SAP richtet Konzern stärker auf KI aus: Personalumbau rückt in den Fokus

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Softwarekonzern SAP treibt seine Ausrichtung auf Künstliche Intelligenz weiter voran. Gleichzeitig werden in Deutschland Vereinbarungen für mögliche Veränderungen in der Belegschaft neu geordnet. Nach einem aktuellen Bericht des Manager Magazins hat der Betriebsrat eine neue Betriebsvereinbarung ausgehandelt, die unter anderem Abfindungsregelungen für Beschäftigte vorsieht. Ein konkret beschlossenes neues Stellenabbauprogramm mit einer festgelegten Zahl betroffener Arbeitsplätze ist damit jedoch nicht bestätigt.

Der SAP Umbau zum KI-Konzern ist Teil einer bereits seit mehreren Jahren laufenden strategischen Neuausrichtung. Das Unternehmen investiert verstärkt in Cloudsoftware, eigene KI-Angebote und Technologien, mit denen Geschäftsprozesse automatisiert werden sollen. SAP selbst bezeichnet Business AI inzwischen als einen zentralen Wachstumsbereich.

Neue Vereinbarungen für Beschäftigte bei SAP

Nach Angaben des Manager Magazins hat der Betriebsrat um die Vorsitzende Nathalie Boulay eine neue Betriebsvereinbarung ausgehandelt. Das Magazin beschreibt Regelungen für Abfindungen und mögliche Veränderungen im Zuge künftiger Reorganisationen. Konkrete Beträge oder eine offiziell festgelegte Zahl von Stellen, die nun wegfallen sollen, waren zunächst nicht bestätigt.

Parallel dazu berichtet das Handelsblatt über eine neue Beschäftigungssicherung bei SAP. Demnach haben Unternehmensleitung und Betriebsrat für die deutsche Dachgesellschaft eine Vereinbarung bis Ende 2028 getroffen. Bei Reorganisationen sollen Beschäftigten dem Bericht zufolge zunächst andere Stellen innerhalb des Konzerns angeboten werden. Auch Weiterbildungen für neue Aufgaben und der Erhalt des Gehaltsniveaus bei Versetzungen seien Bestandteil der Regelung. Für die deutsche Vertriebsgesellschaft sei eine ähnliche Vereinbarung in Arbeit.

Eine umfassende Ankündigung eines neuen Stellenabbaus lag zunächst nicht vor.

KI verändert Strategie und Organisation des Softwarekonzerns

Die strategische Richtung ist dagegen seit längerem eindeutig. SAP hatte bereits Anfang 2024 ein konzernweites Transformationsprogramm angekündigt. Damals sollten rund 8.000 Stellen von Veränderungen betroffen sein. Der Konzern setzte dabei nach eigenen Angaben vor allem auf freiwillige Programme und interne Umschulungen. Zugleich sollten Investitionen verstärkt in strategische Wachstumsfelder fließen, insbesondere in Künstliche Intelligenz.

Das Programm verursachte 2024 Restrukturierungsaufwendungen von mehr als drei Milliarden Euro. SAP erklärte später, die damalige konzernweite Restrukturierung solle Anfang 2025 abgeschlossen werden. Trotz des Umbaus sank die Gesamtzahl der Beschäftigten nicht dauerhaft. Ende 2025 kam SAP auf 110.650 Vollzeitstellen nach 109.121 ein Jahr zuvor.

Damit unterscheidet sich die Situation von einem klassischen Sparprogramm, bei dem lediglich Arbeitsplätze gestrichen werden. SAP hat gleichzeitig Stellen und Ressourcen in neue Wachstumsfelder verschoben.

SAP investiert Milliarden in Business AI

2026 hat der Konzern seine KI-Offensive weiter beschleunigt. Im Juli schloss SAP unter anderem die Übernahme des KI-Unternehmens Prior Labs ab. Das Unternehmen entwickelt sogenannte Tabular Foundation Models, die für die Verarbeitung strukturierter Geschäftsdaten gedacht sind. SAP kündigte an, innerhalb von vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro in den Ausbau von Prior Labs zu einem Forschungszentrum für KI auf Basis strukturierter Daten zu investieren.

Parallel baut SAP seine Plattform für Business AI und den KI-Assistenten Joule aus. Ziel ist es, KI-Agenten stärker direkt in Geschäftsprozesse einzubinden. Der Konzern spricht dabei von einer Entwicklung hin zum „Autonomous Enterprise“, bei dem Software bestimmte Aufgaben zunehmend selbstständig ausführen kann, während Menschen die Kontrolle behalten.

Die finanziellen Kennzahlen zeigen zugleich, warum SAP diesen Kurs forciert. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Clouderlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22 Prozent. Der sogenannte Current Cloud Backlog, also vertraglich gesicherte künftige Cloudumsätze, wuchs auf 22,9 Milliarden Euro. Insgesamt legten die Umsatzerlöse um neun Prozent zu.

Mehr als 110.000 Beschäftigte weltweit

SAP gehört zu den größten Softwareunternehmen Europas und beschäftigt weltweit mehr als 110.000 Menschen in über 150 Ländern. Ende 2025 entfielen knapp 38.000 Vollzeitstellen auf Forschung und Entwicklung. Weitere rund 26.800 Beschäftigte arbeiteten in Vertrieb und Marketing.

Wie stark die nächste Phase der KI-Transformation die Beschäftigtenstruktur verändern wird, ist derzeit nicht beziffert. Eine konkrete neue Zahl für einen geplanten Stellenabbau hat SAP bislang nicht öffentlich bekannt gegeben. Die neuen Personalvereinbarungen zeigen jedoch, dass Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretung sich bereits mit möglichen weiteren organisatorischen Veränderungen befassen.

Für SAP geht es dabei um einen doppelten Umbau. Das traditionelle Geschäft mit Unternehmenssoftware wird weiter in die Cloud verlagert, zugleich soll Künstliche Intelligenz zu einem zentralen Bestandteil der Produkte und internen Abläufe werden. Welche Funktionen dadurch wachsen, verändert oder künftig weniger Personal benötigen, dürfte deshalb zu den zentralen Personalfragen der kommenden Jahre gehören.

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