getrennte Systeme verschiedener Anbieter aufzustellen.
Die Deutsche Post trifft mit dem Ausbau auf einen Markt, in dem auch Wettbewerber ihre Abholnetze erweitern. DPD und GLS bauen beispielsweise unter der gemeinsamen Marke Inboxx ein anbieteroffenes Netz auf. Bis Ende 2027 wollen die beiden Unternehmen ihren Kunden insgesamt 20.000 gemeinsam nutzbare Abhol- und Abgabepunkte in Deutschland anbieten. Darunter sollen bis zu 6.000 Paketstationen sein.
Der Unterschied zu klassischen, geschlossenen Paketautomaten liegt darin, dass offene Systeme grundsätzlich von mehreren Logistikunternehmen genutzt werden können. Dadurch können Paketdienste Infrastruktur teilen und Empfänger Sendungen unterschiedlicher Anbieter an denselben Standorten abholen oder aufgeben.
Myflexbox hatte sein Netzwerk bereits vor der Übernahme für weitere Anbieter geöffnet und seine Kooperationen zuletzt ausgebaut. Neben klassischen Paketdiensten wurden auch Onlinehändler und Anbieter aus der zeitkritischen Logistik integriert. Die Übernahme gibt der Deutschen Post damit nicht nur zusätzliche Standorte, sondern auch Zugang zu einem bereits bestehenden offenen Netzwerk.
Anders als bei vielen Übernahmen verschwindet in diesem Fall nicht die Marke des gekauften Unternehmens. Stattdessen wird Myflexbox zur gemeinsamen Marke für das offene Automatengeschäft. DeinFach soll schrittweise darin aufgehen.
Wie schnell bestehende DeinFach-Automaten umbenannt oder technisch in das Myflexbox-System überführt werden, wurde zunächst nicht im Detail angegeben. Auch ein genauer Zeitplan für den Aufbau der mindestens 25.000 offenen Stationen bis 2030 liegt bislang nicht vor. Fest steht dagegen das langfristige Ziel: Zusammen mit den weiterhin bestehenden DHL-Packstationen und Poststationen soll das deutsche Automatennetz der Deutschen Post bis zum Ende des Jahrzehnts auf rund 50.000 Standorte anwachsen.






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