Qualcomm und Arm: US-Jury stellt Vertragsbruch fest, spricht aber nur zwei Dollar zu

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Im jahrelangen Lizenzstreit zwischen Qualcomm und Arm hat eine US-Jury am Dienstag, 13. Oktober 2026, eine Entscheidung getroffen. Die Geschworenen stellten nach Angaben von Qualcomm fest, dass Arm einen Architektur-Lizenzvertrag verletzt und gezielt versucht habe, geschäftliche Aktivitäten von Qualcomm zu beeinträchtigen. Allerdings erhält der US-Chiphersteller lediglich zwei Dollar nominellen Schadenersatz. Vier weitere Ansprüche wurden nach Darstellung von Arm zurückgewiesen. Damit fällt das Urteil deutlich differenzierter aus, als es der festgestellte Vertragsverstoß zunächst vermuten lässt.

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Qualcomm gegen Arm: Zwei Dollar trotz Vertragsverstoß

Die Entscheidung fiel vor dem US-Bundesbezirksgericht für Delaware in Wilmington. Das Verfahren mit dem Aktenzeichen 1:24-cv-00490 wird von Bundesrichterin Maryellen Noreika geleitet. Qualcomm hatte im April 2024 Klage gegen Arm erhoben und seine Forderungen später erweitert.

Nach Angaben eines Qualcomm-Sprechers, auf den sich die Nachrichtenagentur Reuters beruft, sahen die Geschworenen sowohl eine Verletzung des Architektur-Lizenzvertrags als auch eine vorsätzliche Beeinträchtigung von Qualcomms Geschäftstätigkeit als erwiesen an.

Arm bestätigte in einer eigenen Erklärung die Höhe des zugesprochenen Schadenersatzes. Demnach erhielt Qualcomm bei zwei Ansprüchen jeweils einen Dollar. In vier weiteren Punkten entschieden die Geschworenen zugunsten von Arm.

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Streit um Chiptechnik und Geschäfte mit Meta

Im Verfahren warf Qualcomm dem britischen Chiptechnologieunternehmen unter anderem vor, vertraglich zugesagte Softwarewerkzeuge und technische Aktualisierungen nicht bereitgestellt zu haben. Außerdem ging es um Preisbedingungen für die Nutzung von Arm-Prozessordesigns.

Ein weiterer Streitpunkt betraf die Geschäftsbeziehungen zwischen Qualcomm und dem Facebook-Mutterkonzern Meta. Qualcomm hatte Arm vorgeworfen, im Jahr 2024 Informationen über eine angedrohte Lizenzkündigung an Bloomberg weitergegeben zu haben. Dadurch seien Verhandlungen mit Meta beeinträchtigt worden.

Im Prozess führte Qualcomm an, dass sich das Volumen eines geplanten Geschäfts mit Meta um 170 Millionen Dollar verringert habe. Arm bestreitet allerdings, dass Qualcomm durch das Verhalten des britischen Unternehmens einen entsprechenden wirtschaftlichen Schaden erlitten habe. Arms Prozessanwalt Gregg LoCascio erklärte nach Angaben von Reuters vor Gericht, Meta habe seine Produktstrategie verändert. Das Unternehmen habe sich stärker auf KI-Brillen statt auf Virtual-Reality-Headsets konzentriert und deshalb die finanziellen Bedingungen für Qualcomm-Chips anpassen wollen. Die wirtschaftlichen Veränderungen seien somit nicht auf das Arm vorgeworfene Verhalten zurückzuführen.

Das Juryurteil bestätigt nicht sämtliche von Qualcomm erhobenen Einzelvorwürfe. Insbesondere lässt sich aus der zugesprochenen symbolischen Entschädigung kein nachgewiesener wirtschaftlicher Schaden in Höhe der ursprünglich angeführten 170 Millionen Dollar ableiten.

Nuvia-Übernahme löste den jahrelangen Konflikt aus

Die rechtliche Auseinandersetzung reicht bis zur Übernahme des Chipentwicklers Nuvia durch Qualcomm im Jahr 2021 zurück. Qualcomm kaufte das Unternehmen für rund 1,4 Milliarden Dollar. Nuvia hatte zuvor eigene Prozessorarchitekturen auf Basis der Arm-Technologie entwickelt.

Arm erhob im August 2022 Klage gegen Qualcomm und Nuvia. Der britische Konzern vertrat die Auffassung, dass bestimmte Lizenzverpflichtungen im Zusammenhang mit der Übernahme verletzt worden seien.

Im Dezember 2024 entschied eine Jury in wesentlichen Punkten zugunsten von Qualcomm. Sie stellte fest, dass Qualcomm den betreffenden Nuvia-Lizenzvertrag nicht verletzt hatte und die Nutzung bestimmter Prozessortechnologien durch Qualcomms eigene Architektur-Lizenz gedeckt war.

Im September 2025 wies das zuständige Bundesgericht auch den verbliebenen Anspruch gegen Nuvia zurück. Arm legte gegen diese Entscheidung Berufung beim US-Berufungsgericht für den dritten Gerichtsbezirk ein. Dieses ältere Berufungsverfahren war nach den zuletzt veröffentlichten Unternehmensunterlagen weiterhin anhängig.

Entscheidung über milliardenschwere Lizenzzahlungen noch offen

Wirtschaftlich könnte eine weitere Entscheidung des Gerichts wesentlich bedeutender werden als die zwei Dollar Schadenersatz.

Qualcomm beruft sich auf eine Vertragsklausel, die nach Auffassung des Unternehmens bei bestimmten Vertragsverletzungen eine Aussetzung von Lizenzgebühren für bis zu fünf Jahre ermöglichen könnte. Dabei geht es potenziell um Zahlungen in Milliardenhöhe.

Arm hält eine solche Sanktion für rechtlich nicht durchsetzbar. Richterin Maryellen Noreika hatte über diese Frage bis zu den zuletzt bestätigten Verfahrensberichten noch nicht entschieden.

Parallel behandelte das Gericht zudem die Frage, ob Arm bei Verhandlungen über neue Generationen seiner Chiparchitektur seinen vertraglichen Verpflichtungen nachgekommen ist. Der bestehende Architektur-Lizenzvertrag von Qualcomm läuft nach den bisherigen Angaben bis 2033.

Eine endgültige Entscheidung über die künftigen Lizenzzahlungen ergibt sich aus dem aktuellen Juryverdikt daher nicht.

Arm sieht im Urteil eine Bestätigung seiner Position

Beide Unternehmen bewerten das Ergebnis unterschiedlich. Qualcomm verwies über einen Sprecher gegenüber Reuters auf die festgestellten Vertragsverletzungen und die vorsätzliche Beeinträchtigung seiner Geschäftstätigkeit.

Arm begrüßte in seiner am Dienstag veröffentlichten Erklärung dagegen ausdrücklich das Juryurteil. Der Konzern betonte, dass vier Ansprüche zugunsten von Arm entschieden worden seien und Qualcomm bei den beiden übrigen lediglich jeweils einen Dollar erhalten habe.

Arm erklärte zudem, das Unternehmen habe im Rahmen seiner Technologie-Lizenzvereinbarung nach Treu und Glauben gehandelt. Diese Bewertung stammt aus der Stellungnahme des Konzerns und ist von den noch offenen gerichtlichen Fragen zu künftigen Lizenzbedingungen zu unterscheiden.

Ob eine der Parteien gegen das aktuelle Verfahrensergebnis weitere Rechtsmittel einlegen wird, war zunächst nicht bestätigt.

Arm-Aktie verliert, Qualcomm legt im US-Handel zu

An der Börse entwickelten sich die Aktien der beiden Unternehmen am Dienstag unterschiedlich. Die Qualcomm-Aktie notierte am 13. Oktober 2026 um 19:39 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit bei 178,68 US-Dollar und lag damit 2,44 Prozent im Plus. Die Arm-Aktie wurde um 19:58 Uhr mit 253,06 US-Dollar gehandelt, was einem Rückgang von 0,86 Prozent entsprach. Die Angaben stammen von MarketScreener auf Basis von Intraday-Kursdaten der Handelsplattform Cboe BZX.

Reuters hatte im Verlauf des US-Nachmittagshandels zeitweise einen Kursrückgang von mehr als einem Prozent bei Arm gemeldet. Die Kursbewegungen fallen in eine Phase erhöhter Schwankungen bei internationalen Halbleiterwerten. Welcher Anteil davon unmittelbar auf das Urteil zurückzuführen ist, lässt sich nicht eindeutig bestimmen.

Bedeutung für Smartphone-Chips und PC-Prozessoren

Der Konflikt betrifft zwei wichtige Unternehmen der globalen Halbleiterbranche. Arm entwickelt Prozessorarchitekturen, die von zahlreichen Chipunternehmen genutzt werden. Qualcomm verwendet diese Technologie insbesondere für seine Snapdragon-Prozessoren, die in Smartphones, Computern und anderen elektronischen Geräten eingesetzt werden.

Besonders wichtig ist der Streit für Qualcomms eigene Oryon-Prozessorkerne. Diese beruhen auf Entwicklungen, die durch die Übernahme von Nuvia in das Unternehmen gelangten. Sie bilden eine technische Grundlage für verschiedene leistungsfähige Qualcomm-Prozessoren.

Arm ist inzwischen zudem selbst stärker im Geschäft mit eigenen Prozessorlösungen aktiv. Dadurch überschneiden sich die geschäftlichen Interessen des Technologieanbieters und seiner langjährigen Lizenznehmer zunehmend.

Das aktuelle Juryurteil führt nicht automatisch zu neuen Lizenzpreisen oder einer Änderung der bestehenden Nutzungsrechte. Auch eine Unterbrechung des Verkaufs von Qualcomm-Prozessoren wurde im Zusammenhang mit der Entscheidung nicht angekündigt.

Für die Halbleiterbranche bleibt damit insbesondere die Frage nach künftigen Lizenzbedingungen und den wirtschaftlichen Folgen des Konflikts relevant.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu