
Deutschlands Raffinerien haben im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Kraftstoff hergestellt. Besonders kräftig stieg die Produktion von Diesel. Gleichzeitig gingen die Importe von Benzin und Diesel um fast ein Viertel zurück. Die neuen Zahlen zeigen, dass Deutschland seinen Bedarf an fertigen Kraftstoffen stärker aus heimischen Raffinerien deckt. Eine Garantie für niedrigere Preise an den Tankstellen ist das allerdings nicht.
Von Januar bis Juni stellten Raffinerien in Deutschland rund 11 Millionen Tonnen Motorenbenzin einschließlich Flugbenzin her. Das waren 1,8 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Bei Diesel fiel der Anstieg wesentlich stärker aus. Die Produktion erhöhte sich um 9,4 Prozent auf 15,8 Millionen Tonnen.
Damit verringerte sich zugleich der Bedarf an Kraftstofflieferungen aus dem Ausland. Die Benzinimporte gingen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent zurück. Beim Diesel lag das Minus bei 23,9 Prozent.
Im ersten Halbjahr wurden noch rund 525.000 Tonnen Motorenbenzin nach Deutschland eingeführt. Wichtigster Lieferant waren die Niederlande mit einem Anteil von 52,1 Prozent. Tschechien kam auf 26,1 Prozent, Österreich auf knapp zwölf Prozent.
Beim Diesel lagen die Einfuhren bei rund 858.000 Tonnen. Hier spielte Belgien mit einem Anteil von 55,1 Prozent die wichtigste Rolle. Weitere 39,7 Prozent kamen aus den Niederlanden.
Deutschland war im betrachteten Zeitraum bei Benzin und Diesel insgesamt Nettoexporteur. Die Raffinerien produzierten also nicht nur für den heimischen Markt. Die Ausfuhr von Benzin sank zwar um 3,5 Prozent auf 1,66 Millionen Tonnen. Die Dieselexporte stiegen dagegen deutlich um 18,7 Prozent auf 2,06 Millionen Tonnen.
Gerade beim Diesel ist die Entwicklung bemerkenswert. Noch zu Beginn des Jahres hatte die hohe Abhängigkeit Europas von internationalen Produktmärkten die Diskussion über die Versorgung und hohe Kraftstoffpreise geprägt. Eine höhere Produktion deutscher Raffinerien kann diese Abhängigkeit bei fertigem Diesel reduzieren.
Die höhere Produktion hat allerdings eine klare Grenze. Raffinerien in Deutschland benötigen für die Herstellung von Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Produkten überwiegend importiertes Rohöl. Die Rohölversorgung Deutschlands ist zu rund 98 Prozent von Einfuhren abhängig.
Die geringeren Importe fertiger Kraftstoffe bedeuten deshalb nicht, dass Deutschland bei seiner Mineralölversorgung unabhängig vom Ausland geworden ist. Ein größerer Teil der Wertschöpfung findet lediglich in deutschen Raffinerien statt. Das benötigte Rohöl muss weiterhin größtenteils aus anderen Ländern nach Deutschland gelangen.
Damit bleiben geopolitische Konflikte, Fördermengen, internationale Handelsströme und die Preise an den globalen Ölmärkten auch bei steigender deutscher Raffinerieproduktion von großer Bedeutung.
Wie stark dieser Effekt sein kann, zeigen die Außenhandelswerte des ersten Halbjahres. Obwohl Deutschland 23 Prozent weniger Benzin importierte, sank der Wert dieser Einfuhren lediglich um 2,5 Prozent auf 479 Millionen Euro.
Beim Diesel ging die eingeführte Menge sogar um 23,9 Prozent zurück, gleichzeitig stieg der Importwert um 5,8 Prozent auf 845 Millionen Euro. Deutschland kaufte also erheblich weniger Diesel im Ausland, bezahlte dafür insgesamt aber mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Dahinter stehen die gestiegenen Preise auf den internationalen Energie- und Produktmärkten. Die Eskalation im Nahen Osten hatte im Laufe des Jahres sowohl die Rohölpreise als auch die Preise für bereits raffinierte Mineralölprodukte kräftig nach oben getrieben.
Die Entwicklung macht deutlich, warum eine höhere Produktion der Raffinerien in Deutschland nicht automatisch zu sinkenden Tankstellenpreisen führt. Entscheidend ist nicht allein, wo Benzin oder Diesel hergestellt werden, sondern auch zu welchen Preisen Rohöl und fertige Mineralölprodukte international gehandelt werden.
Neben dem Rohölpreis beeinflussen internationale Benzin- und Dieselnotierungen, der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar, Raffinerie- und Vertriebskosten sowie Steuern und Abgaben die Preise an deutschen Tankstellen.
Auch das Bundeskartellamt hatte den Raffinerie- und Kraftstoffgroßhandel bereits intensiv untersucht. Die Behörde stellte unter anderem fest, dass internationale Preisnotierungen auf mehreren Stufen der Wertschöpfungskette eine wichtige Rolle spielen. Deutschland ist zudem eng mit dem europäischen Mineralölmarkt verbunden.
Die höhere heimische Produktion kann deshalb die Versorgung mit fertigen Kraftstoffen robuster machen und die direkte Importabhängigkeit bei Benzin und Diesel reduzieren. Einen festen Abschlag auf den Literpreis lässt sich daraus nicht ableiten.
Für Autofahrer ist am Donnerstag zunächst eine andere Entwicklung unmittelbar relevant. Seit dem 1. Oktober gilt erneut eine vorübergehende Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Sie läuft bis zum 31. Dezember 2026.
Die Energiesteuer wird um 14,04 Cent je Liter reduziert. Zusammen mit dem Effekt der Mehrwertsteuer ergibt sich bei vollständiger Weitergabe rechnerisch eine Entlastung von rund 16,7 Cent je Liter.
Bereits in den ersten Stunden nach Inkrafttreten gingen die Preise an vielen Tankstellen deutlich zurück. Wie hoch die tatsächliche Entlastung über die kommenden Wochen ausfällt, hängt allerdings weiterhin von der Entwicklung der Rohöl- und Produktpreise sowie vom Wettbewerb im Kraftstoffmarkt ab.
Die gestiegene Produktion von Benzin und Diesel verbessert damit vor allem die Position Deutschlands auf dem Markt für fertige Kraftstoffe. Sie schützt Autofahrer jedoch nicht vor Preissprüngen auf den internationalen Energiemärkten. Solange das Rohöl für Deutschlands Raffinerien fast vollständig aus dem Ausland kommt, bleibt auch eine hohe heimische Kraftstoffproduktion eng mit der Entwicklung des Weltmarkts verbunden.






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